Welchen Tod sollen wir fürchten?

Der Tod eines einzelnen Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik. – Joseph Stalin (zugeschrieben)

Wer einen Menschen rettet, rettet die Welt. – Talmud

Die Wissenschaft kann uns immer bessere Statistiken zu Covid-19 liefern. Was sie prinzipiell nicht kann, ist uns zu sagen, wie schlimm wir diese Krankheit finden sollen. Deshalb wird es dazu wohl auf absehbare Zeit keinen gesellschaftlichen Konsens geben.

Es gibt Krankheiten wie z.B. Ebola, die aufgrund einer hohen Letalität sofort klar ist, dass man sie mit allen verfügbaren Mitteln bekämpfen muss. Es gibt Krankheiten wie z.B. die Grippe, bei denen wir akzeptiert haben, dass jedes Jahr ein paar Alte und Kranke daran sterben, und wir deshalb nicht gleich alle in Quarantäne gehen. Die Corona-Pandemie hingegen bewegt sich wie wohl kaum eine andere Epidemie vor ihr in einem Graubereich, in dem es dem Menschen schwer fällt, sie einer der beiden Kategorien zuzuordnen.

Gehen wir die Frage einmal etwas grundsätzlicher an und betrachten verschiedene Todesfallzahlen in Deutschland und der Welt:

Deutschland
Ebola: 0
Rechtsextreme Gewalt (1990-2018): 3
Terrorismus (13-17): 7
Blitzschlag: 8
Tuberkulose (15): 100
Partnerschaftsgewalt (18): 100
AIDS (17): 300
Grippe (19/20): 400
Morde (17): 400
Klimawandel (00-19): 1.000 (?)
Asbest (17): 1.600
Verkehrsunfälle (15): 4.000
SARS-CoV-2 (bis 15.04.20): 7.000
Suizid (17): 9.200
Krebs (17): 230.000
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (17): 340.000
Gesamt (17): 930.000

Weltweit
vom Baum fallende Kokosnüsse (00-19): 0.5
Raumfahrt (00-19): 2
Flugzeugabstürze (19): 600
SARS-CoV-1 (03): 800
Flucht über das Mittelmeer (18): 2.000
9/11 (01): 3.000
Ebola (13-16): 7.000
Terrorismus (17): 26.000
Syrien-Krieg (11-20): 65.000
Tsunami (04): 230.000
SARS-CoV-2 (bis 06.05.20): 260.000
Mord (17): 400.000
Suizid (17): 800.000
AIDS (17): 1.000.000
Tuberkulose (17): 1.200.000
Verkehrsunfälle (17): 1.200.000
Erster Weltkrieg (1914-18): 4.000.000
Hunger (07): 9.000.000
Krebs (17): 10.000.000
Zweiter Weltkrieg (1939-45): 14.000.000
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (17): 18.000.000
Gesamt (17): 56.000.000

Jahreszahlen in Klammern. Bei mehreren Jahren Durchschnittswert. Alle Werte großzügig gerundet.*

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich möchte hiermit nicht beweisen, dass unsere Intuition falsch läge und wir unsere Risikobewertung anhand der obigen Rangfolge vornehmen sollten. Mir geht es vielmehr darum, zu zeigen, dass die Anzahl der bisher gestorbenen kein sinnvolles Risikomaß ist! Es wäre absurd, zu behaupten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien schlimmer als der Zweite Weltkrieg oder Corona schlimmer als der syrische Bürgerkrieg. Wir müssten uns vor Blitzschag mehr fürchten als vor rechter Gewalt. Der Flug zum Mond sei sicherer als die Fahrt zum Bäcker um die Ecke.

Todesstatistiken werden oft benutzt, um Gefahren zu verharmlosen. Manchmal werden sogar – auch in vermeintlich seriösen Medien – zur Verharmlosung urbane Legenden verbreitet: Z.B. die Fischgrätenlüge zur Verharmlosung des Terrorismus oder die Kokosnusslüge zur Verharmlosung der Gefahr durch Haie.

Manche Vergleiche finde ich trotz aller Probleme der Vergleichbarkeit ganz interessant. Z.B. dass wir in Deutschland bereits jetzt mehr Corona-Tote als Straßenverkehrstote im ganzen Jahr haben. Man stelle sich vor, man würde das als Argument für eine „Lockerung“ oder ersatzlose Abschaffung der Straßenverkehrsordnung verwenden
.

Was sind jetzt also die Gründe dafür, dass manche Gefahren trotz weniger Toten schlimmer erscheinen als andere mit mehr Toten?

  • Die Statistik schaut nur in die Vergangenheit. Bei Risiken, die man schlecht kennt und/oder die ein großes Wachstumspotential haben ist das ein ganz schlechter Indikator für die Zukunft.

    Insbesondere werden dabei keine Kippelemente („Tipping Points“) berücksichtigt, bei denen ein leichter Risikoanstieg schnell und unumkehrbar zu einer Katastrophe führt. Beispiele für solche Kippelemente sind die schmelzenden Polkappen, die einen katastrophalen Klimawandel zünden oder den Übergang einer Infektionskrankheit mit nachvollziehbaren Infektionsketten in die unkontrollierte Ausbreitung.
  • Der Grad des Verschuldens durch Dritte bleibt unberücksichtigt. Bei nicht ansteckenden Krankheiten wie z.B. Krebs ist es am schwierigsten, einen schuldigen auszumachen. Deshalb sind sie am wenigsten schlimm. Dann kommen Naturkatastrophen wie z.B. Erdbeben, wo man immerhin den Bauherren oder der Regierung eine Teilschuld zusprechen kann. Dann kommen fahrlässige Tötung, Totschlag, Mord und Terrorismus. Und am schlimmsten ist rassistischer Terrorismus.

    In viele Fällen ist die Schuldfrage strittig, und damit auch die Entscheidung als wie schlimm ein Todesfall zu betrachten ist. Z.B.: Ist ein gestorbener Alkoholiker selbst schuld, weil er sich in den Tod gesoffen hat? Oder ist er Opfer einer tödlichen Krankheit? Sind AIDS-Tote selbst schuld, wenn sie sich beim ungeschützten Sex angesteckt haben? Sind Grippe-Tote selbst schuld, wenn sie sich nicht impfen lassen haben? Sind Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken selbst schuld, wenn sie sich in ein nicht seetüchtiges Boot begeben haben?

    Letztlich ist es für die Risikobewertung eigentlich egal, ob es einen Schuldigen gibt oder es ein rein zufälliges Ereignis war. Tot ist tot. Aber sobald es einen Faktor gibt, den man selbst in der Hand hat, sieht die Sache ganz anders aus. Für einen Nichtraucher, der sich um den zunehmenden Terrorismus sorgt, ist es gewiss ein schwacher Trost, dass das Raucher-Risiko viel größer als das Terror-Risiko ist.

  • Der Verlust an Lebenserwartung wurde nicht berücksichtigt. Es macht einen Unterschied, ob ein Kind, das sein Leben noch vor sich hat, völlig unerwartet stirbt, oder ob ein alter, kranker Mensch durch eine Infektion eine Woche früher stirbt, als es ohne diesen Infekt der Fall gewesen wäre. Dem wird mit dem Maß „years of potential life lost“ (YPLL) Rechnung getragen.
  • Der Verlust an Lebensqualität durch Krankheit und Behinderung wurde nicht berücksichtigt. Viele der genannten Risiken töten ja nicht nur, sondern lassen zusätzlich noch eine unterschiedlich große Zahl an Kranken, Behinderten oder Schwerverletzten zurück. Dem wird mit dem Maß „disability-adjusted life years“ (DALY) Rechnung getragen.

Auch das mediale Interesse ist bei den verschiedenen Todesfallklassen sehr unterschiedlich. Dazu erst mal etwas Grundsätzliches:

Der primäre Sinn von Nachrichten ist es nicht, den kürzlich Verstorbenen zu huldigen, sondern vielmehr die Ursache-Wirkung-Beziehungen aktueller Ereignisse zu durchleuchten. Deshalb ist ein Bericht über den Täter einer Gewalttat auch viel interessanter als einer über die Opfer. Der Täter ist nun mal die Ursache der Tat, und die Opfer sind oft nur zufällig ausgewählt und bringen somit keinerlei Erkenntnisgewinn. Und wenn man prinzipiell allen Verstorbenen das gleiche mediale Interesse zukommen lassen wollte, müsste man z.B. im Fernsehen rund um die Uhr nur die Namen der Toten vorlesen und auf alle weiteren Meldungen verzichten. Wenn man diese Absurdität nicht will, muss man irgendwie gewichten und die Mehrheit der Todesfälle unter den Tisch fallen lassen.

  • Nachrichten sind um so interessanter, je mehr man daraus Rückschlüsse auf Gefahren für das eigene Leben ziehen kann. Deshalb interessieren sich Menschen eher für Tote, bei denen sie denken „das könnte ich gewesen sein“. Das gesunkene Flüchtlingsboot, die Hungersnot in Afrika und die Sprengfalle in Kabul fallen nicht in diese Kategorie. Es ist ein bisschen so wie beim Wetterbericht: Da interessiert man sich ja auch nur für das Wetter das einen selbst betrifft, und nicht für die Vorhersage an allen Orten der Welt gleichermaßen.
  • Ein relativ gleichmäßiges Todesfallaufkommen wie z.B. bei Autounfällen hat keinen Nachrichtencharakter und wird medial eher vernachlässigt. Bei Flugzeugabstürzen, bei denen die Todesfälle gebündelt auftreten, sieht die Sache ganz anders aus.
  • Eine Geschichte mit offenem Ausgang (z.B. Menschen, die in einer Höhle eingeschlossen sind und niemand weiß, ob man sie befreien kann) fesselt ganz anders als die Information, dass vor einiger Zeit jemand gestorben ist und das aber erst jetzt bekannt wurde.
  • Prominente Todesfälle sind interessanter als nicht-prominente. Frauen und Kinder sind interessanter als erwachsene Männer. Ein Extremfall dieses Effekts war die vollkommen übertriebene Berichterstattung zum Tod von Prinzessin Diana.

Das alles führt dazu, dass die mediale Berichterstattung nicht „gerecht“ und auch nicht risikoadäquat ist. Ich will das weder beschönigen noch verteidigen. Aber da die menschliche Psyche nun mal so tickt, wird man in einer freien Presselandschaft diese Effekte immer haben.

Ist Corona das Asbest der 2020er?
Zurück zu Covid-19. Unlängst haben zwei Politiker mit folgenden Zitaten von sich reden gemacht:

Wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig. – Wolfgang Schäuble

Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einen halben Jahr sowieso tot wären. – Boris Palmer

Was ist davon zu halten? Einerseits ist die erwartbare Empörung wohlfeil. Wenn der Schutz des Lebens wirklich allerhöchste Priorität hätte, müssten wir Autos, Flugzeuge und erst recht Motorräder verbieten, denn alle diese Dinge töten Menschen. Andererseits kommen die Äußerungen nicht von irgendwem und nicht zu einer zufälligen Zeit. Sie kommen von Politikern zu einer Zeit, in der das Leben von tausenden von Menschen in deren Händen liegt. Es ist ein bisschen so, wie wenn der Mafioso sagt „Dinge können kaputt gehen“. Rein sachlich betrachtet ist es natürlich so, dass die meisten Dinge irgendwann mal kaputt gehen, genauso wie wir nicht jeden Preis für ein Menschenleben zahlen können. Aber je nach dem wie, wann und von wem diese Sätze geäußert werden können sie eine bedrohliche Wirkung entfalten.

Wenn man in der Geschichte nach Risiken sucht, deren Gefährlichkeit in einem ähnlichen Graubereich wie Corona liegt, dann landet man schnell beim Thema Asbest. Ähnlich wie Corona tötet es nicht jeden sofort und wenn dann eher ältere Menschen. Mit etwas Phantasie kann man die Toten in der natürlichen Sterblichkeit verschwinden lassen. Es ist nicht offensichtlich, ob jemand wegen oder mit Asbest gestorben ist. Ein Asbest-Verbot bringt erhebliche wirtschaftliche Nachteile mit sich.

Es hat lange gedauert, bis die Politik bereit war, wegen „den paar Menschenleben“ die wirtschaftlichen Nachteile eines Asbestverbots in Kauf zu nehmen. Es war nicht so, dass man es nicht besser wusste. Bereits ab 1900 war die krebserregende Wirkung von Asbest bekannt. Man wollte die Menschen lange Zeit nicht retten, weil man ihrem Leben keinen besonderen Wert beigemessen hat. Erst 1993 wurde Asbest in Deutschland verboten. Noch 1978 schreibt der Asbestexperten Heinz Bohlig:

So schlimm für jeden Betroffenen eine Erkrankung, also auch eine Berufskrankheit ist, müssen wir uns vor Augen halten, daß bereits die ersten Menschen mit der Herstellung allererster Werkzeuge sich durch diese selbst gefährdet haben. Segen und Fluch jeder Neuerung liegen nahe beieinander. Die Menschheit arbeitet bereits seit der Steinzeit mit Asbest und ist bisher nicht ausgestorben, im Gegenteil, sie vermehrt sich rasch.

Der Spiegel

Das Argument „Wir sterben nicht aus, also ist es nicht schlimm“ hört man auch heute wieder öfter. Ich empfehle jedem, der wissen möchte, für wen der Staat sich entscheidet wenn Gefahr für Leib und Leben im Konflikt mit wirtschaftlichen Interessen steht, sich mit der Geschichte von Asbest zu befassen.

So wie es zur Zeit aussieht verursacht eine Covid-19-Infektion teilweise irreparable Schäden der Lunge, des Herzens und möglicherweise noch weiterer Organen. Wann diese Schäden zum Tod führen ist heute noch nicht absehbar, aber man muss wohl davon ausgehen, dass sie eine Auswirkung auf die Sterblichkeit haben. Es ist nicht unplausibel, dass wir in den nächsten Jahrzehnten ein ähnliches Sterbeaufkommen durch Corona wie bisher durch Asbest haben. Das wäre ein Problem, das man auch mit einem möglicherweise irgendwann gefundenen Impfstoff nicht heilen könnte. Man sollte das in der Debatte um Corona nicht ganz unter den Tisch fallen lassen.

* Ich werde mich hier nicht um die exakten Werte streiten. Es geht mir um eine grobe Einordnung nach der Größenordnung. Die genauen Zahlen sind in der Regel nicht ermittelbar.


Weblinks
Kugelschreiberterror, Der Spiegel
Warum uns Einzelschicksale mehr interessieren als Hunderte ertrunkene Flüchtlinge, Vice
Wir Ignoranten, Der Spiegel
Wir sind Terroregozentriker, Der Spiegel

Forscher aus Großbritannien sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Menschen, die in Italien an den Folgen der Krankheit gestorben sind, im Schnitt mehr als zehn Jahre ihres Lebens verloren haben. Das ist sehr viel.

»Covid-19 tötet Menschen, die nicht so bald gestorben wären«, Spektrum, 28.04.2020

Vergleich der Anzahl von Todesopfern durch Covid-19 mit anderen Todesursachen ist irreführend, Correctiv

Ist ja nur das Leben, Der Spiegel

Neun Lebensjahre verloren, Tagesschau

Global Deaths Due to Various Causes and COVID-19

Ist China schuld an COVID-19?

In China ist ein kommunistisches Regime an der Macht, das – wie jedes kommunistische Land – seine eigene Bevölkerung brutal unterdrückt. Der chinesische Überwachungsapparat hat Ausmaße angenommen, die es wohl in keinem anderen Land der Erde gibt. An Meinungsfreiheit darf man in China nicht mal denken. Die Coronakrise wird teilweise genutzt, um missliebige Personen in „Quarantäne“ verschwinden zu lassen. Nichts liegt mir ferner, als diese fürchterliche Diktatur schön zu reden. Aber dennoch ist die sinophobe Hetze, die zur Zeit in den westlichen Leitmedien läuft falsch. Sie ist nicht nur rassistisch, sondern auch kontraproduktiv, weil sie legitime Kritik an China entwertet.

  • China verheimlicht Corona-Tote
    • Der US-Präsident äußerte auch starke Zweifel an den offiziellen chinesischen Zahlen, wonach dort je 100.000 Einwohner nur 0,33 Todesfälle durch das Coronavirus verzeichnet wurden. „Die Zahl ist unmöglich“, sagte Trump.

      Tagesschau, 19.04.20

      Was soll daran unmöglich sein? China hatte den härtesten Lockdown der Welt und hat vergleichsweise schnell reagiert. Natürlich haben sie dann auch sehr wenige Tote. Hier mal zwei Kommentare zum Unterschied zwischen „Lockdown“ und LOCKDOWN!!!:

      EVERY person at all times outside wears a MASK. ALL public transportation, EVERY retail shop, EVERY office building, EVERY school. EVERYTHING was ENTIRELY shutdown. The ONLY thing you could do was go to a nearby grocery store with temperature and QR scan controls to buy groceries. THIS is what EVERY province across the ENTIRE country WITHOUT exception DID.

      DO YOU HAVE ANY MORE SILLY QUESTIONS ABOUT WHY THERE ARE NO CASES HERE IN CHINA?

      Mario Cavolo, LinkedIn

      Und hier mal der optische Unterschied als Bild/Video:

      (Die Entfernung der inneren Mongolei von Wuhan entspricht der Südschwedens von Norditaliens.)

    • Wuhan hat sich verrechnet – Und plötzlich sind es 50 Prozent mehr Tote

      Bild, 17.04.20

      Internationale Kritik an China – Es hatte schon länger Skepsis darüber gegeben, ob China auch wirklich korrekte Infizierten- und Totenzahlen übermittelt.

      Tagesschau, 17.04.20

      Es ist ein globales Problem, dass ein Großteil der Corona-Todesopfer stirbt, bevor sie es überhaupt zu einem Arzt geschafft haben. In vielen Ländern müsste man die offizielle Zahl verdoppeln, um sich der Realität anzunähern:

      In Bergamo province alone, according to a recent study of death records, the real death toll from the outbreak could be more than double the official tally of 2,060, which only tracks hospital fatalities.

      Reuters, 05.04.20

      Die jüngsten Angaben zur sogenannten Übersterblichkeit in 24 europäischen Staaten zeigen, wie drastisch die Zahl der Toten zwischen dem 16. März bis zum 12. April in Europa zugenommen hat. […] In diesen vier Kalenderwochen sind Zehntausende Menschen über 65 Jahre mehr gestorben als sonst durchschnittlich in diesem Zeitraum.

      Tagesschau, 23.04.20

      UK coronavirus deaths more than double official figure, according to FT study

      Financial Times, 22.04.20

      In den offiziellen Zahlen ist dieser Fehler immer noch nicht korrigiert. Aber schön, dass wir uns über die 50%-Korrektur bei den Chinesen echauffiert haben…

  • China hat die Welt nicht rechtzeitig gewarnt

    China wird vorgehalten, erst in der zweiten Januarhälfte in die Öffentlichkeit gegangen zu sein. China bestreitet jedoch Versäumnisse. Nach einer Mitteilung der chinesischen Botschaft hätten Behörden der WHO bereits Ende 2019 über Fälle von Lungenentzündungen unbekannter Ursache berichtet

    Der Tagesspiegel

    Das die WHO behauptet, informiert worden zu sein – geschenkt. Aber dass die deutsche Wahrheitspresse Anno 2019 höchstselbst verkündet „Zentralchina meldet mysteriöse Lungenkrankheit“ und jetzt meint, niemand hätte von nichts gewusst, das wird man wohl nur mit sehr fortgeschrittener Mentalakrobatik in Einklang bringen können.

    Schon Anfang Januar soll [Xi] erste Anweisungen gegeben hatte, um die Seuche zu bekämpfen. Zu diesem Zeitpunkt spielten die Lokalbehörden die Gefahr in der Öffentlichkeit noch herunter. Erst Ende Januar teilten diese mit, das Virus könne sich von Mensch zu Mensch ausbreiten.

    Süddeutsche Zeitung

    Das ist ja unerhört! Anweisung zum Bekämpfen bevor die Mensch-zu-Mensch-Übertragung gesichert ist! Das kann keine Vorsichtsmaßnahme gewesen sein! Der hatte geheime Informationen, die er nicht mal mit seinen eigenen Behörden geteilt hat!!!11elf

    Chinas Führung wartete fast eine Woche, bis sie die Öffentlichkeit über die Gefahr einer möglichen Corona-Pandemie informierte. Führende Offizielle hatten bereits am 14. Januar erkannt, dass sie es wahrscheinlich mit einer möglichen Pandemie zu tun bekommen, aber erst am 20. Januar warnte Präsident Xi Jinping die Öffentlichkeit.

    Die Welt

    Was für ein selbstgerechtes Geheule! Über Chinas verspätete Warnung vor Covid-19 kann man sich in genau einem Fall beschweren: WENN MAN ÜBERHAUPT FÜR WARNUNGEN ZUGÄNGLICH IST!

    Ja, in China hat man 6 Tage zu spät reagiert. Das war falsch! In Deutschland hat man seit Bekanntwerden der Mensch-zu-Mensch-Übertragung 62 Tage bis zum Lockdown und 98 Tage bis zur Maskenpflicht gebraucht! Man hat Covid-19 als Grippe verharmlost, während in China Millionenstädte abgeriegelt wurden. Man hat keine Schutzmasken besorgt, als es in Südkorea los ging. Man hat Karneval gefeiert und Fußball gespielt, als Teile Italiens in den Lockdown gingen. Und hat jetzt die Stirn, anderen vorzuwerfen sie hätten nicht schnell genug reagiert! Man hätte irgendwelche Probleme jetzt nicht, wenn die vollkommen ignorierte Warnung 6 Tage früher gekommen wäre?? Die Wahrheit ist: Es war für unsere Situation komplett unerheblich, wann die Warnung kam. Wir hätten sowieso nichts getan, bevor bei uns die Hütte brennt.

    „Es hätte in China gestoppt werden können, bevor es begann, und das wurde es nicht“, sagte Trump im Weißen Haus. Die ganze Welt leide jetzt deswegen.

    Tagesschau

    Sehr schön, Donald! Wenn man einen Sündenbock für das eigene Versagen braucht, dann wird aus einer Lobeshymne plötzlich ein Schuldspruch.

  • China hat die WHO infiltriert und so eine rechtzeitige Warnung verhindert

    Der Pro-Peking-Kurs der WHO dürfte kein Zufall sein. Die Volksrepublik hat ihren Einfluss auf die Uno-Behörde seit knapp anderthalb Jahrzehnten systematisch ausgebaut.

    Der Spiegel

    Na dann schauen wir uns doch mal an, was passiert, wenn die WHO uns warnt:

    Illner: Die WHO hat den internationalen Notstand ausgerufen. Was heißt das jetzt eigentlich?
    Spahn: Das ist die Möglichkeit, eine größere Aufmerksamkeit zu schaffen, weil wir hier schon sehr aufmerksam und vorbereitet unterwegs sind und andere Länder noch nicht. Es ist ein Signal an viele andere Länder nochmal die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Es hat sich vor allem gerichtet an die Länder in der Nachbarschaft Chinas und in Afrika.

    Maybrit Illner, 30.01.2020

    „Wir können unmöglich gemeint sein! Die meinen bestimmt nur die doofen Asiaten und Afrikaner!“ Es ist diese rassistische Arroganz, die Corona zur Pandemie werden lassen hat. Nicht eine verspätete Warnung durch China, die WHO oder wen auch immer.

    Übrigens: Wenn man der WHO und China nicht über den Weg traut, hätte man sich ja mal über das Vorgehen in Taiwan schlau machen können. Die haben dort sogar schon vor China mit den Maßnahmen angefangen. Man hätte dafür nicht mal mit Peking brechen müssen. Aufmerksames Zeitunglesen hätte genügt!

  • China hat nicht genug zur Bekämpfung der Pandemie beigetragen

    Nun hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) die überraschend nach oben korrigierte Zahl der Corona-Toten in der Provinz Wuhan als „besorgniserregend“ bezeichnet. Die Wiedereröffnung des umstrittenen Tiermarkts in der zentralchinesischen Millionenstadt Wuhan könne er „nicht nachvollziehen“, sagte Maas. In Wuhan hatte die weltweite Coronavirus-Pandemie ihren Ausgang genommen. Im Kampf gegen Pandemien gehe es darum, dass jeder seinen Beitrag leiste, so der Außenminister.

    Dafür müssten möglicherweise auch kulturelle Gepflogenheiten geändert werden. „Das tun wir ja hier auch: Wir gehen anders miteinander um, wir halten Distanz, wir schütteln uns nicht mehr die Hände, wir laufen mit Masken durch die Gegend.“ Niemand könne sich darauf berufen, dass „irgendwelche Dinge bei einem schon immer so gewesen sind“, sagte der Minister.

    Der Spiegel

    Was soll daran nicht nachvollziehbar sein, wenn ein Lebensmittelmarkt wiedereröffnet wird – wobei selbstverständlich der Verkauf von Fledermäusen oder überhaupt irgendwelchen Wildtieren verboten ist, so wie es übrigens in ganz China der Fall ist. Bei der Gelegenheit hätte der Minister übrigens auch mal gegen Afrika zu Felde ziehen können, wo uns „Bush Meat“ immer wieder schwerste Zoonosen (HIV, Ebola, …) einbrockt.

    Und welche Gepflogenheiten will der Minister in China ändern? „Wir schütteln uns nicht mehr die Hände.“ Soll das ein Witz sein?? Hat er sich mal den chinesischen Lockdown angesehen? Wie schnell und umfassend dort alles abgeriegelt wurde. Dagegen ist der deutsche „Lockdown“ mit frei herrumlaufenden Menschen, meist sogar ohne Schutzmasken, eine echte Lachnummer!

    Maas ist ein verkappter Chauvinist, der wegen Auschwitz in die Politik gegangen sein will und sich dann aber herablassend über „kulturelle Gepflogenheiten“ von Nichteuropäern äußert. Das einzige, was in dieser Geschichte besorgniserregend ist, ist der Rassist an der Spitze des Auswärtigen Amtes!

  • Ein mutiger Arzt hat gegen die Vertuschung gekämpft und dafür mit dem Leben bezahlt

    Erst mal die Fakten:
    Am 30. Dezember 2019 verbreitet der Augenarzt Li Wenliang vertrauliche Patientendaten (Diagnoseberichte, CT-Scans), die er über Social Media von anderen Ärzten erhalten hat. Aus den Daten geht hervor, dass die Patienten an einem SARS-ähnlichen Virus erkrankt sind. Li warnt vor 7 SARS-Fällen und bittet seine Adressaten, die Information nur mit der eigenen Familie zu teilen.

    Am 3. Januar 2020 wird Li verwarnt und ihm wurden strafrechtliche Konsequenzen angedroht, sollte er diese Informationen weiter verbreiten. Am 4. Februar entschuldigt sich der Oberster Gerichtshof Chinas umfänglich und gesteht ein, dass es besser gewesen wäre, wenn man seinen „Gerüchten“ geglaubt hätte.

    Am 8. Januar steckte Li sich mit dem Coronavirus bei einem Patienten, der Händler am Huanan-Fischmarkt war, an. Am 10. Januar bekam er Fieber. Am 12. Januar kam er auf die Intensivstation. Am 1. Februar wurde Corona diagnostiziert. Am 07. Februar ist der 33-jährige seiner Infektion erlegen.

    Meine Meinung dazu:
    Zunächst mal ist es nicht völlig abwegig, dass man nicht will, dass sich im Wochentakt irgendwelche Augenärzte, Zahnarztfrauen oder Leute, die mal einen Arztroman gelesen haben mit vertraulichen Patientendaten aus ungeklärten Quellen im Netz melden und Panik vor dem nächsten Killervirus machen. Dass man Vermutungen zu neuartigen Erkrankungen lieber erst an offizielle Stellen melden lässt, die eine gewisse Qualitätssicherung durchführen, bevor die Bevölkerung gewarnt wird. Ungefähr so:

    Chinas Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC) verfügt über ein Meldesystem, das von Ärzten verlangt, Fälle wie Coronavirus-Infektionen zu melden. Aber eine Weitergabe außerhalb der offiziellen Kanäle ist nicht vorgesehen.

    Mir persönlich ist zwar ein System lieber, in dem jeder nach Herzenslust Gerüchte verbreiten darf, aber völlig abwegig ist der chinesische Anti-Fake-News-Ansatz auch nicht. Um es mit Spahns Worten zu sagen: Es ist wichtig, dass wir das einordnen. Auch in Deutschland gibt es Stimmen, die Gerüchte zu Infektionskrankheiten unter Strafandrohung verbieten wollen.

    Es muss verboten werden, öffentlich unwahre Behauptungen die Versorgungslage der Bevölkerung, die medizinische Versorgung oder Ursache, Ansteckungswege, Diagnose und Therapie von Covid-19 zu verbreiten.

    Boris Pistorius

    Wer vertrauliche Patientendaten weitergibt, wird auch in Deutschland schwer bestraft. Li wurde in China lediglich verwarnt. Das wird man wohl kaum als unmenschliche Grausamkeit bezeichnen können.

    China entschuldigt sich zu einem Zeitpunkt, zu dem es in Deutschland noch Staatsdoktrin war, Leute wie Li als rechte Trolle, bei denen „alle Vernunft zerstört ist“ zu brandmarken. Eine Entschuldigung dafür hat es bis dato weder von der deutschen Bundesregierung noch von den Medienverantwortlichen gegeben.

  • Covid-19 kommt aus einem chinesischen Labor

    Die Aussage ist etwas unglücklich, weil sie suggeriert, dass das Virus künstlich hergestellt wurde und absichtlich freigesetzt wurde, ohne sich aber wirklich festzulegen. Ich differenziere hier also:

    • Covid-19 wurde absichtlich freigesetzt, um Menschen zu töten

      Zunächst einmal muss man sagen, dass diese Vermutung das typische Muster einer Verschwörungstheorie hat: Man will nicht wahrhaben, dass eine Katastrophe eine zufällige Ursache hat und sucht sich deshalb einen Sündenbock. Da Experten schon seit vielen Jahren vor einer Pandemie mit SARS-ähnlichen Viren warnen und nur auf einen Ausbruch warten scheint die Theorie noch unwahrscheinlicher.

      Die Annahme, dass ausgerechnet China eine vollkommen unkontrollierbare Biowaffe zündet ist absurd! China hat keinerlei Interesse daran, zunächst tausende eigene Staatsbürger und dann wahllos Menschen auf der ganzen Welt zu töten. China kommt damit keinem seiner (geo-)strategischen Ziele auch nur ansatzweise näher. Zudem machen sie sich den Weltmarkt kaputt, auf dem sie ihre ganzen Produkte verkaufen. Außerdem riskieren sie damit gewaltigen Ärger falls es doch irgendwie herauskommt. Wenn überhaupt wäre eine solche Tat einem Terroristen zuzutrauen, der einfach nur ganz viele Menschen töten will, ohne damit irgendwas zu bezwecken.

      Falls es trotz aller Absurdität wahr wäre, käme das einem Kriegsangriff gleich.

    • Covid-19 wurde künstlich erzeugt um Menschen zu töten, aber nur versehentlich freigesetzt

      Das ist theoretisch denkbar, aber extrem unwahrscheinlich. Es gibt dafür keinerlei Belege dafür. (Außer dass da ein Virenlabor steht und dass ein verwirrter amerikanischer Präsident mit einem Hang zu Verschwörungstheorien das behauptet.)

    • Das Virus wurde bei dem Versuch, einen Impfstoff oder eine Therapie gegen Coronaviren zu entwickeln versehentlich freigesetzt.

      Dagegen ist nichts einzuwenden! Solche Unfälle passiert manchmal, auch in westlichen Staaten (siehe Marburg-Virus). Das ist ein Risiko, das man eingehen muss, wenn man einen Impfstoff haben will.

      Vermutlich wird dieser Fall nicht nachweisbar sein. Wie soll man auch nachträglich unterscheiden, ob das Virus direkt aus der Natur kommt, oder ob es einen Umweg über ein Labor gemacht hat?
  • Bei all den westlichen Fake News sollte man aber auch nicht vergessen, dass ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums „behauptet“ hat (genau genommen ein Dokument geteilt hat, in dem das behauptet wird), das Virus sei von US-Militärs nach Wuhan gebracht wurde (jedoch im Widerspruch zu anderen offiziellen Stellungnahmen Chinas). Das ist genauso falsch wie die Theorie vom chinesischen Biowaffenangriff.

    Hartnäckig hält sich sich die Vermutung, dass SARS-CoV-2 vielleicht aus einem Labor in Wuhan entwichen ist.

  • Ist China schadensersatzpflichtig?
    Noch nie wurde das Ursprungsland einer Seuche oder sonstigen Naturkatastrophe dafür belangt, dass das Elend dort seinen Anfang nahm. England hat der Welt kein Geld wegen BSE gezahlt. Indonesien hat der Welt kein Geld wegen dem 2004er-Tsunami gezahlt. Und wofür sollte China jetzt zahlen?

    Selbst wenn man von einer Schuld Chinas ausgeht sollte man sich mal klar machen, was „Schadensersatz“ in diesem Fall bedeutet. Der Welt steht vermutlich ein Wirtschaftseinbruch von noch nie dagewesenem Ausmaß bevor. Sowas kann China nicht bezahlen. Kein Land der Welt würde einer solchen Forderung nachgeben. Ein solcher Schadensersatz wäre folglich nur durch einen Krieg erzwingbar. Wer Schadensersatz fordert, will implizit einen Krieg gegen China! Und das wäre eine weit schlimmere Katastrophe als alles, was Corona noch bringen wird.
  • Chinas Hilfe ist böse

    Die Propagandamaschine der Staatsführung [versucht] nach Kräften, die öffentliche Wahrnehmung Chinas in dieser Krise zu seinen Gunsten zu verändern. [Man] inszeniert man sich als erfolgreicher Kämpfer gegen das Virus und vor allem als solidarischer Helfer, der überall zur Stelle ist, wo er in der Not gebraucht wird.

    Der Spiegel

    Ich nehme an, Sie betrachten es als große „Freundschaft“, wenn Sie jetzt großzügig Masken um die Welt schicken. Ich nenne das nicht Freundschaft, sondern lächelnden Imperialismus.

    Bild

    Ja genau, lasst uns lieber einen qualvollen Tod sterben als uns von den Chinesen retten zu lassen! Denn der Chinese ist immer böse, egal was er tut! Er kann nicht gut sein, denn er ist ein Chinese!!!11elf

    Wir hingegen sind stets die Guten! Wenn wir die Schutzkleidung, die unsere Ärzte dringend zum Überleben brauchen, in der Welt verteilen wollen wir nicht unsere Überlegenheit demonstrieren und nicht von unserem eigenen Versagen ablenken! Wir machen das aus reiner Nächstenliebe! Denn wir sind die Guten!!11!1

  • Fazit

    Wer ist also Schuld an der Corona-Pandemie? Die Vielzahl von Indizien lässt mir nur einen Schluss übrig: Es ist die rassistische Arroganz der westlichen Spitzenpolitiker und der westlichen Leitmedien. Es wäre dringend nötig, diese Arroganz endlich abzulegen und ganz kleinlaut ein asiatisches Land zu bitten, bei ihm in die Schule gehen zu dürfen!

    Als weitere Illustration dieser Arroganz sei noch mal an das Hilfegesuch aus Heinsberg erinnert: Nachdem Jens Spahn erst zu unfähig war, rechtzeitig Masken zu besorgen und dann zu stolz war, China um Hilfe zu bitten, hat Landrat Stephan Pusch sich direkt an China gewandt und promt 15.000 Masken erhalten. Jetzt steht er in der Kritik, weil er „Propaganda-Maschinerie Pekings einen Dienst erwiesen“ habe. Er hätte lieber ein paar von den Leuten, die täglich Menschenleben retten, opfern sollen. Damit man in Berlin sein Gesicht wahren kann.


    Weblinks:

    Don’t Blame China For Your Government’s COVID-19 Failures, Passage; de: Gebt die Schuld für das Covid-19-Versagen euren Regierungen und nicht China, Die Freiheitsliebe

    Blaming China for coronavirus isn’t just dangerous. It misses the point, The Guardian

    Der Vorwurf, [die Politik der chinesischen Regierung sei für die Corona-Pandemie und die dadurch entstandenen ökonomischen Schäden verantwortlich,] dient den Herrschenden dazu, vom eigenen Versagen angesichts der Pandemie abzulenken und die öffentliche Meinung auf einen Krieg gegen China einzustimmen.

    Die hysterische China-Hetze der Bild-Zeitung [
    .] weckt Erinnerungen an die berüchtigte Hunnenrede, mit der Kaiser Wilhelm II. vor 120 Jahren deutsche Soldaten zur Niederschlagung des Boxeraufstands nach China schickte.

    „Bild“ hetzt gegen China, WSWS

    Wenn Medien die Rhetorik des Hasses pflegen, Frankfurter Rundschau

    Europäische Essgewohnheiten ebenso eine Zeitbombe wie chinesische.

    Der Spiegel

    I don’t assume that it started at the food market in Wuhan. It is more likely to have started where the animal – the intermediate host – was bred. If somebody gave me a few hundred thousand bucks and free access to China to find the source of the virus, I would look in places where raccoon dogs are bred.

    Christian Drosten im Guardian, 26.04.2020

    Das Ende der Überlegenheitsarie, taz

    US-Heimatschutz: China hat die Welt betrogen – um Schutzmittel aufzukaufen!
    … sagen die Länder, die selbst ihre eigenen Bürger betrogen haben und die Wirksamkeit von Schutzmasken geleugnet haben, um mehr davon kaufen zu können.

    Corona: Chinas hinterhältiger Virus-Plan – Dreister geht es nicht
    OMG! „China hat das Corona-Virus erschaffen, um uns 5G zu verkaufen.“ Vom Chefredakteur einer größeren Qualitätszeitung! Im Vergleich mit so absurden Unterstellungen wirken sogar die Chemtrails-Spinner seriös!

    Wenn man China kritisieren will, dann wäre das ein geeigneter Anlass:
    Coronavirus: China gets defensive during high-level EU event on fundraising and vaccine development
    Unzureichende finanzielle Beteiligung an der Virusforschung! Aber wenn man billig Klicks generieren oder in der Wählergunst steigen will, dann verbreitet man halt lieber Verschwörungstheorien über das Wuhan-Labor.

    Ich sehe gerade nichts mehr zum meckern.

    „Bei uns wurde ein Ausbruch vertuscht“, Der Spiegel

    Deutschland hat Corona vertuscht!!!11elf Jetzt werden die Deutschen der Welt sicherlich alle Corona-Kosten erstatten
    .

    Geheimdienste halten Laborunfall für „höchst unwahrscheinlich“, Der Spiegel
    „Wir sind offen für internationale Untersuchungen“, Der Spiegel
    COVID-19 and International Law: Must China Compensate Countries for the Damage?, Just Security
    Die Lage zwischen China und Amerika spitzt sich zu – gar bis zum grossen Krieg?, Neue Zürcher Zeitung
    Bundesregierung zweifelt an US-These zur Entstehung des Coronavirus, Der Spiegel
    Billionen Dollar, die es nicht gibt, taz

    Wenn jemand kein Recht hat, sich über gefährliche Virenlabore mit Gain-of-Function-Experimenten zu beschwehren, dann sind das die USA:
    USA gibt kontroverse Virenforschung frei, Spektrum

    Corona-Chronik

    31.12.19: China informiert WHO; erste Meldung auf spiegel.de
    06.01.20: erste Meldung auf tagesschau.de
    20.01. Mensch-zu-Mensch-Übertragung bestätigt. Xi warnt Bevölkerung und ruft zu Social Distancing auf
    23.01.: China: Millionenstädte abgeschottet, 1000-Betten-Klinik in einer Woche
    28.01.: erste Infektion in Deutschland (Webasto)
    31.01.: USA: Einreiseverbot China
    31.01.: Italien: China-Flüge gestrichen
    05.02.: Mundschutzhersteller warnt Spahn vergeblich vor Versorgungsengpässen
    18.02.: Deutschland schickt 8,7 Tonnen Schutzausrüstung nach China
    19.02.: Börsencrash
    22.02.: Italien: 50.000 unter Quarantäne
    23.02.: Südkorea: höchste Warnstufe
    25.02.: ab jetzt drastischer Anstieg in Deutschland
    28.02.: bei Einreise aus Risikogebiet muss der Pilot den „Gesundheitsstatus“ seiner Passagiere melden; bei „Verdachtsfällen“ müssen alle eine „Aussteigekarte“ ausfüllen
    29.02.: Merkels „Maß und Mitte“-Rede: kein Verbot von Großveranstaltungen in Deutschland
    29.02.: Toilettenpapierverbrauch steigt um 700%
    02.03.: RKI erhöht die Corona-Gefahr auf „moderat“
    02.03.: Deutschland schickt Schutzausrüstung in den Iran
    04.03.: Italien: alle Schulen und Unis geschlossen
    04.03.: Beschaffung von Schutzausrüstung “außerordentliche Dringlichkeit”, Exportverbot für Schutzausrüstung
    07.03.: Bundesligaspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund mit über 50.000 Zuschauern findet in der Nähe von Heinsberg statt
    09.03.: erste Corona-Tote in Deutschland
    10.03.: Veranstaltungen ab 1000 Teilnehmern sollten abgesagt werden; Merkel will 60%-70% Infizierte; Berlin-OB Müller (SPD) will Bundesliga vor vollen Rängen
    13.03.: unbegrenzte Kredite an alle Unternehmen; keine Bundesligaspiele
    14.03.: USA: Einreiseverbot Schengenraum
    16.03.: Schulschließung (teilw. erst 17. oder 18.03.); China- und Iran-Flüge gestrichen
    17.03.: EU: generelles Einreiseverbot; RKI erhöht die Corona-Gefahr auf „hoch“
    20.03.: Ausgangssperre Bayern
    22.03.: „Lockdown“: Ausgangsbeschränkung, Restaurants und Friseure geschlossen
    24.03.: Börsenerholung
    15.04.: Trump stoppt Finanzierung der WHO
    27.04.: Maskenpflicht
    17.05.: Tagesschau gesteht Corona-Verharmlosung durch Bundesregierung ein

    Mission Statement

    Was sind die strategischen Ziele dieses Blogs?

    Das zentrale Anliegen dieses Blogs ist es, sexuell unerfahrenen Männern bei der Partnersuche zu helfen. Daneben schreibe ich gelegentlich auch über andere Themen.

    Es gibt ein paar Dinge, die ausdrücklich nicht zu den Zielen dieses Blogs gehören:

    • möglichst viele Besucher
      Ich will Menschen helfen. Ich ringe nicht um Aufmerksamkeit.
    • möglichst viele Artikel
      Eine zu große Anzahl von Artikel birgt die Gefahr, dass Neulinge sich von der Informationsflut erschlagen fühlen und sich dann gar nicht mehr damit beschäftigen. Das Problem des Informations-Overkills besteht auch bei den meisten Pick-up-Foren und -Blogs. Ich habe versucht, dem mit einem Inhaltsverzeichnis und einem Übersichtsartikel entgegenzutreten.
    • virtuelles Zuhause
      Dieser Blog soll mehr Nachschlagewerk als Tageszeitung sein. Ich kann und will keinen Ort erschaffen, zu dem die Leute täglich kommen und den neusten Artikel diskutieren. Theorie ist wichtig, aber wenn der virtuelle Austausch zum täglichen Pflichtprogramm wird und reale Kontakte zu ersetzen beginnt, macht das den Erfolg bei der Partnersuche eher unwahrscheinlicher.
    • Menschen helfen, die sich nicht helfen lassen wollen
      Das ist m. E. ganz allgemein ein Riesenfehler. Wer Hilfe nicht annimmt, den muss man ins Verderben rennen lassen. In den AB-Foren gibt es immer wieder Leute, die Pick-up für sich entdeckt haben und dann andere ABs bekehren wollen. Mit mäßigem Erfolg.

    Manche Blogger sind der Meinung, man dürfe einmal Veröffentlichtes auf keinen Fall mehr verändern. Ich sehe das anders. Meine Posts sind oft als „Work in Progress“ zu verstehen. Ich nehme mir die Freiheit, auch nachträglich Links oder Argumente zu ergänzen, die in die selbe Richtung gehen. Ich würde aber nie einfach das Gegenteil behaupten und den ursprünglichen Inhalt verschwinden lassen. Sollte ich meine Meinung zu einem Thema ändern, wird das entsprechend kenntlich gemacht. Sollten Ergänzungen aufgenommen werden, die den Eindruck erwecken könnten, ich hätte irgendwas schon gewusst, bevor es allgemein bekannt war, wandert das nicht in den Haupttext, sondern in einen Kommentar.

    Ich freue mich über Kommentare, auch von Menschen mit komplett anderen Ansichten und möchte möglichst wenig davon zensieren. Bisher habe ich nur offensichtlichen Spam gelöscht.

    Warum „Durchseuchung“ mit Corona keine Option ist

    60 bis 70 Prozent der Menschen in Deutschland werden sich mit dem Coronavirus infizieren.

    Angela Merkel

    Ich grüße Sie aus der Hölle. Helfen Sie uns, indem Sie zuhause bleiben. Wir können kaum mehr helfen. Wenn die Regeln nicht endlich strikt befolgt werden, führt das zu einem Massensterben.

    Notfallmediziner aus einem EU-Land mit 0,015% Infizierten

    Nachdem jetzt die „Just The Flu“-Fake News etwas an Popularität verloren haben (auf eine Entschuldigung für das Verbreiten von Lügen wartet man aber vergeblich), ist jetzt die Durchseuchungsstrategie der letzte Schrei bei den Corona-Verharmlosern. Demnach haben wir es leider verschlafen, das Virus rechtzeitig einzudämmen und können die Ausbreitung jetzt nur noch verlangsamen und nicht mehr stoppen.

    Es werden derzeit viele abenteuerliche Rechnungen verbreitet, die mit geschönten Kapazitätsannahmen, Fallzahlen und Letalitätsraten beweisen wollen, dass alles nicht so schlimm ist. Ich denke am realistischsten ist es, wenn man die Augen aufmacht und mal schaut, wieviel Corona ein Land tatsächlich noch vertragen kann. Italien ist bei 10.000 Fällen an den Punkt gekommen, wo die Erkrankten nicht mehr vernünftig behandelt werden können. Das sind 0,015% der Einwohner Italiens. Laut WHO müssen schwere Fälle 3 bis 6 Wochen im Krankenhaus behandelt werden. Wenn wir auch noch akzeptieren, dass die Menge an Patienten, die bisher in Italien erkrankt sind auf einen Schlag behandelt werden müssen, dann schafft ein europäisches Gesundheitssystem diese Epidemie 9 bis 17 mal im Jahr. Man könnte also 0,135% bis 0,255% pro Jahr infizieren. Um den gewünschten Durchseuchungsgrad von 70% zu erreichen bracht man 392 bis 740 Jahre!

    Man müsste ein halbes Jahrtausend medizinische Notfallversorgung im Ausnahmemodus betreiben. Gleichzeitig müsste man mit landesweiter Quarantäne dafür sorgen, dass die Ausbreitung keinen exponentiellen Verlauf annimmt. Dummerweise werden die meisten Menschen kein halbes Jahrtausend alt. Man muss also wieder von vorne anfangen, bevor man mit der ersten Runde fertig ist. Es ist noch nicht mal bekannt, ob überhaupt eine Immunisierung eintritt und wenn ja, wie lange. Und dann hat man noch nicht mit einberechnet, dass ein so weit verbreitetes Virus mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mutieren würde. Man hat also – wie bei der Grippe – die Situation, dass jedes Jahr zusätzlich neue Varianten des Virus kommen, gegen die noch niemand immun ist.

    Es kann natürlich sein, dass eine vollkommene Vernichtung von SARS-CoV-2 nicht möglich ist. Das Virus ist in so vielen Ländern verbreitet, und nicht überall ist der Wille vorhanden, beim Kampf gegen die Seuche alles zu geben. In dem Fall muss die Welt eben ab jetzt permanente Anstrengungen unternehmen, um jedes Wiederaufflammen der Pandemie im Keim zu ersticken. Vielleicht müssen wir dann fortan alle wöchentlich einen Corona-Test machen. Und Fernreisen ohne Quarantäne sind nicht mehr drin. So what? Besser als das permanente Massensterben ist es allemal!

    Der Firnis der Zivilisation

    Was bei all diesen Zahlen oft vergessen wird: Es geht hier um Menschen, die ihr Leben lassen. Menschen, die in der aktuellen Berichterstattung keinen Namen und kein Gesicht haben. Menschen, die oft mitten im Leben stehen, und deren Tod achselzuckend in Kauf genommen (oder gar mit einem hämischen Lachen begrüßt) wird. Ich finde es erschütternd, dass man überhaupt mit den Kapazitätsgrenzen der maximal möglichen Sterberate argumentieren muss, und es keine Selbstverständlichkeit ist, so viele Menschenleben wie möglich zu retten.

    Stellvertretend für die vielen Menschen, die im Kampf gegen Covid-19 ihr Leben lassen mussten möchte ich hier an eine Person erinnern, deren Tod mir irgendwie nahe gegangen ist.


    Weblinks:
    Don’t “Flatten the Curve,” squash it!
    deutsche Übersetzung: “Die Kurve abflachen” reicht nicht, wir müssen mehr tun und sie aufhalten

    [Es kommt] mit Sicherheit nicht in Frage, Millionen von Gesunden Mitbürgern absichtlich mit einem aggressiven Virus zu infizieren, von welchem wir eigentlich überhaupt nichts wissen, weder das Ausmass der akuten Schädigung, noch die Langzeitfolgen; je grösser die Anzahl Viren pro Population, desto grösser die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Mutation, welche das Virus noch aggressiver machen könnte. Also sollten wir sicher nicht aktiv mithelfen, die Anzahl Viren pro Population zu erhöhen.

    COVID-19 – eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen; GASTKOMMENTAR von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt; Mittelländische Zeitung

    Um nicht der Wirtschaft zu schaden eine „Durchseuchung“ erreichen? Reiner Wahnsinn!, Volksverpetzer

    EndCoronavirus.org

    Warum Corona keine Grippe ist

    • Die Letalitätsrate für Covid-19 beträgt 3,4%. Das entspricht in etwa der Letalität des schweren Dengue-Fiebers und ist das zehnfache(!) der Malaria-Letalität. Jeder siebte, der wegen Corona ins Krankenhaus muss, wird es mit den Füßen zuerst verlassen.

      Ungeachtet dieser Tatsachen wurde (z.B. von Jens Spahn, einem Superspreader von Fake News) suggeriert, Covid-19 sei mit der Grippe vergleichbar. Die Letalität der Grippe beträgt 0,1%.

      Wir nehmen das sehr ernst, wir sind wachsam, aber mit kühlem Kopf auch gleichzeitig. Was ich aber auch wichtig finde: Dass wir das alle für uns einordnen. An Grippe sterben in Deutschland bis zu 20.000 Patienten im Jahr. Und ich will jetzt nur mal darauf hinweisen, dass auch das ein Risiko ist, das wir jeden Tag haben.

      Jens Spahn

      Aber auch in anderen Ländern ist der Grippe-Vergleich populär:

      Und übrigens unterschätzt der genannte Wert 3,4% die wahre Letalität sogar, weil implizit alle nicht gestorbenen als geheilt gezählt werden. Nimmt man die offenen Fälle aus der Wertung, hat man derzeit eine Letalität von 6,1%. [siehe auch hier]

    • Häufig wird auf die geringe Zahl der bisherigen Todesopfer verwiesen. Die Absolutzahl der Todesopfer einer Epidemie im Anfangsstadium ist aber für eine Risikoeinschätzung völlig ungeeignet. Todesrate und Ausbreitungsgeschwindigkeit sind geeignete Größen. Die Todesrate ist bei SARS-CoV-2 etwa 30 mal so hoch wie bei der Grippe. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist enorm. In kürzester Zeit wurden fast alle Länder der Erde infiziert.
    • Experten gehen davon aus, dass sich bei ungehinderter Ausbreitung ca. 70% der Bevölkerung mit SARS-CoV-2 infizieren werden. Für Deutschland wären das dann 1,7 Millionen Tote (3% der Infizierten) und 8,4 Millionen schwer Kranke (15% der Infizierten).
      Die Zahlen stimmen jedoch nur, wenn das Virus kein ADE (siehe unten) hat. In dem Fall kämen wir auf 100% Ausbreitung und eine Todesrate deutlich über 3%.
    • Es ist vollkommen ausgeschlossen, in Deutschland 8 Millionen Menschen intensivmedizinisch zu versorgen. Das Gesundheitssystem wird schon bei deutlich geringeren Zahlen vollkommen kollabieren. Wir müssen also mit 8 Millionen Toten rechnen. Plus dem Tod aller, die schon jetzt auf medizinische Hilfe angewiesen sind und dann nicht mehr versorgt werden können. Plus den Toten, die durch Zusammenbruch der Wirtschaft und der öffentlichen Ordnung verursacht werden. Plus den Toten, die weiteren Seuchen, die in einem derart geschwächten Land vermutlich grassieren werden, geschuldet sind.

      Italien steht bereits jetzt, bei einem Anteil der Infizierten an der Gesamtbevölkerung von unter 0,02% kurz vor dem Kollaps! Und Deutschland plant, das Virus bis 70% weiterlaufen zu lassen!

      Wer meint, die Sache mit dem Coronavirus werde übertrieben, der soll bitte in unsere Abteilung kommen

      Massimo Galli, Chefarzt für Infektionskrankheiten

      Die Situation ist dramatisch. Noch schaffen wir es, die am schwersten an Atembeschwerden leidenden Patienten aufzunehmen, aber selbst solche mit beidseitiger Lungenentzündung müssen wir nach Hause schicken. Ihnen bleibt nur die Behandlung durch den Hausarzt.

      Guido Marinoni vom Ärzteverband im lombardischen Bergamo

      „Die Menschen sterben allein, ohne dass jemand kommen kann, um Abschied zu nehmen“, schildert ein Krankenhausseelsorger in der Zeitung „La Stampa“. Er habe den Zweiten Weltkrieg miterlebt, bei einem Einsatz im Amazonasgebiet habe er sich mit Lepra und Malaria auseinandersetzen müssen; „aber ich habe noch nie solch schockierende Szenen erlebt wie jetzt“, so der Priester.

      tagesschau

    • Gegen Grippe kann man impfen. Gegen SARS-CoV-2 gibt es keinen Impfstoff, und wird es wohl so bald auch nicht geben. Seit 17 Jahren wird an einem Impfstoff gegen das ähnliche SARS-CoV-1 geforscht – ohne Erfolg. Warum sollte bei SARS-CoV-2 jetzt alles ganz schnell gehen? [link]

      Der britische Seuchenexperte Jeremy Farrar geht davon aus, dass ein Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus 2019-nCoV zu spät kommen wird, um die drohende globale Ausbreitung der Seuche zu verhindern. „Und wenn wir Pech haben, wird es niemals gelingen“, sagt Farrar im SPIEGEL-Interview.

      Der Spiegel

      Die Entwicklung eines neuartigen sicheren und wirksamen Impfstoffs kann bis zu 20 Jahre dauern und bis zu eine Milliarde Euro kosten.

      Österreichische Ärztezeitung, 15.12.2017

      Was es allerdings in großer Zahl geben wird sind Wissenschaftler, die ganz kurz vor dem entscheidenden Durchbruch stehen…

      Nach mehr als zwei Jahrzehnten Forschung brachte diese Technologie allerdings noch keine einzige Marktzulassung eines Impfstoffs gegen ein Virus hervor. Sowohl Moderna als auch Inovio sind dennoch zuversichtlich, dass ihr Impfstoff – sofern ihre Tests erfolgreich verlaufen – schon im nächsten Jahr zur Verfügung steht.

      In früheren Studien zum Sars-Erreger, ebenfalls ein Coronavirus, kam es zu einer Nebenwirkung, die noch immer nicht vollständig verstanden ist: Anstatt sie zu schützen, machten einige Impfstoffkandidaten Mäuse im Gegenteil sogar anfälliger für eine Infektion.

      [link]

      Oh, da bin ich aber auch wahnsinnig zuversichtlich, dass die den Impfstoff quasi bis gestern fertig wird!1!11!!

    • Die Grippe verschwindet im Sommer meist, SARS-CoV-2 nicht.
    • SARS-CoV-2 hat mutmaßlich folgende Besonderheiten:
      • Infektionsverstärkende Antikörper (engl. antibody dependent enhancement, ADE) sorgen dafür, dass es zu keiner Immunisierung nach überstandener Krankheit kommt, sondern im Gegenteil zu sehr viel schwereren Verläufen. Man bekommt also eine Pandemie, die erst mal relativ harmlos anfängt und ab einem bestimmten Punkt immer tödlicher und völlig uneindämmbar wird. Ich zitiere dazu mal Wikipedia:

        Bei den SARS-CoV-2 Viren wird eine infektionsverstärkende Wirkung vermutet. Hinweise darauf sind die milden Verläufe bei Kindern, welche potenziell noch nie eine Coronavirus Infektion hatten, verglichen mit den schwereren Verläufen älterer Menschen, welche in ihrem Leben potenziell bereits mit einer Coronavirusinfektion zu kämpfen hatten und Antikörper dagegen bilden konnten.

      • Mehrphasigkeit ist ein weiterer Ansatz, um die beobachteten Reinfektionen zu erklären. Ein mehrphasiges Virus verursacht nach einer anfänglichen Inkubationszeit einen ersten Ausbruch, geht dann in eine inaktive Phase über (in der der Patient als „geheilt“ erscheint) und bricht dann erneut aus, möglicherweise mit einem anderen Krankheitsbild. Z.B. verursacht das HI-Virus in Phase I grippeähnliche Symptome. In Phase II tritt dann die bekannte Immunschwächekrankheit AIDS auf.

        Wenn sich SARS-CoV-2 tatsächlich so wie das HI-Virus verhalten, dann gnade uns Gott. Dann ist das das Ende der Menschheit. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass im Genom von SARS-CoV-2 HIV-Gene gefunden wurden? Das beweist letztlich gar nichts, aber ich will es in dem Zusammenhang auch nicht unerwähnt lassen.

      • Die Spätfolgen einer Infektion mit einem so neuen Virus sind naturgemäß völlig unbekannt. Bei SARS-CoV-1 waren es Lungenfibrose und Knochennekrose, die die „Geheilten“ zu einem lebenslangen Pflegefall werden ließ. Nur so als Anhaltspunkt, was der nächste Verwandte von SARS-CoV-2 so anrichtet.

        Corona-Spätfolgen: Genesene haben teilweise reduzierte Lungenfunktion

      • Die Symptome klingen etwas anders:

        It first struck me how different it was when I saw my first coronavirus patient go bad. I was like, Holy shit, this is not the flu. Watching this relatively young guy, gasping for air, pink frothy secretions coming out of his tube

        A Medical Worker Describes Terrifying Lung Failure From COVID-19 — Even in His Young Patients, ProPublica

      • Die Grippe ist in keinster Weise mit den Coronaviren verwandt. Der Mensch steht der Süßkartoffel näher als SARS-CoV-2 der Grippe.

    Fake News
    Große Pandemien befeuern immer das Entstehen von Falschinformationen und Verschwörungstheorien – so auch Covid-19. Auf der einen Seite hat man die Leute, die die Quelle des Virus in einem Geheimlabor für Biowaffen sehen (völlig unplausibler Humbug) oder rassistischen chinesenfeindlichen Müll verbreiten (China war das erste Opfer und ein vorbildlicher Kämpfer gegen SARS-CoV-2. Wir sind China deshalb zu unendlichem Dank verpflichtet!!) Auf der anderen Seite versuchen so gut wie alle offiziellen Stellen die Gefahr durch SARS-CoV-2 klein zu reden. Aus Panik vor der Panik. Aus Panik vor der Rezession. Vielleicht auch aus Angst davor, als verrückter Weltuntergangsspinner dazustehen.

    In Zeiten, in denen man keiner Information mehr wirklich trauen kann, ist es wichtiger denn je, selbst den Kopf einzuschalten und zu jeder Information mal einen kleinen Plausibilitätscheck zu machen. Wenn Corona wie eine Grippe ist, warum werden dann Großveranstaltungen abegagt und ganze Regionen in Italien abgeriegelt? Wann gab es sowas zuletzt bei einer Grippe? Hat der Generaldirektor der WHO je bei einer Grippe gewittert „Dies ist keine Übung. Dies ist nicht die Zeit aufzugeben. Dies ist keine Zeit für Ausreden. Dies ist eine Zeit, um alle Register zu ziehen.“

    Den Verantwortlichen scheinen zumindest eine leichte Vorahnung davon zu haben, dass da etwas ganz Großes auf uns zurollt. Aber sie trauen sich nicht, es auszusprechen.

    Was uns sonst noch so erzählt wird

    Das schlimmste wäre, wenn jetzt eine Panik ausbricht!
    Nein, das schlimmste wäre, wenn das Virus sich verbreitet. Panik ist zwar nie ein guter Ratgeber. Wir sollten alle versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren und rationale Entscheidungen zu treffen. Aber Panik tötet nicht. Das Virus sehr wohl.

    Im Übrigen ist die einzige Panik, die ich derzeit beobachten kann die Panik vor der Panik. Panik vor dem Virus ist fast nicht vorhanden. Ein paar wenige legen als stillen Protest gegen ihre Verseuchung eine Packung Nudeln mehr in den Einkaufswagen. Und das war’s auch schon mit Panik in Deutschland.

    Das Virus macht an Grenzen nicht halt, deshalb bringen Grenzschließungen nichts
    Das Gegenteil ist der Fall: Das Virus macht von sich aus nicht halt, aber wenn wir die Grenze schließen, kommt es nicht mehr durch. Das Virus kann sich über größere Distanzen nur bewegen, wenn es auf einem Menschen hockt. Und wo kein Mensch durch kommt, kommt auch kein Virus durch.

    Das Virus wird in Zukunft wie die Grippe jeden Winter begleiten.
    Echt? Wir gehen ab jetzt jährlich in den Wuhan-Modus, so mit tausenden Toten und Hausarrest für alle. Bitte, erzähl mir mehr von deinem Plan für unsere Zukunft!

    Die Leute haben nur so viel Panik, weil es ein neues Virus ist.
    Ja, und zwar zu Recht. Ein neues tödliches Virus ist immer ein unkalkulierbares Risiko für die gesamte Menschheit. Ein neues Virus ist eine Katastrophe! Es bedeutet zusätzliches Leid und zusätzliche Tote. Wer nicht alles menschenmögliche tut, um ein neues Virus einzudämmen ist in meinen Augen ein Massenmörder. Ein ausgerottetes Virus hingegen ist ein Segen, denn eine Quelle von Leid und Tod wurde dadurch für immer vernichtet.

    Seehofer rechnet mit Impfstoff Ende des Jahres.
    Muhahaha… Der war gut. Moment, ich hab auch einen: Bis Ende des Jahres können wir Krebs und ALS heilen. Wir können Stroh zu Gold spinnen. Und es wird hübsche Frauen vom Himmel regnen!!!


    Weblinks

    Rein rechnerisch wären die angeblich in Deutschland vorhandenen 30.000 Beatmungsgeräte in 24 Tagen besetzt, wahrscheinlich das Gesundheitssystem aber schon vorher am Zusammenbruch, denn für ganz schwere Fälle gibt es um Größenordnungen weniger Plätze.
    Es macht fassungslos, mit welcher Nonchalance über die Infektion von 50 Millionen Deutschen bzw. 500 Millionen Europäern nachgedacht wird, wenn China unter Aufbietung aller seiner Möglichkeiten, und sicherlich nicht aus Spaß, den Ausbruch bei 80.000 Infizierten begrenzt hat.

    https://www.heise.de/tp/features/Coronavirus-Europa-planlos-4678285.html

    Die Versuchung zu halbherzigen Maßnahmen ist groß, weil die nötigen Einschränkungen der Mobilität einen hohen ökonomischen Preis haben. Er wird allerdings übertroffen durch den Preis zu kurz greifender Maßnahmen. Vielleicht muss man sich ganz ausnahmsweise ein verstaubtes Motto zu Herzen nehmen: „Vom großen Bruder lernen heißt siegen lernen“. China ist es mit schmerzhaft-drakonischen Maßnahmen gelungen, die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Es gehört nicht viel zu der Prognose, dass das Land bald sicherer ist als der Rest der Welt.

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/coronavirus-panik-rettet-leben-16669427.html

    Covid-19-Patienten kommen allein, weil keine Verwandten sie begleiten dürfen. Wenn sie sterben, dann spüren sie es, sie sind dabei ganz klar. Es ist, als würden sie ertrinken. Nur langsamer. So, dass sie alles mitbekommen.

    https://www.welt.de/vermischtes/article206551433/Coronavirus-in-Italien-Aerzte-berichten-aus-den-Krankenhaeusern.html

    Wir wissen, dass es in den letzten 17 Jahren nicht gelungen ist, weder eine Impfung, noch einen monoklonalen Antikörper gegen Corona-Viren zu entwickeln; dass es überhaupt noch nie gelungen ist, eine Impfung gegen welches Corona-Virus auch immer zu entwickeln.
    Was wir nicht wissen: Ob dieses COVID-19-Virus stabil bleibt, oder ob sich im Herbst analog der üblichen Grippe-Welle erneut ein leicht verändertes COVID-19 über ganze Welt verbreitet, gegen welches keinerlei Immunität vorliegt.
    Vielleicht sollten Behörden und Medien einmal die Fakten auf den Tisch legen, statt alle zwei Tage Meldungen von einer scheinbar erfolgreichen Impfung, die nicht mehr weit weg ist, zu präsentieren.

    Xi Jinping war noch nett, als er meinte, Europa sei wegen seines „Narzissmus“ innert kürzester Zeit das weltweite Zentrum der Pandemie geworden. Ich würde hinzufügen: wegen seiner Arroganz, seiner Ignoranz und seines unsäglichen Besserwissertums.

    [Man kann] nur hoffen, dass wir diese „Politik“ nicht mir zu vielen Toten und Schwerkranken bezahlen. Und dass nicht zu viele Patienten an den Langzeitfolgen einer COVID-19-Infektion leiden, wie z.B. einer „dank“ COVID-19 neu erworbenen Lungenfibrose, einem gestörten Glucose-Metabolismus sowie neu auftretenden kardiovaskulären Erkrankungen. Die langfristigen Konsequenzen einer durchgemachten SARS-Infektion sind bis 12 Jahre nach angeblicher Heilung dokumentiert. Hoffen wir, dass sich COVID-19 anders verhalten wird.

    COVID-19 – eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen; GASTKOMMENTAR von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt; Mittelländische Zeitung

    „Ich habe das Gefühl, selbst zu ersticken“
    Kämpfer gegen das „listige“ Virus

    zehn Seiten voller Todesanzeigen. „Nur eine Grippe. Danke.“

    „Wir haben gemahnt, und keiner hat uns gehört“

    „Wir vermuten, dass Covid-19 zu Folgeerkrankungen führt“

    WHO officials say it’s unclear whether recovered coronavirus patients are immune to second infection

    Significant antibody production is observed; however, whether this is protective or pathogenic remains to be determined.

    COVID-19: immunopathology and its implications for therapy

    Covid-19 causes sudden strokes in young adults, doctors say; CNN

    Das Coronavirus kann auch das Gehirn befallen, Der Spiegel

    „COVID-19 ist auch eine systemische Gefäßentzündung“, Ärztezeitung

    We’ve never made a successful vaccine for a coronavirus before. This is why it’s so difficult

    How does coronavirus kill? Clinicians trace a ferocious rampage through the body, from brain to toes, Science

    Dauerhaft geschädigt – Die Innsbrucker Universitätsklinik hat Lungenschäden bei genesenen Covid-Erkrankten festgestellt. Die Schäden sind offenbar bleibend., TGR Tagesschau

    Tomas Pueyo:
    How Bad Is the Coronavirus?
    Coronavirus: Why You Must Act Now; de: Coronavirus: Warum Du jetzt handeln musst
    Coronavirus: The Hammer and the Dance; de: Coronavirus: Der Hammer und der Tanz
    Coronavirus: Out of Many, One; de: Coronavirus: Aus vielen entsteht eine Einheit
    Coronavirus: Learning How to Dance; de: Coronavirus: Lernen, wie man tanzt
    Coronavirus: The Basic Dance Steps Everybody Can Follow; de: Coronavirus: Grundschritte, mit denen jeder auf dem Vulkan tanzen kann

    Der Postillion: Regierung will mit Maßnahmen wie in Italien sicherheitshalber warten, bis es zu spät ist, Akademie, die 2016 noch Schließung von 1300 Kliniken empfahl, weiß jetzt, wie man Coronakrise am besten meistert, Immer mehr Deutsche fordern, Land zum Vorbild zu nehmen, das aktuell dreimal so viele Coronatote pro 1 Million Einwohner verzeichnet

    Alles Evolution: Corona-Virus, Corona und die Folgen, Uniklinik Bonn verbietet Vätern bei der Geburt des Kindes dabei zu sein (wegen Corona), Modellierung der Wirksamkeit von Atemschutzmasken bei der Reduzierung von Grippeausbrüchen

    Danisch: Coronavirus in Deutschland, Infektionsverstärkende Antikörper, Tu felix Austria: Null und ungleich Null, Fake-Fake-News, Noch mehr Fake-Fake-News, „Gähnende Leere auf den Intensivstationen”?, Über Nullen und leere Intensivbetten, Die milde Sorte, Mehr über Nullen und leere Intensivbetten, Wo bleibt das „Lessons Learned”?, Das Corona-Versagen

    Scheidende Geister:
    Ein Hoch auf Hamsterkäufer und Kapitalismus
    Wie wichtig unverzügliches und entschlossenes Handeln ist
    Von Hamsterkäufen

    Apokolokynthose:
    Mathe erklärt die Welt und macht Spaß
    Woanders ist auch nicht besser
    Wir retten Leute, die sowieso bald pleite gegangen wären

    Volksverpetzer:
    Sonderweg Schweden: Wirtschaft nimmt schweren Schaden, auch ohne Lockdown
    Coronomics: Warum die harten Corona-Maßnahmen unsere Wirtschaft schützen
    Auch Til Schweiger teilt jetzt Fakes & Corona-Verharmlosungen

    Grippetote in Deutschland 2018 und 2020: Warum man diese Zahlen nicht miteinander vergleichen kann, Correctiv

    Jede Vorhersage, dass wir einen Impfstoff haben werden, ist unseriös, weil wir es einfach nicht wissen. – Hendrik Streeck

    Suche nach Corona-Impfstoff könnte noch Jahre dauern, Der Spiegel
    #ToldYouSo

    Anatomie eines Killers, Der Spiegel

    COVID-19 Can Last for Several Months, The Atlantic
    #ToldYouSo

    Passungs- und Marktwertparadigma

    Um zu begründen, warum wer mit wem eine Partnerschaft eingeht, gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Erklärungsmuster:

    Passungsparadigma
    Puzzle

    Nach dem Passungsparadigma suchen sich die Menschen einen Partner, der nach gewissen Kriterien genau zu ihnen „passt“. So wie ein Schlüssel ins Schloss oder der sprichwörtliche Topf zum Deckel. Dieses „Passen“ ist vollkommen homogen über die Menschheit verteilt. Niemand passt zu mehr oder weniger potentiellen Partnern als der Durchschnitt. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, und dabei gibt es keine statistischen Häufungen. „Passen“ kann man nicht erlernen. Der Falsche kann nichts richtig und der Richtige nichts falsch machen. In der Extremform dieser Lehre gibt es für jeden Menschen exakt ein passendes Gegenstück und alle anderen sind komplett ungeeignet. (Dieses Extrem ist in den USA besonders verbreitet. Der eine passende Partner wird als „the one“ bezeichnet. Von PUAs wird dieses Denken als „One-itis“ benannt und abgelehnt.)

    Wer das Passungsparadigma vertritt, wird bei der Partnersuche als hauptsächliche Strategie das Kennenlernen möglichst vieler potentieller Partner anwenden. Denn je mehr Partner man kennenlernt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Richtige dabei ist. (sog. „numbers game“) Ferner wird er möglichst schnell herausfinden wollen, ob jemand zu ihm passt, um nicht wertvolle Zeit mit einem unpassenden Menschen zu verschwenden. Klassische Online-Partnerbörsen sind typische Vertreter des Passungsparadigmas. Sie tun (per se) nichts zur Attraktivitätssteigerung ihrer Nutzer, sondern konzentrieren sich ganz auf das Ermöglichen von möglichst vielen Kontakten und unterstützen das Herausfiltern unpassender Partner mit einem (dubiosen) Matching-Algorithmus.

    Marktwertparadigma
    Podium

    Nach dem Marktwertparadigma sind die Vorlieben für bestimmte Partnereigenschaften nicht gleichverteilt. D.h., es gibt Menschen, die in Paarungsangelegenheiten sehr stark nachgefragt werden und andere, die bei der Partnerwahl sehr lange nach einem passenden Gegenstück suchen müssen oder gar in Liebesdingen komplett außen vor bleiben. Ersteren wird ein hoher, letzteren wird ein niedriger Marktwert zugeschrieben. In der Extremform dieser Lehre gibt es so etwas wie individuelle Partnervorlieben überhaupt nicht. Alle Menschen wollen exakt das Gleiche und unterscheiden sich nur darin, wie erfolgreich sie dabei sind, das zu erlangen. Es gibt demnach auch keine zwei Menschen, die sich wechselseitig nicht wollen. Denn bei gleichem Marktwert würden beide wollen, und bei ungleichem Marktwert würde der minderwertige den höherwertigen Partner besonders intensiv begehren.

    Wer das Marktwertparadigma vertritt, wird bei der Partnersuche vor allem darauf setzen, an sich selbst zu arbeiten um den eigenen Marktwert zu erhöhen. Wenn die eigene Attraktivität ein ausreichendes Niveau erreicht hat, wird sich auch ein Partner des selben Attraktivitätsniveaus einfinden. Typische Vertreter dieser Lehre sind die Red-Pill-Anhänger (und in etwas weniger radikaler Form die PUAs*). Die Dating-App Tinder berechnet Partnervorschläge nicht nach Kompatibilität, sondern nach Attraktivität – dem sogenannten Elo-Score – und vertritt damit ebenfalls das Marktwertparadigma.

    Welche Seite hat recht?

    Um eine valide Entscheidung zu treffen, wird man das Konzept des Marktwerts operationalisieren müssen und dieses dann empirisch auf seine Vorhersagekraft hin überprüfen müssen. (Dazu mehr in einem zukünftigen Beitrag.)

    Wissenschaftliche Belege für beide Seiten wurden bereits im Post Assortative Paarung vorgestellt. Es genügt also, wenn ich die Aussagen anhand von Alltagsbeispielen plausibilisiere.

    Ein radikales Passungsparadigma kann nicht stimmen, denn z.B. sind übergewichtige Frauen und schüchterne Männer zweifellos unterdurchschnittlich attraktiv. Aber auch ein radikales Marktwertparadigma kann nicht zutreffen, denn wie man leicht durch eine kleine Umfrage im Bekanntenkreis feststellt, gibt es durchaus interindividuelle Unterschiede bei der Attraktivitäts-Bewertung von Frauen. „Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall.“, wie der Volksmund sagt.

    Die Wahrheit muss also irgendwo in der Mitte liegen. Mathematisch kann man dieses „in der Mitte“ mit einem Ungleichheitsmaß, z.B. dem Gini-Koeffizienten beschreiben. Genau genommen benötigt man zwei Koeffizienten:

    1. Der „Attraktivitäts-Ungleichheits-Koeffizient“ (kurz AUK) beschreibt, wie ungleich die Attraktivität (im Sinne eines Durchschnitts aller Bewertungen) über die Menschheit verteilt ist. Ein AUK von 0 liegt vor, wenn fast alle Menschen grotten-hässlich sind und nur eine(r) mit makelloser Schönheit gesegnet wurde. Ein AUK von 1 liegt vor, wenn im Mittel alle Menschen gleich attraktiv sind, und individuelle Präferenzen keine statistischen Häufungspunkte besitzen.
    2. Der „Bewertungs-Ungleichheits-Koeffizient“ (kurz BUK) gibt an, wie sehr sich die Attraktivitäts-Bewertungen für eine konkrete Person im Mittel unterscheiden. Ein BUK von 0 liegt vor, wenn es für jeden Menschen genau einen passenden Partner gibt, der ihm dann maximal attraktiv erscheint und alle anderen für ihn komplett unattraktiv sind. Ein BUK von 1 liegt vor, wenn alle Menschen sich in ihrer Attraktivitäts-Bewertung komplett einig sind. Wenn es keinen einzigen Menschen gibt, der über eine „8“ sagt, ‚für mich ist das nur eine „7.9“‚.

    Das Passungsparadigma gilt demnach, wenn AUK≈0 und BUK≈1. Das Marktwertparadigma gilt, wenn AUK≫0 und BUK≪1.**

    Jetzt wäre es natürlich äußerst wünschenswert, wenn es eine wissenschaftliche Studie gäbe, die auf Grundlage einer umfangreichen Datenerhebung die beiden Koeffizienten berechnet. Ich habe da leider nichts dahingehendes gefunden.
    Mein einziges Fundstück ist ein anonymer Blogpost. Demnach liegt der AUK (von Männern(?)), operationalisiert über Tinder-Likes, bei 0.58.*** Damit sind die Attraktivitätsunterschiede bei Männern größer als die Einkommensunterschiede in 95% aller Staaten. Was deutlich für das Marktwertparadigma spricht.

    Subjektives Empfinden
    Vielleicht mag jetzt jemand einwenden, dass er niemals eine Frau nur deshalb begehrt hat, weil sie mit ihm die selbe Attraktivitätsklasse teilt und dass so etwas Erbärmliches kein erstrebenswertes Ziel sei. Dem möchte ich entgegnen, dass es mir hier nicht um den subjektiven Eindruck des Begehrenden, sondern um den wissenschaftlichen Blick von außen auf den Sachverhalt geht. Die subjektiven Empfindungen würde ich in folgende zwei Klassen des Begehrens einteilen:

    • „sie ist die heißeste Frau der Welt, und ich will sie unbedingt haben, weil sie so heiß ist“
    • „wir sind wie für einander gemacht, zwischen uns gibt es eine tiefe Seelenverwandschaft“

    Der erste Fall klingt eher nach Marktwertparadigma, der zweite eher nach Passungsparadigma. Und über die objektive Realität sagen beide nichts aus.

    Nützlichkeit der beiden Paradigmen
    Häufig hört man das Argument, es sei abträglich für den Partnererfolg, an das Marktwertparadigma zu glauben. Ich halte nichts davon, sein Weltbild nach Nützlichkeitserwägungen zu formen. Ich kann z.B. auch dem Gedanken, es sei nützlich, an Gott zu glauben, nicht viel abgewinnen. Man kann doch die Realität nicht verleugnen, nur weil man sich einen Vorteil davon verspricht. Ich verstehe schon rein praktisch nicht, wie das funktionieren soll.

    Die meisten Nützlichkeits-Argumente gegen das Marktwertparadigma laufen in etwa so: Es zerstört dein Selbstbewusstsein, weil du dann siehst, dass andere attraktiver sind als du, und es macht needy, weil du dann merkst, dass du nur Frauen bis zu einer gewissen Attraktivitätsgrenze haben kannst. Dem möchte ich entgegen halten, dass das Passungsparadigma zur Untätigkeit verleitet, was in vielen Fällen noch schädlicher ist. Das typische AB-Argument dazu läuft in etwa so:

    Zum Glück gibt es nicht nur eine Sorte von Frau. Ich warte einfach auf eine, die auf verschrobene Einzelgänger ohne Eier in der Hose steht. Das ist viel besser, als zu versuchen, jemand zu sein, der ich nicht bin.

    Meiner Meinung nach bringt es auf Dauer nichts, die Realität zu verleugnen. Nicht fürs Selbstbewusstsein, nicht für den Frauenerfolg, nicht für sonst irgendwas. Man sollte vielmehr lernen, die Realität, so wie sie nun mal ist, zu akzeptieren – ohne jedoch dabei in resignative Untätigkeit zu verfallen. Sondern vielmehr eine Jetzt-erst-recht-Einstellung entwickeln, eine Strategie erarbeiten, sich bewusst machen, dass es andere mit viel größeren Defiziten schon geschafft haben und dass ein geringer Partnermarktwert noch lange keinen geringen Wert als Mensch bedeutet.

    * PUAs vertreten z.B. häufig die Meinung, dass die oft zu beobachtenden Paarungen zwischen LSE-Frauen und Beta-Männern auf dem Passungsparadima beruhen:

    mehrvomleben: Beta-Männer ziehen LSE-Frauen an, Alpha-Männer ziehen HSE-Frauen an. [Link]

    TheLemonSong: Warum sind es also immer wieder die LSE HD Frauen, die mich so faszinieren?
    Aldous: Weil LSE LSE anzieht. [Link]

    Wenn du […] in einer Beziehung mit einem problematischen Typus lebst, beginnt die Arbeit nicht bei deiner Partnerin, sondern bei dir selbst. Denn LSE zieht LSE an, und aller Wahrscheinlichkeit nach hast du deshalb selbst ein Problem! Viele LSE-Frauen […] meiden Alphas in erotischen Belangen.

    [LdS, S.98]

    Genauso gibt es aber auch Interpretationen des Phänomens im Rahmen des Marktwertparadigmas:

    Bedenke immer, dass nur LD-Frauen Manipulationen auf extreme Weise und über einen langen Zeitraum hinweg betreiben. Psychisch gesunde Frauen werden dich nach gelungener Betaisierung einfach aufs Abstellgleis schieben und sich nach einem besseren Mann umsehen.

    [LdS, S. 183]

    ** Die Zeichen ≫ und ≪ sind hier als signifikant größer bzw. kleiner zu lesen. Z.B. hätte man bei einem AUK=0.3 und BUK=0.7 bereits ein gutes Argument für das Marktwertparadigma.
    *** Die 80/20-Regel ist gleichbedeutend mit einem Gini-Koeffizienten von 0.6. Somit haben wir hier einen empirischen Nachweis dieser Regel.


    Weblinks:
    Wie funktioniert „Anziehung“?, AB-Treff

    Per Mertesacker

    Per Mertesacker hat im Spiegel ein Interview gegeben, das auch im Zusammenhang mit diesem Blog interessant ist. Interessant, weil es nicht ganz so einfach in das übliche Schema passt, dass ich hier schon beschrieben habe. Es geht um das Thema „Gefühle Zeigen“ bei Männern. Er beschreibt die psychischen Probleme, die er während seiner Zeit als Profisportler hatte.

    Die ersten Reaktionen darauf sind wenig überraschend. Im Wesentlichen der übliche Jammer-Vorwurf, den Männer immer hören, wenn sie sachlich von ihren Problemen berichten. RTL titelt „Mertesacker jammert über Druck“, im Sky-Interview wird seine Qualifikation als Nachwuchstrainer in Frage gestellt.

    Doch dann dreht sich der Wind. SJWs kommen aus der Deckung und springen Mertesacker bei:

    Auch typisch 🙂

    Und auch RTL hat seine Meinung an den Zeitgeist adjustiert:

    Wie kann das sein? Der weiße, heterosexuelle Mann ist doch eigentlich der Todfeind dieser Leute. In vergleichbaren Situationen vermelden die, dass sie in seinen Tränen gebadet haben. Ich vermute, dass wenn es darum geht, dass Ultraprivilegierte sich ihre Spitzenposition erjammern statt erarbeiten, die Vorteile eines Jobs haben wollen, ohne die Nachteile in Kauf zu nehmen, Verantwortung für die selbst getroffenen Entscheidung ablehnen und es Menschen mit entgegengesetzter Meinung gibt, die man dafür attackieren kann, dass das dann die üblichen Aktivismus-Reflexe triggert, selbst wenn es sich hier um einen WHM handelt. Über Scheidungsväter, die an den Unterhaltszahlungen an die Ex-Frau zerbrechen, habe ich jedenfalls schon länger nichts mehr im Spiegel gelesen. Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die es nicht so viel leichter haben als der Fußball-Millionär.

    Meine Meinung zum Mertesacker-Interview:

    Das Interview ist grundsätzlich in Ordnung. Er hat sachlich beschrieben, wie er sich gefühlt hat, und warum er sich so verhalten hat. Dagegen ist nichts einzuwenden und das mindert auch nicht seine Qualifikation zum Trainer. Genauso verständlich ist es, dass andere auf das Bekenntnis zu seinen selbst verursachten Qualen irritiert reagieren. Und ebenfalls verständlich ist es, wenn einfache Menschen etwas ungehalten auf die Klagen eines Mannes, der unter anderem durch ihre GEZ-Gebühren zu großem Reichtum gekommen ist, reagieren. Des weiteren sind Leute, die nicht 100% meiner Meinung sind keine empathielosen Unmenschen, die sich löschen sollen und denen man mit Brandanschlägen droht.

    Weniger Verständnis habe ich dafür, wenn sich jemand darüber beklagt, dass er die Konsequenzen seiner eigenen Entscheidung tragen muss

    Irgendwann realisierst du, dass es null mehr um Spass geht, sondern dass du abliefern musst, ohne Wenn und Aber.

    Ja wer hätte das denken können, dass Spitzensportler bezahlt werden, um Leistung zu erbringen, und nicht um Spaß zu haben? Das ist aber auch gemein! Genauso gemein ist es übrigens, dass katholische Priester nicht heiraten dürfen und das Prostituierte mit hässlichen Männern schlafen müssen. Das konnte keiner vorher ahnen, da brauchen wir dringend einen Aktivismus, der etwas dagegen tut!!!11!

    Auch kein Verständnis habe ich, wenn man sich gegen jegliche Kritik verwehrt.

    Matthäus und Co. tun einiges dafür [dass die Welt sich nicht ändert], auch die „Bild“-Zeitung, die zum Beispiel an diesem Wochenende über die Spieler des Hamburger SV nach dem 0:6 bei Bayern München schreibt: „7 Mal die 6 für die HSV-Luschen“.

    [Link]

    Ja was hätten sie den schreiben sollen? „Piep piep piep, wir haben euch trotzdem lieb!“ vielleicht? Und wo soll das hinführen, wenn wir das auf andere Gebiete ausdehnen? Wenn ich mir ansehe, was Polikiker alles an Kritik einstecken müssen, kann ich mir gut vorstellen, dass da der eine oder andere mit Durchfall und Erbrechen reagiert. Auch linke Formate, wie z.B. die Heute Show, ziehen manchmal ganz schön vom Leder. Das ist für die Betroffenen nicht schön. Aber die Lösung kann doch nicht sein, dass wir Politiker und Sportler nicht mehr kritisieren dürfen. Die Lösung kann doch nur sein, dass die Betroffenen selbst entscheiden, ob sie diesem Druck gewachsen sind, und ggf. einen Job wählen, in dem sie nicht so in der Öffentlichkeit stehen.

    Mitleid habe ich mit Mertesacker nicht, hat er glaube ich auch nicht verlangt. Ich freue mich für jeden, der sich zu jahrelangem Erbrechen und Durchfall entscheidet, wenn er damit glücklich wird. Er ist für mich kein Held, aber auch kein Versager. Das folgende Zitat beschreibt es ganz gut:


    Weblinks:
    „Am liebsten sitze ich auf der Bank, noch lieber auf der Tribüne“, Spiegel
    Schauen Sie in den Spiegel, Herr Matthäus, Spiegel
    Wer Mertesacker kritisiert, hat nichts verstanden, Yahoo
    Matthäus hat einen Elfer verballert, Sport 1
    Aufschrei nach Mertesacker-Interview – Nicht der Fußball, die Gesellschaft ist das Problem, RP Online

    Loddar hat Recht, Rote Pille Blog
    Und die Frage heißt “warum?”! | #Mertesacker, 91. Minute
    Mertesacker-Geständnis: Profifußball hat aus der Tagödie Robert Enke noch immer nichts gelernt!, ruhrbarone

    Männergefühle und Feminismus

    Ich habe hier ja schon mehrfach darüber geschrieben, dass es für Männer nicht immer sinnvoll ist, Gefühle – inbesondere Schwäche und Verletzlichkeit – zu zeigen. Vielleicht schreckt dich das etwas ab und du fühlst dich geneigt, statt der PUA-Bewegung dem Feminismus dein Vertrauen zu schenken. Möglicherweise fühlst du dich durch folgenden feministischen Aussagen dazu ermutigt, dem feministischen Lager dein Herz auszuschütten:

    Rather than admitting faults or embracing vulnerability, men are told to “man up” or “stop being a p*ssy” in order to protect their precious masculinity. Feminism turns that idea of avoiding reflectiveness on its head. [Link]

    [Feminism] allows you to feel however you want to damn well feel. Crying doesn’t make you less of a man. Feminism helps because it shows that even at your weakest moment, you are not a failure of a man for expressing how you feel. [Link]

    I’m really genuinely disturbed by this idea that men can’t cry and that they can’t express themselves and talk about how they actually feel. I think that’s the saddest thing in the world. It’s what makes you human.

    Emma Watson

    Doch sei gewarnt! Feministinnen sind keine ehrlichen Menschen! Niemand hasst weinende Männer mehr als Feministinnen!

    Denn wenn sie wirklich dafür wären, dass mehr Männer Gefühle zeigen, dann würden sie nicht genau das als Basis für ihren Spott benutzen:

    I bathe in male tears

    Nobody cares about your fragile masculinity

    In einem „Nobody cares about your fragile masculinity“-T-Shirt für das Zeigen männlicher Verletzlichkeit zu werben ist in etwa so sinnvoll, wie in einem „Nobody cares about your raped body“-T-Shirt vergewaltigten Frauen zu helfen.

    Sehr aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist auch das folgende Zitat:

    Jetzt kommt ihr, frisch aus der Badewanne des Patriarchats, gecremt und gepudert, und wollt auch endlich mal traurig sein dürfen. Das ist toll. Alle sollen so viel fühlen, wie sie nur können. Aber. Ist euch aufgefallen, dass ihr die einzigen seid, die ihre großen und kleinen Traurigkeiten ungefiltert und unendlich oft in die Feministeria ballern? Wieso seid ihr der Ansicht, einen Raum wie den queer/feministischen Netzkosmos mit euren Whiteboyproblems beschäftigen zu müssen? Habt ihr mal darüber nachgedacht, dass ihr mit euren vielen Tränen Ressourcen fresst, die andere sowieso schon weniger zur Verfügung haben als ihr, weil sie nicht mit dem goldenen Panzer des weißen Dudes gerüstet sind? Wieso paradiert ihr euer Privileg in unsere Gesichter? Wie ihr diese Widersprüche löst, ist nicht mein Problem. Es ist eure Pflicht, um mal einen eher archaischen Begriff zu benutzen.

    Alles Evolution

    Letztlich sind sich diverse Gruppierungen relativ einig darin, ob sie Männergefühle sehen wollen. Sie unterscheiden sich nur in ihren Begründungen:

    • Traditionalist: Männer weinen nicht, weil das einfach unmännlich ist.
    • PUA: Männer weinen nicht, weil das beim Aufbau und Erhalt von glücklichen Beziehungen strategische Nachteile bringt.
    • Feminist: Männer weinen nicht, weil sie aufgrund ihrer ganzen Privilegien überhaupt kein Recht haben, traurig zu sein.

    Du darfst also lediglich entscheiden, warum du nicht weinen wirst. Für mich ist da die PUA-Begründung der einzige akzeptable Ansatz.


    Weblinks:
    FeministInnen pro Männnergefühle:

    FeministInnen kontra Männnergefühle:

    • Cem Özdemir, einer der beiden Vorsitzenden der feministischen Partei „Die Grünen“, äußert sich wie folgt in der taz:

      Diese Weinerlichkeit von Männern, die ein Problem mit starken Frauen haben, geht mir auf den Zeiger. […] Wie gesagt: Weinerliche Männer nerven mich.

    • Der Feminist Thomas Meinecke kommentiert das Thema im Spiegel:

      Die ganz miesen Typen gründen Männergruppen und sagen: Wir wollen auch mehr öffentlich weinen dürfen. Damit betreiben sie eine feindliche Übernahme des Feminismus und killen das Anliegen der Frauen.

      (via)

    • Das Ministerium für feministischen Opferkult alias „No Hate Speech DE“ hat Männern, die über ihre Probleme sprechen möchten, folgendes zu sagen:

      (via)

    Kritik an der feministischen Doppelmoral:

    • Einem Mann allerdings Weinerlichkeit zu unterstellen, wenn er sich beklagt, ist eine eigenartige Form der Schmähung. Hatte es gerade eben nicht noch geheißen, Männer müssten insgesamt weicher werden und mehr Gefühle zulassen?

      Jan Fleischhauer im Spiegel (via)

    • Weil dieselben Leute, die fordern, Männer sollten ihre „toxische Männlichkeit“ ablegen und über ihre Gefühle sprechen, sich über „Male Tears“ beömmeln und spöttisch ein Foto der tränenverzerrten Grimasse James van der Beeks zeigen, um zu zeigen, wie lustig „jammernde“ Männer sind. Das Massenmobbing von „Qualitätsjournalisten“ gegen den „Zeit“-Redakteur Jens Jessen, sobald er über Verletzungen zu sprechen begann, hat ja nun auch jeder mitbekommen.

      Arne Hoffmann, Genderama

    • Lustigerweise kombiniert [Sibel Schick die Kritik an Männern, die ihre Gefühle unterdrücken] mit der Aufforderung, nicht zu heulen und diese Gefühle, dass man damit auch Männer an sich angreift, zu unterdrücken.

      Auch Anzeichen dafür, dass der Täter Gefühle unterdrückt hat, fehlen. Eher scheint er sich mit anderen im Internet zusammengeschlossen zu haben und gejammert zu haben, dass Frauen ihn nicht mögen und das alle gemein zu ihm sind. Er scheint hier eine Menge Gefühle ausgedrückt zu haben, eben negative.

      Alles Evolution

    • In einer Replik auf Jens Jessens Artikel „Der bedrohte Mann“ titelt die taz „Ganz großes Gejammer“. Wenn man als Feministin Männer zu Gefühlsausbrüchen motivieren möchte, wäre es ja vielleicht ganz sinnvoll, seine männlichen Gegner nicht immer als weinerliche Heulsusen zu bezeichnen, sondern vielleicht auch mal als gefühlskalten Klotz. Und doch bringen sie jedes mal wieder das Bild vom verweichlichten Mann. Lucas Schoppe schreibt dazu:

      Natürlich greifen Stokowski und Hecht, wie viele andere, auf ein reaktionäres Männerbild zurück. Was ein richtiger Mann ist, der jammert und flennt nicht, der hat und bietet jederzeit Halt, und dessen Ehre heißt Treue. Dass ein Mann – und sei es noch so verstiegen und unstrukturiert – über eigene Verunsicherungen, vielleicht gar über Leiderfahrungen schreibt, erregt hier immer wieder einen Widerwillen, der urtümlich, instinktiv und unreflektiert wirkt. Der Kern dieser feministischen Kritik an Jessen ist, dass der Autor eben kein richtiger Mann sei.

     

    Auch Männer unter den Opfern, Spiegel
    Kann Spuren von Gift enthalten, Zeit
    Die Schmerzensmänner, Zeit

    Make Men Cry More!, ABitOfBritt
    „In Männer-Tränen baden“, ironische Männerfeindlichkeit und „Agree and Amplify“ – Male Tears, Alles Evolution
    Jungs, bitte nicht den Feminismus mit euren Gefühlen stören, Alles Evolution
    Geschlechtsunterschiede bei Gefühlen, Alles Evolution
    Süddeutsche Zeitung zu den Problemen der Männer: „Mimimi“, Genderama

    Assortative Paarung

    Assortative Paarung liegt vor, wenn Arten mit geschlechtlicher Fortpflanzung zur Begattung mit Individuen neigen, die ihnen in gewisser Hinsicht ähnlicher (positive assortative Paarung) oder unähnlicher (negative assortative Paarung oder disassortative Paarung) sind, als dies bei einem rein zufälligem Paarungsverhalten der Fall wäre. Den Gegensatz, wenn Paarungswahrscheinlichkeit und Ähnlichkeit unkorreliert sind, bezeichnet man als Panmixie.

    Assortative Paarung steht nicht im Widerspruch zu geschlechtsspezifisch asymmetrischer Paarung. Selbst wenn Männer regelmäßig einen Meter größer als ihre Partnerinnen wären, läge assortative Paarung vor, wenn die 1,60-Frauen sich für 2,60-Männer, die 1,70-Frauen sich für 2,70-Männer, usw., entscheiden.

    Panmixie impliziert keine rein zufällige Paarung mit einem beliebigen Partner. Es können durchaus klare Partnerpräferenzen vorliegen. Nur müssen diese Präferenzen dann gleichmäßig über die gesamte Population verteilt sein.

    Beispiele

    • Positive assortative Paarung:
      • Einkommen [Buss]
      • Alter [Buss]
      • Sprache [Buss]
      • Religion [Buss]
      • Etnischer Hintergrund [Buss]
      • Sozio-ökonomischer Status [Buss]
      • Intelligenz [Yue-Pan]
      • Wohnort [Buss]
      • Genom [Guo]
      • Karitatives Engagement [Tognetti]
    • Negative assortative Paarung:
      • Geschlecht
        (Die meisten Menschen sind heterosexuell.)

        Negative assortative mating in human populations has never been reliably demonstrated, with the single exception of sex. [Buss]

      • Extraversion (geringer Effekt) [Watson]
      • Immunsystem (MHC-Moleküle) [Chaix]
    • Nicht-assortative Paarung (Panmixie):
      Bei Faktoren wie z.B.

      • Blutgruppe
      • Sternzeichen
      • Hausnummer (zum Zeitpunkt des Kennenlernens)

      würde ich sehr geringe bis keine assortative Paarung vermuten. Einen Beleg für einen Faktor mit Panmixie habe ich allerdings nicht gefunden.

    Wie kommt es zu diesem Phänomen?
    Folgende Ursachen sind denkbar:

    • Idiosynkratische Präferenzen
      Die meisten Individuen präferieren einen Partner, der ihnen selbst ähnlich ist.
    • Sytematische Präferenzen im Wettbewerb
      Die meisten Individuen haben ähnliche Präferenzen, während die Menge der Eigenschaften innerhalb der Population eine gewisse Streuung aufweist. Oder allgemeiner: die Nachfrage nach bestimmten Eigenschaften ist größer als das Angebot. In dieser Konstellation können nicht alle Präferenzen realisiert werden. Es entsteht ein Wettbewerb um die systematisch präferierten Eigenschaften, den diejenigen gewinnen, die selbst diese Eigenschaften aufweisen. Die Komplementärmenge der Verlierer hat somit ebenfalls ähniche Eigenschaften. Daraus ergibt sich die beobachtbare assortative Paarung.
    • Passive assortative Paarung / Propinquity
      Individuen mit den gleichen Eigenschaften besetzen das selbe Habitat und haben deshalb eine erhöhte Paarungswahrscheinlichkeit. (Beispielsweise paaren sich Akademiker eher untereinander, weil sie im Studium häufiger aufeinander treffen.)
    • Konvergenz
      Die Ähnlichkeit der Individuen ist zu Beginn der Beziehung noch nicht gegeben. Sie entwickelt sich im Laufe der Zeit durch wechselseitige Anpassung.

    Wissenschaftliche Forschungsergebnisse
    Zu der Entscheidung zwischen idiosynkratischen und systematischen Präferenzen schreibt [Burley]:

    High-quality individuals should be more selective than low-quality ones, so that for any phenotypic gradient along which individuals can be ranked in terms of their quality/desirability as mates, high-quality individuals will pair assortatively. In a finite population this will leave lower quality individuals to mate among themselves, not because they prefer to mate assortatively, but because their own desirability precludes them access to better mates. The pattern that results from a type preference for high quality mates, expressed by both sexes, is indistinguishable from one resulting when each phenotype prefers itself. As a result, it is impossible to decifer the process responsible solely from observing a mating pattern.

    Es ist also jedenfalls nicht von vornherein klar, was stimmt.

    Die letzten beiden Sätze gelten allerdings nur, wenn man lediglich einen Faktor betrachtet. Bei mehreren Faktoren kann man beobachten, ob die Paarungswahscheinlichkeit in Abhängigkeit von den Faktoren additiv ist. Hat man z.B. zwei Faktoren A und B mit jeweils assortativer Paarung, so sollten sich bei idiosynkratischen Präferenzen viel-A-wenig-B-Individuen und wenig-A-viel-B-Individuen nur extrem selten paaren, da sie sich maximal unterscheiden. Bei systematischen Präferenzen hingegen würden die beiden sich mit durchschnittlicher Wahrscheinlichkeit paaren, ähnlich wie zwei mittel-A-mittel-B-Individuen, denn der Mangel-Faktor kann durch den Überschuss-Faktor ausgeglichen werden und es ergibt sich ein mittlerer Marktwert. Dieser Effekt wurde in einer Studie für den Nachweis, dass die Assortativität in den Gesichtszügen jedenfalls nicht ausschließlich auf systematischen Präferenzen beruht, genutzt. [Alvarez] Zur umgekehrten Aussage sagt diese Studie allerdings nichts.

    Umgekehrt kann Assortativität auch nicht ausschließlich mit idiosynkratischen Präferenzen erklären. Dies folgt aus diversen Studien, die Attraktivitätsunterschiede in allen möglichen menschlichen Eigenschaften nachgewiesen haben. (Siehe z.B. hier.)
    Denn wenn es keinen Wettbewerb gäbe und die assortative Paarung alleine auf idiosynkratischen Präferenzen beruhte, wären alle Menschen so attraktiv, wie das entsprechende Merkmal häufig ist. Übergewicht wäre in den USA besonders sexy. Und in manchen Regionen Afrikas wären die Menschen auf fast verhungerte Partner scharf. Tatsächlich gibt es jedoch eine umgekehrte Tendenz.

    Weiter kann man die Partnerpräferenzen erfragen und mit den Eigenschaften der tatsächlichen Partner vergleichen. Bei Übereinstimmung liegen idiosynkratische Präferenzen, bei signifikanten Abweichungen systematische Präferenzen vor. In [Watson] wurden so religiöse und politische Einstellungen als eher idiosynkratische, Intelligenz und Persönlichkeit als eher systematische Präferenzen ermittelt.

    Passive assortative Paarung / Propinquity wurde in vielen Studien Nachgewiesen, z.B.: [Nagoshi94], [Nagoshi87], [Reynolds], [Tambs]

    Konvergenz als mögliche Ursache von assortativer Paarung wurde in [Watson] weitgehend verworfen. Lediglich das Persönlichkeitsmerkmal Offenheit west eine gewisse Konvergenz auf – mit negativem Vorzeichen. (D.h. die Partner unterscheiden sich in diesem Aspekt mit der Zeit immer mehr.)

    Fazit: Assortative Paarung entsteht durch ein Zusammenspiel von idiosynkratischen und systematischen Präferenzen sowie passiver Assortation.

    Assortative Paarung als Argument gegen Pickup
    Wie wir oben gesehen haben, gilt: Wenn gleich und gleich sich zusammen tun, dann heißt das nicht zwingend, dass gleich und gleich sich attraktiv finden. Sondern manchmal auch nur, dass gleich und gleich auf der selben Resterampe landen. Assortative Paarung impliziert nicht, dass es kein Attraktivitätsgefälle gibt. Und es folgt nicht, dass man nichts zur Steigerung seiner Attraktivität tun kann.

    Nichtsdestotrotz wird von Pick-up-Kritikern Assortative Paarung als Argument gegen Pick-up verwendet:

    My grandfather was a great fisherman. He told me that the type of fish you catch depends on the kind of lure you use. Dating and mating are no different. The subset of assertive strategies, borrowed from the pick-up artist tackle-box, are indeed appealing to some women. They also apparently lead particularly to casual sex encounters (as they were designed to do). So, if that fits with your love-life goals, then such „assertive“ strategies may work for you. If you have other goals, then be mindful to stay away from that „lure“ when you see it in the water. That way you won’t get „hooked“ into something you’re not interested in.

    [Psychology Today]

    Ever since interviewing pickup artist Mystery in 2007, I’ve wondered about the kind of women who fall for his shtick. Is it insecurity, masochism … a fetish for fuzzy top hats? Pickup artist techniques work to pair up like-minds. […] Ladies who subscribe to negative stereotypes about their own gender will take a liking to aggressively dominant men. […] Sexist women are essentially choosing sexist men.

    [Salon]

    Nein, Pick-up funktioniert nicht weil es für jeden Honk irgendwo ein passendes Gegenstück gibt. Sondern weil es für diese PUA-Honks ganz besonders viele passende Gegenstücke gibt. Und das aus allen denkbaren Subkulturen. Ja, PUAs haben vermutlich mehr „sexistische“ – will heißen: nicht radikalfeministische – Freundinnen als Nicht-PUAs. Weil sie die Wahl haben. Kein psychisch gesunder Mann will eine Männerhasserin, der er jeden Tag seine Privilegien beichten muss. Aber prinzipiell funktioniert Pick-up bei Feministinnen genauso, wie bei normalen Frauen. Oh, und seltsamerweise können die ganzen feministischen ABs keine passende feministische Freundin finden. Warum das so ist, können die Vertreter des Assortative-Mating-Arguments freilich nicht erklären.


    Literatur:
    [Alvarez] Liliana Alvarez, 2004; Narcissism guides mate selection: Humans mate assortatively, as revealed by facial resemblance, following an algorithm of “self seeking like”, Evolutionary Psychology
    [Burley] Nancy Burley, 1983; The meaning of assortative mating, Evolution and Human Behavior, Volume 4, Issue 4, Pages 191–203
    [Buss] David M. Buss, 1985; Human Mate Selection
    [Chaix] Chaix R, Cao C, Donnelly P. Is Mate Choice in Humans MHC-Dependent? Przeworski M, ed. PLoS Genetics. 2008;4(9)
    [Guo] Guo G, Wang L, Liu H, Randall T. Genomic Assortative Mating in Marriages in the United States. DeAngelis MM, ed. PLoS ONE. 2014;9(11)
    [Nagoshi87] Nagoshi, C. T., Johnson, R. C., & Ahern, F. M. (1987). Phenotypic assortative mating vs. social homogamy among Japanese and Chinese parents in the Hawaii Family Study of Cognition. Behavior Genetics, 17, 477–485.
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    Original Articles
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    Weblinks:
    Wikipedia: Assortative Paarung, Assortative mating