Normalo-Sprüche: Sei einfach du selbst!

Normalo-Sprüche

Ja, ich weiß, woher ich stamme,
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr’ ich mich.
Licht wird alles was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse,
Flamme bin ich sicherlich.

Friedrich Nietzsche

Was bedeutet „man selbst sein“? Wörtlich genommen ist diese Forderung inhaltsleer. Man kann überhaupt nicht nicht man selbst sein. Für jedes x gilt immer x=x. (Identitätsaxiom) Im übertragenen Sinne ist damit gemeint, dass man seine Vorlieben, Wünsche und Sehnsüchte weder vor sich selbst noch vor seinen Mitmenschen versteckt. Jedenfalls nicht übermäßig*. Dass man sein Verhalten mehr nach den eigenen Maßstäben als an der Erwünschtheit bei anderen ausrichtet. Dass man bereit ist, innere und äußere Widerstände zu überwinden, um seine Ziele zu erreichen. Der Fachbegriff für „man selbst sein“ ist Authentizität. Der Weg dorthin besteht aus Selbstfindung (erkennen, was man will) und Selbstverwirklichung (realisieren, was man will).

Gnothi Seauton

Der Ratschlag „Sei du selbst“ ist für sich genommen ziemlich unpräzise und lässt einen großen Interpretationsspielraum zu. Diesen Spielraum werde ich nutzen, um zu einer möglichst umfassenden Zustimmung mit diesem Ratschlag zu gelangen. Daraus folgt jedoch auch eine Warnung an dich: Du solltest dich nie zu dogmatisch auf das Sei-du-selbst-Mantra beziehen und im Zweifel lieber das tun, was funktioniert, als das, was vermeintlich authentischer ist. Einige der verbreitetsten Missverständnisse, die sich aus der Gummi-Regel „Sei einfach du selbst“ ergeben, werde ich hier besprechen:

Keep It Real

  1. a) Wir sind von Natur aus „wir selbst“ und wer unauthentisch ist, hat sich aktiv verstellt.
    b) Man selbst werden ist einfach.
    Korrektiv: Werde, der du bist! (Pindar)
    Die wenigsten ABs versuchen aktiv, sich zu verstellen, um eine Frau zu beeindrucken. Gefälschte Rolex, Urlaubserlebnisse aus Ländern, die man in Wirklichkeit nur aus dem Fernsehen kennt und erbärmliche Versuche, das Verhalten vermeintlich cooler Konkurrenten nachzuahmen sind typisch für Männer, die zwar durchwachsene Ergebnisse haben, aber immerhin Ergebnisse. Ein Zustand, von dem ABs nur träumen können.
    Wenn ABs sich verstellen, dann passiert das in der Regel unbewusst und/oder in voller Überzeugung, gerade durch dieses Verhalten ganz sie selbst zu sein. Z.B. indem sie noch weniger unter Leute gehen in der Meinung, so ihr wahres Wesen auszuleben.
    Socially Akward Misfit
  2. Und der Ratschlag „Sei du selbst!“ bestärkt sie nur in ihrem Tun und macht somit alles nur noch schlimmer. Übrigens sind die wenigsten Menschen authentisch, wenn sie einfach tun, wonach ihnen gerade ist, ohne sich große Gedanken zu machen. (In sofern ist das „einfach“ in dem Spruch besonders unangebracht.) Es bedarf enormer Anstrengungen, um zu werden, wer man ist. Und wem es gelingt, wirklich er selbst zu sein, der wird mit den hübschesten Frauen, unermesslichem Erfolg und ewigem Ruhm belohnt.
    Warum aber ist das so? Warum sind die Menschen im ungecoachten Zustand nicht „sie selbst“? Warum ist es so verdammt hart, zu dem zu werden, was man eigentlich schon immer ist? Ich glaube nicht, dass die Menschen von Geburt an unauthentisch sind. Vielmehr meine ich, dass wir durch die vielen Verletzungen, die wir im Laufe des Lebens erfahren haben, gewisse Selbstschutzmechanismen aktivieren, die unser wahres Ich vor Angriffen verbergen.
    In der Orthopädie gibt es den Begriff der Schonhaltung, der eine Fehlstellung des Körpers bezeichnet, die angenommen wird, wenn die normale, gesunde Haltung Schmerzen verursacht. Diese unnatürliche Körperhaltung kann zu weiteren Verspannungen, Schmerzen und damit zu noch mehr Schonung führen. Ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist („Dekonditionierungssyndrom“). Oft bleibt die Schonhaltung bestehen, selbst wenn die schmerzhafte Ursache dafür schon lange abgeklungen ist. Menschen, die Probleme mit dem „sie selbst sein“ haben, haben meist eine „psychische Schonhaltung“ angenommen. Wer jahrelang gemobbt wurde, bei wem jede Eigenschaft seiner Person dem Gespött der Gruppe ausgesetzt wurde, für den wird es irgendwann zur Überlebensstrategie, das eigene Ich zu verbergen, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. (Dieser Sachverhalt liefert übrigens eine Kausalität zur starken Korrelation zwischen AB-tum und Mobbing-Erfahrung.) Und genau wie man die physische Schonhaltung nicht heilen kann, in dem man dem Patienten sagt, „Lauf doch einfach normal!“, kann man die psychische Schonhaltung nicht durch ein „Sei einfach du selbst!“ kurieren. Dazu ist jahrelange Arbeit und ein graduelles Abgewöhnen der falschen Verhaltensmuster erforderlich. Ferner ist neben einem Abbau von „falschen“ Selbstschutzstrategien ein Aufbau von „richtigen“ Verteidigungstechniken erforderlich, wie es im Pick-up gelehrt wird. (Agree & Amplify, Cocky & Funny, Amused Mastery, …) Bildlich gesprochen geht es darum, die „Maske“ durch den „Schild“ zu ersetzen. Sich vor Angriffen nicht zu verstecken, sondern sie aktiv abzuwehren. Es bringt nämlich nichts, nur die Masken abzulegen und wie ein Opferlamm alles über sich ergehen zu lassen.

  3. Seelenstriptease ist verführerisch
    Korrektiv: Zeig dich von deiner besten Seite
    Viele ABs glauben, mit „Sei du selbst“ sei ein emotionales Auskotzen vor der potentiellen Partnerin gemeint. Sie stellen sich einer Frau z.B. so vor:

    Ich arbeite im Niedriglohnsektor. Ich habe keine Freunde, deshalb verbringe ich viel Zeit vor dem Fernseher und dem PC. Ich bin seit zehn Jahren wegen meiner Depressionen in Therapie. Ich hatte noch nie eine Freundin und glaube auch nicht wirklich, dass ich je eine haben werde. Aber wie sagt man so schön: die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Diese brutalst-mögliche Ehrlichkeit ist nichts, was dich einer Frau näher bringt. Frauen wollen Spaß haben, eine beschwingte, fröhliche Zeit mit dir verbringen. Nicht beim Blick in deine seelischen Abründe erschaudern. „Du selbst sein“ heißt, zu deinen Leidenschaften zu stehen. Du sollst der Frau zeigen, wofür du brennst. Nicht worunter du leidest. Deine Probleme löst du bitte selbst. (Oder holst dir Unterstützung von jemandem, der nicht als Sexualpartner in Frage kommt.)

  4. Selbstfindung ist im Alleingang möglich**
    Korrektiv: Feedback ist der Schlüssel zum Selbst
    Früher dachte ich, man könne am besten zu sich selbst finden, wenn man sich von allen störenden Einflüssen von außen abschirmt und sich alleine ganz auf sich selbst besinnt. Das ist jedoch nicht der Fall. Solch ein Vorgehen führt oft zu ganz grotesken Ergebnissen und macht den Menschen zu einem seltsamen Kautz, mit dem keiner etwas zu tun haben möchte.
    Du kannst nicht durch Introspektion im stillen Kämmerlein „du selbst“ werden. Das geht prinzipiell nur im Dialog mit möglichst vielen Menschen. Wie ein Rohdiamant, der erst durch das Schleifen zu einem funkelnden Brillanten wird, so kann auch das Selbst nur durch jahrzehntelange Reibung an anderen Menschen, die dich loben oder kritisieren, bewundern oder verspotten, zu einem wahren Selbst reifen.
    Wir brauchen das Feedback von anderen, um Dinge zu sehen, die wir selbst nicht bemerkt haben. Das heißt natürlich nicht, dass wir nur noch tun, was andere von uns erwarten. Sondern dass wir Kritik ernst nehmen. Uns danach richten, wenn sie uns überzeugt hat. Und dagegenhalten, wenn nicht.
  5. Jedes Selbst ist gleich gut
    Korrektiv: Schrei dein Ich in die Welt.

    Tobias und Bastian sind ehemalige Schulfreunde, die sich bei einem Klassentreffen nach langer Zeit wiedersehen. Tobias erzählt:

    Bis vor drei Jahren hatte ich einen langweiligen Büro-Job. Ich war sehr unzufrieden damit, habe gekündigt und bin Animateur auf Mallorca geworden. Ich bin ja so glücklich, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Endlich kann ich tun, was mir wirklich Spaß macht. Und was das Beste ist: Es kommt bei den Mädels an. Jedes Wochenende hab ich eine andere Achtzehnjährige bei mir auf dem Zimmer. Wenn ich dir einen Rat geben kann, dann ist es: Sei du selbst! Scheiß auf alle Konventionen und mach, was du wirkich willst.

    Nach 3 Jahren sehen sie sich wieder, und Bastian berichtet:

    Ich habe deinen Rat zu Herzen genommen. Mit meinem Job in der IT bin ich sehr glücklich, den würde ich niemals aufgeben. Aber privat habe ich einiges geändert. Ich habe mein Fitnessstudio gekündigt und meinen Kumpels gesagt, dass ich nicht mehr mit ins Stadion gehe, weil Fußball mich eigentlich noch nie so richtig interessiert hat. Statt dessen habe ich eine Modellbahnanlage gebaut, an einer Open-Source-Software gearbeitet, Klingonisch gelernt und eine Geheimsprache entwickelt, die außer mir niemand versteht. Einerseits bin ich sehr glücklich, dass endlich meinen wahren Leidenschaften nachgehen kann. Andererseits macht mir die zunehmende Vereinsamung zu schaffen. Ich merke, dass ich immer weltfremder werde, und die wenigen Menschen, die ich noch treffe, mich auch dementsprechend behandeln. Das Thema Frauen sieht bei mir übrigens ganz schlecht aus.

    Auch wenn die Gerechte-Welt-Gläubigen noch so vehement das Gegenteil behaupten – in der Realität sind nicht alle Menschen gleich attraktiv, weder vom Aussehen, noch vom Charakter her. Extrovertierte sind attraktiver als Introvertierte. Gesprächige sind attraktiver als Schweigsame. Teamplayer sind attraktiver als Einzelgänger. Vorlaute sind attraktiver als Schüchterne. Resiliente sind attraktiver als Verletzliche. Dominante sind attraktiver als Submissive. Männliche Männer sind attraktiver als unmännliche. Neurotypische Männer sind attraktiver als Autisten. Tänzer sind attraktiver als Briefmarkensammler. Fussballspieler sind attraktiver als Schachspieler. Wenn deine Persönlichkeit eher auf der unattraktiven Seite des Spektrums liegt, bringt es nichts, diese abstoßenden Merkmale weiter zu kultivieren und zu glauben, dadurch mehr „du selbst“ geworden zu sein. Dann musst du versuchen, die jeweils andere Seite in dir zu entdecken. Viel Neues ausprobieren. Dich möglichst oft konträr zu deiner Persönlichkeit bewegen, immer auf der Suche nach Verhaltensweisen, die sowohl Authentisch als auch Attraktiv wirken. Insbesondere die Merkmale

    • Geselligkeit
    • Dominanz
    • Männlichkeit

    solltest du in keinem Fall zugunsten einer vermeintlichen Authentizität schwächen. Denn keine Frau steht auf unmännliche, submissive Eigenbrötler – egal wie authentisch sie damit sein mögen.
    Dem Leser, der durch derartige Ratschläge abgeschreckt wurde, sei erwähnt, dass rückblickend viele dies als den Weg zu ihrem wahren Selbst betrachten.

  6. Unser wahres Selbst liegt im Zentrum der Komfortzone.
    Korrektiv: Sei die beste Version von dir
    My mom said follow your dreams, so I went back to bed.
    Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass unsere wahren Vorlieben die sind, die uns möglichst angenehm erscheinen. Tatsächlich sind es jedoch die, die gewisse Dissonanzen erzeugen. An denen wir uns reiben können. Unser wahres Selbst liegt nicht im Zentrum der Komfortzone, aber auch nicht an ihrem Gegenpol. Sondern vielmehr am äußersten Rand des Erträglichen. Und es ist unsere Aufgabe, dieses Komfortzonenrandgebiet immer wieder von Neuem zu erkunden und auszuloten und die Grenze des Erträglichen immer wieder neu auszuhandeln.
    Wenn du z.B. morgens vom Wecker aus dem Schlaf gerissen wirst, mag es dir am angenehmsten erscheinen, einfach liegen zu bleiben, und im Laufe des Tages nichts anderes zu tun als dich von Fast Food zu ernähren und dich mit Unterhaltungselektronik zu beschäftigen. Jedenfalls nicht der gesellschaftlichen Konvention des „Arbeiten gehens“ zu folgen. Doch auch wenn du es in dem Moment nicht so siehst: Dieser Lebensstil ist nicht dein wahres Selbst. Es ist nichts, was dich langfristig glücklich macht.
    Anderes Beispiel: Wenn du in einem seriösen Anzugträgerunternehmen arbeitest, kannst du auch nicht einfach mit Flip-Flops und Hawaii-Hemd zum Dienst erscheinen. (Auch wenn das viel mehr deinem wahren Charakter entspräche.) Damit zeigst du keinen Mut zur Authentizität, sondern lediglich Abwesenheit jeglicher Sozialkompetenz. Du solltest aber auch nicht 30 Jahre lang die gleiche, langweilige Hemd-Anzug-Krawatte-Kombination tragen. Damit würdest du gar nichts von deinem Selbst preisgeben, und es dir in deiner Komfortzone bequem machen. Statt dessen könntest du z.B. versuchen, mit auffälligen Manschettenknöpfen, einer schicken Weste oder extravaganten Schuhen Akzente zu setzen, ohne gleich den kompletten Rahmen zu sprengen. Wenn du dir dann noch einen Bart stehen lässt und eine Glatze rasierst, wirst du dich nicht mehr beschweren müssen, von Kolleginnen nicht beachtet zu werden. Auch mit diesen kleinen Dingen kannst du schnell an die Grenzen deiner Komfortzone kommen. Und genau das ist es, was dich authentisch und interessant wirken lässt.

  7. Authentizität ist immer attraktiv
    Korrektiv: Es gibt nichts langweiligeres als dich selbst „im technischen Sinne“.
    Wenn das wahr wäre, wären Schauspieler die unattraktivsten Menschen der Welt. Und der Kölner Karneval wäre einer der keuschesten Orte der Erde. Denn dort ist keiner er selbst: Der Bäcker hat sich als Metzger verkleidet, der Polizist gibt sich als Sträfling aus, etc. Tatsächlich sind jedoch gerade verkleidete Männer für Frauen besonders interessant. Ob beim Karneval, auf einer Motto-Party oder einfach so – wer sich auffällig kostümiert, steigert seine Erfolgschancen („peacocking“). Neben der textilen Verstellung gibt es ein ähnliches, aber noch wirksameres Verführungsinstrument: Die Verstellung mit Worten. Wenn du einer Frau ehrlich erzählst, was du beruflich wirklich machst, ist sie spätestens nach dem dritten Wort eingeschlafen. Wenn du dich hingegen als Prinz aus Zamunda ausgibst, wird sie an deinen Lippen kleben. Lodovico Satana ist ein Meister dieser Technik. Seine vielen Beispiele können dir eine Inspirationsquelle sein. (Lies als Einstieg z.B. mal den Atomwaffenkontrolleur.)
    Die Trennlinie zwischen guter und schlechter Unauthentizität ist durch deine Intention gegeben. Wenn du dich mit dem Ziel verstellst, dass dir deine Rolle ernsthaft abgenommen wird, führt das ins definitive Aus, sobald der leiseste Verdacht auf Unaufrichtigkeit aufkommt. Wenn du dich hingegen verstellst, um zu unterhalten, um statt dröge Fakten auszutauschen eine anregende Konversation zu führen, dann katapultiert dich diese Unauthentizität in eine ganz andere Attraktivitätsliga. Ich kann dir nur raten: Verstell dich, so oft du kannst! Treib deinen Spaß mit ihr! Gib keine ehrlichen Antworten, wenn sie dich etwas fragt! (Es sei denn, es ist „Nein“.) Verabschiede dich von der männlichen Fakten-Realität und begib dich in die Phantasiewelt der Rollenspiele, der Uneindeutigkeiten, der fiktionalen Geschichten mit Spannungsbogen.
  8. „Sei du selbst“ heißt, es ist okay, die Fassung zu verlieren.
    Korrektiv: Du bist nicht deine Angst, Wut, Scham, Verzweiflung oder Needyness.
    Viele Authentizitäts-Gurus lehren, man solle seine Gefühle zeigen, egal wie es einem gerade geht. Als Kind und Jugendlicher habe ich das oft gemacht. Wenn ich von anderen gehänselt oder geschlagen wurde, habe ich oft angefangen, zu weinen. Das war nicht gut. Die Angreifer haben sich vielfach gerade dadurch ermutigt gefühlt, dann noch mal zuzuschlagen. In jedem Fall war es mit einem enormen Statusverlust verbunden. Das gleiche gilt beim Flirten: Wenn eine Frau dich shittestet, kannst du nicht einfach anfangen, zu heulen, oder dich in einem Tobsuchtsanfall über ihre Unverschämtheit aufregen. Sie macht diese Tests ja gerade um herauszufinden, ob du beim ersten Widerstand aus der Rolle fällst, oder ob du souverän bleibst und deinen „Frame“ behältst. Denn letztlich bist du nicht authentisch, wenn du als willenloses Opfer deiner Gefühlswallungen operierst. Du bist nicht du selbst, wenn du dich von deinen Gefühlen beherrschen lässt, sondern nur, wenn du deine Gefühle beherrschst.

    Wer stets so ist, wie er eben ist, muss scheitern – denn er ist allzu authentisch.

    Stefan Wachtel

    Peer Steinbrück
    Authentizität war ja Peer Steinbrücks zentrales Mantra im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2013. Darunter verstand er unter anderem das schonungslose Zeigen von Emotionen. Alles was er gerade fühlte, musste ungefiltert raus. Ob Stinkefinger, Tränen, Beleidigungen anderer Staaten und deren Politiker – Steinbrück hat uns wirklich nichts erspart. Allein der Wähler hat es ihm nicht gedankt. Genau genommen waren es die Wählerinnen, die ihm seine Authentizität übel genommen haben. Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass ein etwas staatsmännischerer Umgang mit der eigenen Emotionalität sich bei den Mädels gar nicht so schlecht gemacht hätte. Etwas weniger Theatralik, dafür mehr Professionalität und echte Leidenschaft für die Sache sind es, womit man Frauenherzen gewinnt – egal ob auf dem Weg zum Kanzleramt oder zum ONS.

    Eine Boulevardzeitung fragte: „Ist die Authentizität Steinbrücks Pfund?“ Falsch. Es war sein Sargnagel.

    Stefan Wachtel

  9. Pick-up und „man selbst sein“ sind Gegensätze
    Korrektiv: Pick-up weist dir den Weg zu deinem wahren Selbst.
    Pick-up hilft dir die Ängste zu überwinden, die dich davon abhalten, der zu sein, der du wirklich bist. Es ist die Therapie für deine psychische Schonhaltung. Ein Alpha ist im Wesentlichen nichts anderes als ein authentischer Mann.
  10. „Sei du selbst“ ist inhaltsloses Gelaber aus der Esoterik-Ecke
    Wenn du Leute fragst, was mit „man selbst sein“ eigentlich gemeint ist, kann es passieren, dass sie dich mit einem Schwall an Buzzword-Geblubber überschütten, ohne auch nur irgendwas zu erklären. So in etwa:

    Das heißt, du sollst dein wahres Ich zeigen, einfach DU sein, authentisch, geradlinig, echt. Ein Mensch mit Ecken und Kanten. Dich nicht hinter einer Maske verstecken. Dich nicht verbiegen lassen. Keine Rolle spielen.

    Wenn du nach so einem Vortrag noch verwirrter bist als zuvor, möchte ich dir sagen, dass Authentizität eigentlich etwas sehr konkretes ist, das man leicht in unmissverständliche Handlungsanweisungen übersetzen kann. Beispiel gefällig? Wenn du das nächste mal „Ist mir egal, was wir als nächstes machen. Ich richte mich da ganz nach dir.“ sagen willst, kannst du das durch ein „Ich würde jetzt total gerne in die Kneipe X gehen, die machen da so leckere Y!“ ersetzen. Und schon bist du ein ganzes Stück authentischer.

Bei aller Liebe zur Authentizität sollte man jedoch auch nicht vergessen, dass der Sei-du-selbst-Spruch ein beliebtes Mittel ist, um den Ratgebenden in die Position des allwissenden Beraters und den Ratsuchenden in die Position des Beratungsresistenten, der selbst schuld an seinem Schicksal ist, zu befördern. Den die behauptete Wirksamkeit ist kaum falsifizierbar. Wer jemandem rät, mehr Sport zu machen, auf Partys zu gehen oder Frauen anzusprechen, muss mit der Entgegnung rechnen, man befolge den Rat schon seit Jahren, jedoch ohne Erfolg. Wer zu mehr Authentizität rät, kann jede Entgegnung mit dem Argument, man sei eben nicht wirklich authentisch gewesen, abschmettern.

 

* Es gibt auch ein zu viel an Offenheit. Wer z.B. direkt nach dem Ansprechen seine bevorzugten Sexualpraktiken durchdekliniert, wirkt nicht authentisch, sondern creepy. Genauso ist es vollkommen akzeptabel, sich verschiedenen Personen (z.B. seinem Vorgesetzten und seiner Mutter) gegenüber unterschiedlich zu verhalten. Mann sollte sich nur nicht so sehr verstellen, dass es einem unangenehm wird, wenn z.B. bei einem Gespräch mit dem Chef unerwartet die Mutter hinzu stößt.
** Der Gedanke geht auf Georg Wilhelm Friedrich Hegel zurück. Er schreib im Kapitel „Herrschaft und Knechtschaft“ seiner Phänomenologie des Geistes:

Das Selbstbewußtsein ist an und für sich, indem und dadurch daß es für ein Anderes an und für sich ist; d.h. es ist nur als ein Anerkanntes.

Etwas verständlicher formuliert es der Philosoph Georg W. Bertram:

Wir entwickeln unser Ich in Reaktion auf Erfahrungen, die wir machen, auch negative Erfahrungen. Wenn ich keine Reaktion von anderen habe, kann ich stehen, wofür auch immer ich will: Das Ich bleibt leer.


Siehe auch:
Coming Out als AB
Der Koitus-Euphemismus
Der Fels und die Brandung
Rezensionen: Der perfekte Eroberer, Models

Zitat von „Betruger“ aus „Gastbeitrag: Eine (bittere?) Wahrheit“:

-> „sei einfach [nur] Du selbst“ (sagen oft: vergebene Frauen, Ratgeber)
Bei so einer Aussage mischt sich bei einem MAB besondere Bitterkeit hinzu, denn man war sein bisheriges Leben immer man selbst. Wenn man also ‚einfach sich selbst‘ bleibt, dann führt das nach dem Erfahrungswert logischerweise zu absolut garnichts! Gemeint sein kann bei diesem ‚guten Rat‘ beispielsweise, dass man nicht ’needy‘ rüberkommt oder sich zwanghaft verstellt, so dass es ganz offensichtlich auffällt (z.B. die Körpersprache nicht zur verbalen Sprache passt). ABER: um als AB erfolgreicher zu werden wird man zumindest seine Verhaltensweisen und manche Einstellungen ändern MÜSSEN – das bedeutet bis zu einem gewissen Grad tatsächlich ‚verstellen‘ – bis das irgendwann in Fleisch und Blut übergeht.

Weblinks:
Sei Du selbst, Zu sich selber finden; wikiHow (de)
How to Be Yourself, How to Find Yourself; wikiHow (en)
Authentizität, Selbstfindung, Selbstverwirklichung; Wikipedia (de)
Authenticity, True self and false self, Persona, Self-knowledge, Self-actualization, Psychology of self; Wikipedia (en)
Authenticity, PUA lingo

What It Means to Just Be Yourself and 3 Ways to Do It, Tiny Buddha
10 Wege, wie Du wirklich Du selbst sein kannst (Du wirst Dich dafür lieben), myMONK
Wann bist Du die beste Version von Dir?, HappyIch
Authentisch sein – eine Anleitung, Stephan Wiessler
Authentizität oder wie du einfach du selbst sein kannst, MalMini
Authentizität – Ich bin ich. Und sonst gar nichts., Digital Media Women

5 Reasons ‘Just Be Yourself’ Is Terrible Dating Advice, The Huffington Post
First Dates: Just Be Yourself?, The Soulmates Blog
Sei nicht authentisch: Warum Sie besser nicht so sind wie Sie sind, Svenja Hofert HR- und Karriereblog
How exactly is „just be yourself“ supposed to be good dating advice?, Quora
Sei einfach du selbst, im gegenteil
Sei bitte nicht du selbst, NEON

Authentizität und Pickup: Sei das beste Selbst, das du sein kannst, Alles Evolution
Gastbeitrag: Die wichtigsten Eigenschaften beim Verführen von Frauen sind Authentizität und männliche Polarität, Alles Evolution

„Sei einfach du selbst“ der unbrauchbarste Tipp für einen Einsteiger!, Pick Up Tipps
Sei Du Selbst ! -> was versteht IHR darunter ? (UMFRAGE), AB-Treff
Sei, wie Du bist und Du wirst ehrlich sein und…, AB-Treff
What normies says vs what they mean, FA Reddit
„Just be yourself“, FA Reddit
Just be yourself, FA Reddit

Videos:
Die größte Selbstverarschung: Sei einfach du selbst!
The art of being yourself | Caroline McHugh | TEDxMiltonKeynesWomen
The Power of Authenticity: Mike Robbins at TEDxGreenbrookSchool
authenticity | joe gerstandt
Will Smith on Being Your Authentic Self
The Search for Authenticity – The Agenda with Steve Paikin
Get Into The Ultimate State: The State of Authenticity – John Keegan
Der Mythos Authentizität – Rainer Niermeyer
Sei einfach du selbst… toller Ratschlag. ABER WIE??

Musik:
Frank Sinatra – My Way
Gloria Gaynor – I am What I am
Die Ärzte – Lied vom Scheitern
Dream Theater – As I Am
Lady Gaga – Born This Way
Supertramp – The Logical Song

Die Ansprüche der Männer

Eine Replik auf meinen Post „Die Ansprüche der Frauen“.

Natürlich haben auch Männer Ansprüche. Natürlich gibt es auch Frauen, die an diesen Ansprüchen scheitern und deshalb alleine bleiben. Natürlich gibt es auch Männer, die überzogene Ansprüche haben und deshalb alleine bleiben. Aber zwei Dinge sind bei den beiden Geschlechtern doch unterschiedlich:

  1. Frauen sind im Mittel anspruchsvoller. Dies ist eine direkte Folge aus Robert Trivers Theorie des Elternaufwands („Parental Investment“).
  2. Männliche Ansprüche sind keine Shittests. Wenn ein Mann etwas will, dann will er es. Wenn er es bekommt, freut er sich. Und startet keinen Betaisierungsprozess.

Natürlich darf man Frauen ihre höheren Ansprüche nicht zum Vorwurf machen. Sie folgen genau wie wir Männer ihrem genetisch vorgegebenen Programm. Und überhaupt kann ja wohl jeder fordern, was er will. Ich sehe da nichts Verwerfliches. Am Ende entscheidet der Markt, inwiefern das realisierbar ist.

Und wie sehen die männlichen Ansprüche konkret aus?

  1. Optische Attraktivität
    Klassische Attraktivitätsmerkmale: Große Brüste, flacher Bauch, knackiger Po, lange Beine, volle Lippen, hohe Wangenknochen, große Augen, glatte Haut, lange Haare, …
  2. Libido
    Sie sollte gerne Sex haben. Die schönste Frau ist wertlos, wenn sie nicht mit einem schläft.
  3. Verträglichkeit
    Sie sollte nett sein. Kein Drama, keine Vorwürfe, keine Drohungen, keine Gewalt.
  4. Verfügbarkeit
    Sie sollte an mir interessiert sein, und nicht an anderen Männern. Wenn die Frau eine potentielle zukünftige Partnerin ist, dann sollte sie keine allzu turbulente Vergangenheit haben, jedoch an mir sehr schnell Interesse zeigen. Wenn sie meine Partnerin ist, dann sollte sie nicht fremdgehen und am besten auch nicht fremd flirten, jedoch in meinem Bett stets wild und unersättlich bleiben.

Im Gegensatz zu Frauen sind Männern die Faktoren Einkommen, Status, Vertrauen, Kongruenz, Individualität, Humor, und Stil weniger wichtig.

Die vier oben genannten Punkte finden sich auch im Pick-up wieder:
Punkt 1 wird über die „10er-Skala“ kodiert, Punkt 2 über die Klassifikation HD/LD (high drive/low drive), Punkt 3 über die Klassifikation HSE/LSE (high self esteem/low self esteem). Punkt 4 ist etwas, was es zu überwinden gilt. Angst vor Zurückweisung, Ergebnisabhängigkeit und Eifersucht sind schädlich für den Verführungserfolg.


Siehe auch:
Die Ansprüche der Frauen

Weblinks:
Der weibliche PUA „Thundercat“ bringt es auf den Punkt:

seh gut aus und GEH IHM NICHT AUF DEN SACK, wenn du dazu nicht ganz hohl in der birne bist und gut im bett, fertig. [Link]

(Punkt 1-3 der obigen 4 Punkte)

Evolutionäre Thesen zur Partnerwahl aus “Evolution of Desire” von David Buss, Alles Evolution
Partnerwahl: Männer haben überzogene Ansprüche an ihre Partnerin, Frauenzimmer
Was Männer wollen – Keine hohen Ansprüche, Glamour
Männer wollen Schönheit, Frauen suchen Sicherheit, RP Online
Frauen sind bei der Partnersuche wählerischer als Männer, ElitePartner
Frau sucht aus, Süddeutsche Zeitung
Partnerwahl, Spektrum.de
Wer will wen, Focus
Das Märchen vom „Charakter“ zieht nicht mehr: Es kommt doch aufs Aussehen an!, klatsch-tratsch

Ihr Männer seid doch selbst schuld, AB-Treff
Wie weit habt ihr eure Ansprüche reduziert ?, AB-Treff
Zu hohe Ansprüche oder die falschen, AB-Treff

Die Ansprüche der Frauen

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die Ansprüche der Frauen. Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher

Eine (insbesondere von Beta-Männern) häufig zu hörende Klage ist, dass die Ansprüche von Frauen „zu hoch“ seien. Der folgende (nicht ohne Grund häufig zitierte) Text drückt ganz gut aus, wie viele Männer sich diesbezüglich fühlen:

Eine FRAU glücklich zu machen ist ganz einfach!

Man muss nur ein…

1. Freund
2. Partner
3. Liebhaber
4. Bruder
5. Vater
6. Lehrer
7. Erzieher
8. Koch
9. Mechaniker
10. Monteur
11. Architekt
12. Stylist
13. Elektriker
14. Klempner
15. Gynäkologe
16. Psychologe / Psychiater
17. Therapeut
18. Lebensberater

sein und dabei muss man(n) gleichzeitig…

19. zuvorkommend
20. sympathisch
21. durchtrainiert
22. liebevoll
23. aufmerksam
24. gentlemanlike
25. intelligent
26. einfallsreich
27. kreativ
28. einfühlsam
29. stark
30. verständnisvoll
31. tolerant
32. bescheiden
33. ehrgeizig
34. fähig
35. mutig
36. entschieden
37. vertrauensvoll
38. respektvoll
39. hingebungsvoll
40. leidenschaftlich
41. und vor allem zahlungsfähig sein!

Gleichzeitig sollte man darauf achten, dass

a) man nicht eifersüchtig ist, aber dennoch nicht uninteressiert.
b) man sich mit seiner Familie gut versteht, ihr aber nicht mehr Zeit widmet als der Frau.
c) man ihr Raum lässt, sich aber besorgt zeigt, wo sie war und was sie gemacht hat.

Einen MANN glücklich zu machen ist bei weitem nicht so leicht!!

Der Mann braucht:

1. SEX
2. ESSEN

Die meisten Frauen sind mit diesen vielfältigen Bedürfnissen natürlich TOTAL überfordert.

Was lernen wir daraus?

Ein harmonisches Zusammenleben ist gar nicht so schwer – würden wir Männer ENDLICH erkennen, dass wir unsere hohen Ansprüche ein klein wenig zurückschrauben müssen!😉

[Link]

Im Einzelnen kann man da sicher den einen oder anderen Punkt kritisieren, aber insgesamt scheint der Autor doch einen Nerv getroffen zu haben, sonst hätte der Text sich nicht so weit verbreitet.

Ansprüche sind Shittests
Ich muss hier mal mit einem grundsätzlichem Missverständnis aufräumen: Weibliche Ansprüche sind nicht dazu da, um erfüllt zu werden. Sie sind Tests, um herauszufinden, ob du Manns genug bist, ihre Forderungen zurückzuweisen. Die Frau will wissen, ob du jemand bist, der alles mit sich machen lässt, oder ob du ein Mann bist, der weiß, wo seine Grenzen sind und der sich nicht alles gefallen lässt.

Kognitiv ist dieser Sachverhalt nicht schwer zu verstehen, aber die Umsetzung ist alles andere als einfach. Wir Männer sind eben darauf programmiert, Frauen glücklich machen zu wollen – was häufig zu einem Frauen-alles-recht-machen-wollen ausartet. Frauen hingegen suchen naturgemäß den Konflikt, das Drama und den Mann, der sie dann wieder in ihre Schranken weist.

Wenn du Frauen fragst*, was ein potentieller Partner denn so an Minimalkriterien erfüllen sollte, um überhaupt in die engere Auswahl zu kommen, wird sie dir in der Regel eine lange Liste von Anforderungen vorlegen, die kaum ein Mann erfüllen kann – insbesondere du nicht. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit meinem damaligen OdB, in dem sie mir genau erklärte, was ein Mann ihr alles bieten müsste. Allesamt Ansprüche, die ich höchstens rudimentär erfüllen konnte. Und ein paar Monate später kam sie dann mit einem Freund daher, der noch viel weiter von dem beschriebenen Idealparter abwich, als ich. Sehr verunsichert haben mich auch immer Ansprüche, die von praktisch allen Frauen kommen. Beispielsweise erwarten schätzungsweise 99% der Frauen von einem Partner, dass er tierlieb ist. Da hat ein Tierfeind wie ich also schon allein deshalb ganz schlechte Karten?! Lass dich durch solche Ansprüche nicht einschüchtern! Nur äußerst selten sagt eine Frau, was für einen Partner sie wirklich will.
Qualities we NEED in our S.O.

Liste der Ansprüche von eher unattraktiven Frauen.

Es gibt nur einen wirklichen Anspruch
Die meisten Forderungen der Frauen sind Shittests. Das heißt jedoch nicht, dass du nichts tun musst, um eine Frau zu verführen und zu behalten. Ganz im Gegenteil. Als typischer AB musst du einen enormen Aufwand betreiben, um für überhaupt eine Frau in Frage zu kommen. Du musst nur nicht das tun, was sie explizit von dir verlangt.

Alle Kriterien, die sich auf Interessen, Hobbys, Einstellung und Werte beziehen sind für den Flirterfolg eigentlich komplett egal**. Alles, was mit Aussehen, Geld und Status zu tun hat („LMS“) ist zwar relevant, jedoch nur von nachrangiger Bedeutung. Worauf es jedoch wirklich ankommt, ist nur die eine Frage: Bist du ein Alpha? Wer Frauen führt und verführt, sie neckt und ihre Shittests kontert und dabei Selbstbewusstsein und Lebensfreude ausstrahlt, kann viele attraktive Frauen erobern. Wer in dieser Disziplin komplett versagt, kann das weder mit LMS noch mit sonstigen Vorzügen wett machen.

Erfüllbare und unerfüllbare Ansprüche
Ich unterscheide hier zwischen erfüllbaren Ansprüchen, die durch ein Eingehen auf die Forderung befriedigt werden können, und unerfüllbaren Ansprüchen, bei denen jedes Eingehen nur noch strengere Zusatzforderungen auslöst.

Die meisten Anforderungen, die an uns gestellt werden, sind prinzipiell erfüllbar und führen nicht automatisch zu weiteren umfassenderen Anforderungen. Bei Prüfungen (z.B. in der Schule oder an der Uni) genügt es, den vorher vereinbarten Lehrstoff zu beherrschen. Steht man vor Gericht, dann kann man mit einem Freispruch rechnen, sofern man sich an alle geltenden Gesetze gehalten hat. Möchte man in einem Geschäft ein Produkt erwerben, so genügt es, den ausgezeichneten Preis zu bezahlen. Noch nie habe ich erlebt, dass ein Verkäufer mir an der Kasse entgegnet hat „Ich will aber mehr Geld! Und noch mehr Geld! Und noch viel, viel mehr Geld!!!“

Es gibt aber durchaus Situationen, in denen wir mit unerfüllbaren Ansprüchen konfrontiert werden. Beispielsweise werden häufig unerfüllbare Aufgaben in der militärischen Ausbildung gestellt:

Ich lernte, dass man sich vor dem Verlassen des Schiffes militärisch korrekt beim wachhabenden Unteroffizier abmelden musste. Das tat ich. Der Unteroffizier, ein Obermaat, musterte mich kritisch.

„Matrose Kazim, haben Sie Ihre Hose als Kopfkissen benutzt?“

Ich blickte an meiner Uniformhose herunter. Die Bügelfalte war so scharf wie eine Rasierklinge. Wo lag sein Problem?

„Gehen Sie unter Deck, und bügeln Sie Ihre Hose ordentlich!“

Ich verschwand, verwundert über diese Szene, in den Schlafraum, kramte ein Reisebügeleisen aus meinem umzugskartongroßen Metallspind, zog die Hose aus und fuhr ein paar Mal darüber. Dann rannte ich wieder an Oberdeck.

„Das soll eine Bügelfalte sein? Gehen Sie mir aus den Augen, und kommen Sie erst wieder, wenn Sie vernünftig angezogen sind!“

Jetzt war ich wütend. Ich bügelte die gebügelte Hose noch einmal.

„Matrose Kazim, wollen Sie Deutschland Schande bereiten? Oder warum kommen Sie schon wieder mit so einer knittrigen Hose zu mir?“

Genervt machte ich kehrt, ab unter Deck, aber diesmal bügelte ich nicht, sondern ließ einfach ein paar Minuten vergehen, bevor ich wieder nach oben ging.

„Na also, warum nicht gleich so? Schönen Landgang! Und benehmen Sie sich!“

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Several times a week, the instructors would line up the class and do a uniform inspection. It was exceptionally thorough.

Your hat had to be perfectly starched, your uniform immaculately pressed and your belt buckle shiny and void of any smudges.

But it seemed that no matter how much effort you put into starching your hat, or pressing your uniform or polishing your belt buckle—- it just wasn’t good enough.

The instructors would find “something” wrong.

For failing the uniform inspection, the student had to run, fully clothed into the surfzone and then, wet from head to toe, roll around on the beach until every part of your body was covered with sand.

The effect was known as a “sugar cookie.” You stayed in that uniform the rest of the day—cold, wet and sandy.

There were many a student who just couldn’t accept the fact that all their effort was in vain. That no matter how hard they tried to get the uniform right—it was unappreciated.

Those students didn’t make it through training.

Those students didn’t understand the purpose of the drill. You were never going to succeed. You were never going to have a perfect uniform.

Sometimes no matter how well you prepare or how well you perform you still end up as a sugar cookie.

It’s just the way life is sometimes.

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Solche „militärischen Shittests“ kannst du nur bestehen, wenn du dich betaisieren lässt. Da hilft dir kein frecher Spruch, kein Aufbegehren gegen die Ungerechtigkeit und kein extremer Arbeitseifer, um den Anforderungen doch noch zu genügen. Akzeptiere die Bestrafung und versuche, dich nicht zu sehr darüber zu ärgern.

In einer Beziehung mit einer Frau wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine ähnliche Situation kommen: Die Frau verlangt etwas von dir, aber so sehr du dich dabei auch anstrengst, ihren Wunsch zu erfüllen – das Ergebnis ist niemals gut genug für sie. Sie bestraft dich für dein „Versagen“ mit Gekeife und Liebesentzug, in schweren Fällen mit öffentlicher Demütigung und körperlicher Gewalt. Im Gegensatz zu den militärischen Shittests darfst du dich hier nicht betaisieren lassen, sondern musst mit dominantem Alpaverhalten reagieren, um nicht in einen Teufelskreis aus immer strengeren Anforderungen, immer größeren Anstrengungen deinerseits und immer brutaleren Bestrafungen ihrerseits zu geraten.

Sieh dir dazu mal das folgende Beispiel von „Dave from Hawaii“ an:

HER: “I’m hungry.”
ME: “What do you want to eat?”
HER: “I don’t know…”
ME: “How about McDonalds?”
HER: “I dunno.”
ME: “How about Taco bell?”
HER: {shrugs}
ME: “KFC? I know you really like the original recipe chicken dinner…”
HER: “well yeah…”
ME: “OK, great, let’s go!”
Drives to the KFC drive-thru.
ME: I’ll have the Zesty Crispy Chicken Wrap…what do you want, honey?”
HER: “I don’t want to eat here.”
ME: “What? I thought you said…”
HER: “I never said I wanted KFC.”
ME: “But…what do you want then? Whatever you want, just let me know, and we’ll go there!”
HER: “It’s too late, you’ve already ordered here.”
ME: “Fine then. So what do you want?”
HER: “Nothing, just take me home. I’ll figure out what I’m going to eat later. {Said in a grouchy tone}.
ME: “Why do you have to be like that?
HER: “Be like what? I never said I wanted KFC!”
ME: “Well what do you want then?”
HER: “Don’t worry about me already! Just get YOUR food and take me home!”
ME: “I’ve asked you how many times to tell me what you want and I’ll take you there! Why do you always have to act like this?”
HER: “Act like what? Nevermind already! It’s obvious you don’t really care about what I want…it’s only about what you want! I didn’t want KFC and yet you’re trying to make like it’s all my fault just because I don’t want to eat here! I never wanted to eat here in the first place!!!!”
ME: “$*%^(YT@#($)(#&!!!!!”

[Link]

Der Mann tut alles – wirklich alles – um den Ansprüchen seiner Frau zu genügen, und bekommt am Ende den Vorwurf, nur an sich zu denken! Das ist sehr typisch für Beziehungen zwischen LSE-Frauen und Beta-Männern. Ständig wechselnde, sich widersprechende Forderungen sind da ein beliebtes Mittel, um die Unerfüllbarkeit der Ansprüche sicherzustellen. Ein weiteres gern genutztes Instrument zur Erzeugung von Unerfüllbarkeit ist das Verlangen von Dingen, die es gar nicht gibt. Sieh dir dazu das folgende typische*** Beispiel an:

Sie: Hmmm, ich würde jetzt gerne in eine japanische Pizzeria gehen. Ich hab einen riesen Appetit auf eine japanische Pizza – belegt mit Rinderflossen und Thunfischkäse.
Er: Japanische Pizzeria? Rinderflossen? Thunfischkäse? Davon habe ich ja noch nie was gehört. Bist du dir sicher, dass …
Sie: DOCH, SOWAS GIBTS!!! Das muss hier in der Nähe sein. Ich hab es doch selbst gesehen! Mein Ex-Freund ist da immer mit mir essen gegangen. Aber du kriegst das scheinbar nicht hin?!

Wenn sie dir mit so einem Scheiß kommt, steht es nicht gut um deine Beziehung. Möglicherweise hast du dich bereits zu ihrem willfährigen Diener gemacht. Unerfüllbare Wünsche sind jetzt ihre einzige Möglichkeit, um neue Vorwürfe gegen dich zu generieren. Lerne dringend Alpha-Verhalten. Geh niemals auf solchen Schwachsinn ein. Versuche nicht, ihr zu beweisen, dass es das, wonach sie verlangt, gar nicht gibt. Trenne dich von ihr, wenn so was regelmäßig kommt.

 

* Wenn eine Frau von sich aus erzählt, warum du ihr nicht gut genug bist, so nennt man das einen Shittest. Wenn du mit deinem Gefrage nach möglichen Ansprüchen ihr eine Vorlage für solche Shittests lieferst, dann ist das ein sehr unkluger Schachzug, der nur dein geringes Selbstbewusstsein offenbart.
** Egal in dem Sinne, dass es keinen Unterschied macht, ob du A oder B sagst. Wenn du diese Fragen allerdings vermeidest oder nicht selbstbewusst genug beantwortest, ist das für dich sehr wohl ein riesiger Attraktivitätskiller.
*** Abgesehen von der konkreten Spezifikation des Restaurants habe ich das schon bei verschiedenen Frauen genau so erlebt.


Siehe auch:
Die Ansprüche der Männer

Literatur:

Ein symptomatischer Satz der Betroffenen ist oft: „Ich kann es ihr einfach nicht recht machen!“ Die Wucht solcher fast immer sehr schwer erkennbaren psychologischen Angriffe kann für labile Persönlichkeiten gefährlich oder zerstörerisch bis hin zum Suizid sein.

[LdS, S.49]

Die Ansprüche von Frauen an Partnerschaften: Wieso Beziehungen immer schwieriger werden, Sandra Eichhorn

Weblinks:
„Die Ansprüche der Frauen sind so hoch“, Die Welt
Studie: Die geringen Ansprüche der Männer, Die Zeit
Warum gibt es viele Singles? Frauen zu anspruchsvoll, Männer zu schüchtern, ElitePartner

Der Satz fasst die Ursachen für Partnerlosigkeit (natürlich stark vereinfacht) ganz gut zusammen. Auch das Zitat der Psychologin Lisa Fischbach ist interessant:

Es wird der perfekte Partner gesucht, Kompromisse werden nur selten eingegangen. Vor allem die selbstbewussten, gebildeten Frauen scheitern oft an ihren hohen Ansprüchen. Sie müssten ihr Suchmuster überprüfen, um einen Partner zu finden.

„48 Prozent finden, dass Single-Frauen zu anspruchsvoll sind.“, presseportal
Warum sind Sie immer noch Single?, Petra
»Deutsche Frauen sagen nie das, was sie wirklich denken«, Süddeutsche Zeitung
Meine Freundin ist nie zufrieden, egal was ich mache, und gibt mir nichts zurück, frag Beatrice
Zu anspruchsvoll? – Erwarten wir zu viel von einem Mann oder sind unsere Ansprüche an eine Beziehung gerechtfertigt?, Glamour
Erwarten wir zu viel von den Männern?, Freundin
Stellen Frauen heutzutage zu hohe Ansprüche in einer Beziehung?, Huffington Post
Je klüger, desto einsamer: Gebildete Frauen stellen zu hohe Ansprüche bei der Partnerwahl, femininleben
Nörgelst du noch, oder bebst du schon?, Sibylle Berg
„Frauen suchen den Alpha-Softie“, Die Zeit

Die Ansprüche steigen, vor allem bei Frauen. Der Partner muss immer mehr erfüllen. Das zeigen viele Studien, und so beobachten wir es auch bei den Mitgliedern des Portals Elitepartner. Wir beobachten, dass vor allem Frauen mittleren und höheren Alters sich mit niemandem zufriedengeben wollen, der nicht optimal zu ihnen passt. Sie bleiben lieber Single, als Kompromisse einzugehen. Der akzeptierte Verhaltenskorridor ist sehr eng, und obendrein lässt er sich von kaum einer Frau ganz konkret beschreiben, das ist eher so ein „Von allem etwas zum richtigen Zeitpunkt“. Die Balance zu halten ist knifflig; manche Männer frustriert das.

6 Unreasonable Demands Women Tend To Make In Relationships, Thought Catalog

Warum Frauen unzufrieden sind, MGTOW Deutsch
Schweigen ist bei einer Frau die Pause zwischen zwei Wünschen, MGTOW Deutsch
“Lieber zukünftiger Ehemann”, Alles Evolution

Frauen sind sehr schwer zufriedenzustellen, können kaum aufhören zu meckern. Einmal muss der Mann die eierlegende Wollmilchsau sein, in der nächsten Sekunde wieder etwas völlig anderes. Die Hauptsache ist, dass der Zustand möglichst unerreichbar ist und sich Männer in Konkurrenz darum, den Wünschen einer Frau zu entsprechen, schön gegeneinander aufhetzen lassen.

Zhen auf Alles Evolution

Je mehr ein Mann sich auf die Bedürfnisse der Frau einlässt, je mehr Forderungen er nachgibt, umso mehr wird sie fordern. Während der bindungsunwillige, egoistische Lover alles bekommt ohne Forderungen ausgesetzt zu werden, bekommt der brave Versorger, der seine Bedürfnisse denen der Frau hintenanstellt, nichts mehr außer noch mehr unmöglich zu erfüllende Forderungen.

lh auf Alles Evolution

Ich kann es IHR nicht recht machen, sie wird zu agressiv, hilferuf
Kann Mann einer Frau es nie Recht machen?, ElitePartner
Warum sind viele Frauen so extrem anspruchsvoll?, urbia
warum sind frauen heutzutage so anspruchsvoll?, gutefrage
Sind deutsche Frauen zu anspruchsvoll?, Yahoo Clever
Wie kann man es Frauen noch recht machen?!….., Blinker Forum
Sind Frauen beim Sex zu anspruchsvoll?, hilferuf.de
Sind deutsche Frauen zu anspruchsvoll?, gofeminin
Sind deutsche Frauen zu anspruchsvoll?, 3DCenter Forum
Warum sind Frauen so zickig und anspruchsvoll?, ElitePartner
Warum haben z.B. weniger attraktive Frauen genauso hohe Ansprüche als wie äußerst attraktive Frauen?, ElitePartner
Ich hasse die Ansprüche von Frauen!, ichhasse.es
Die Ansprüche einer Frau…, Unicum Forum

Wie kann man Frauen heute überhaupt noch beeindrucken?, AB-Treff
Deutsche Frauen zu hartherzig und anspruchsvoll?, AB-Treff
Deutscher Partnermarkt einfach kaputt ? Ursachen belanglos, AB-Treff
Einfach mal die Ansprüche runterschrauben…, AB-Treff

Normalo-Sprüche: Du sollst nicht suchen!

Als AB wirst du wahrscheinlich mit einer Reihe von immer widerkehrenden Ratschlägen und Kommentaren zu deiner Situation konfrontiert. Ich starte hier mal eine Serie, in der ich einige davon kritisch kommentiere. Viele dieser Sprüche enthalten einen wahren Kern, sind aber so missverständlich formuliert, dass sie ABs noch erfolgloser machen, als sie ohnehin schon sind.


Normalo-Sprüche

Der Grund für diesen Ratschlag ist, dass Männer, die intensiv und bislang erfolglos nach einer Freundin suchen, needy und damit unattraktiv wirken. Wenn eine Frau das Gefühl hat, dass du „auf der Suche nach einer Freundin“ bist, dann bist du für sie als potentieller Partner gestorben. Ich habe schon von so vielen Frauen gehört, dass sie Männer abgelehnt haben, weil sie den Eindruck hatten, diese seien zu sehr „auf der Suche“.

Andererseits ist es so, dass du, wenn du nicht suchst, und einfach nur darauf wartest, dass sich von selbst etwas ergibt, niemals eine Freundin finden wirst. Deine Traumfrau wird nicht einfach so auf deine Couch geflogen kommen. Sie wird dich auch nicht im Supermarkt ansprechen. Als Mann musst du selbst aktiv werden und auf Frauen zugehen. Immer wieder, trotz aller Abweisungen. Die meisten ABs haben Jahre oder Jahrzehnte mit „nicht suchen“ zugebracht und sind deshalb völlig erfolglos geblieben.

Die Lösung zu dem Dilemma lautet: Du sollst schon suchen, aber du darfst dich nicht dabei erwischen lassen! Erzähl ihr nicht, was du alles unternommen hast, bei welchen Singelbörsen du dich angemeldet hast, an welchen Speed-Datings du teilgenommen hast und wie die Frauen dich alle haben abblitzen lassen. Date vor allem Frauen außerhalb deines Bekanntenkreises. Vermeide unbedingt, nach einer Abweisung dich mit anderen Frauen zu treffen, die von dieser Abweisung erfahren könnten. Du wirkst dann nur wie ein Verzweifelter, der es wahllos bei jeder irgendwie verfügbaren Frau probiert. Und so jemanden möchte keine Frau haben.


Weblinks:
Sprüche allgemein:
Sprüche, AB-Wiki
Sprüche (von verpartnerten Frauen)…, AB-Treff
Normalo-Sprüche, AB-Treff

Du sollst nicht suchen:
It’ll Happen When You Stop Looking, The Huffington Post
Why You Only Find Love When You Stop Looking For It, Lifehack
4 Reasons You Should Stop Looking for a Girlfriend, TSB Magazine
Don’t Look For A Girlfriend, Return Of Kings
„Partner finden ohne zu suchen – so gelingt’s“ – Interview mit Michael Mary, ElitePartner
Seelenpartner kann man nicht suchen. Seelen finden sich., Open Mind Akademie
„Man sollte nicht nach dem perfekten Partner suchen“, Süddeutsche Zeitung

Warum man die Liebe seines Lebens nicht suchen sollte…, AB-Treff
Wenn Du aufhörst zu suchen …, AB-Treff
Aufhören zu suchen, AB-Treff
What do they mean „stop looking for a girlfriend and you’ll find one“, Forever Alone Reddit
Wieso sagt man: Man sollte nach Beziehungen/Liebe nicht suchen?, gutefrage.net
“Hör auf zu suchen, dann kommt er von ganz allein” Stimmt diese Aussage wirklich?, erdbeerlounge

Angemessenheit von Empörung

Eine der größten strukturellen Fehlleistungen des Feminismus ist m. E. die Unfähigkeit, eine der Situation angemessene Form der Empörung zu finden. Einerseits kommt es immer wieder zu exorbitanten Überdramatisierungen kleinster Petitessen, andererseits werden schwerste Verbrechen verharmlost und relativiert.

Die sich daraus ergebende Unberechenbarkeit feministischer Agitation ist deshalb so fatal, weil sie einerseits bei frauenfreundlichen Männern ein Klima der Angst erzeugt – viele trauen sich nicht mehr, überhaupt irgendwas zu sagen -, und andererseits, weil sie Frauenhassern, Sexisten und Vergewaltigern eine relative Unbedenklichkeit ihres Verhaltens suggeriert, denn angeblich sind ja deren Taten Teil des Alltags aller Frauen.

Was ist Angemessenheit?
Empörung sollte sich m. E. nach der schwere der Tat, Anzahl und Organisiertheit der Täter, Angemessenheit der Reaktionen von Polizei, Justiz, Politik und Medien richten. Ferner spielen die Faktoren Erwartbarkeit und Vermeidbarkeit der Vorfälle eine Rolle. Wer in den Boxring steigt, braucht sich nicht beschweren, wenn er geschlagen wird. Wer in den Kreißsaal kommt, und dort zusammengeschlagen wird, hat alles Recht, sich zu empören. Geschlecht, Herkunft, Religion, etc. sollten beim Grad der Empörung selbstverständlich keine Rolle spielen.

In den Medien gibt es leider eine breite Front gegen angemessene Berichterstattung über sexuelle Gewalt. Beispielsweise schreibt Sascha Lobo zu den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof:

Wenn jetzt exakt diejenigen, die sonst ganzjährig fordern, Frauen sollten gefälligst die Bluse zumachen, auf Frauenrechte pochen – dann ist das instrumenteller Rassismus.

Die Nazi-Keule ist natürlich immer eine super Idee, wenn einem die Argumente fehlen. Abgesehen davon: Was Herr Lobo hier als Scheinheiligkeit anprangert, wird von mir als Angemessenheit befürwortet. Es ist angemessen, wenn wir einen Blick in den Ausschnitt nicht zum Gewaltverbrechen hochstilisieren. Und es ist angemessen, wenn wir Gewaltverbechen nicht als harmlose Grabschereien abtun.

Was ist harmlos?
Wer zu einer Tanzveranstaltung, bei der traditionell Unmengen von Alkohol konsumiert werden geht, muss damit rechnen, an Armen, Hüfte und vielleicht sogar am Gesäß berührt zu werden. Das mag im Einzelfall nicht immer angenehm sein, ist aber Teil des Deals, den man beim Betreten der Lokalität eingeht. Wer das nicht will, kann ja statt des Oktoberfests eine Lesung klassischer Literatur besuchen. Oder dem Betreffenden mitteilen, dass er seine Finger gefälligst bei sich lassen möge. Wer sich aufreizend anzieht, muss damit rechnen, Blicke und Kommentare auf sich zu ziehen. Keine Hände, aber Blicke und Kommentare. Wer das nicht will, kann ja gerne die Bluse zumachen. Wer mit Menschen kommuniziert, muss damit rechnen, hin und wieder mal ein Kompliment zu erhalten – insbesondere dann, wenn dies im privaten Rahmen, z.B. an einer Bar geschieht. Wer das nicht aushält, sollte seinen Wohnsitz in die geschlossene Abteilung einer Psychiatrie verlegen. Und nicht wieder unter Menschen gehen, so lange das nicht vollständig austherapiert ist.

Was ist schwerwiegend?
Wer ein Festzelt besucht, hat ein Recht darauf, beim Verlassen des Zeltes nicht vom Türsteher begrapscht zu werden. Wer einen Beruf ausübt, hat ein Recht darauf, von seinem Vorgesetzten nicht belästigt zu werden. Wer mit Bus oder Bahn den Heimweg von einer Party antritt, hat ein Anrecht darauf, dabei nicht gewaltsam gefingert zu werden. All diesen Beispielen gemeinsam ist, dass man sich der Situation nicht ohne Weiteres entziehen kann. Weiter verschärft wird die Lage, wenn die Täter in deutlicher Überzahl sind. Wenn sie sich gewaltsam Zugang zu ihrem Opfer verschaffen. Es gewaltsam von seinen Begleitpersonen trennen. Wenn die Polizei dem zusieht, aber nicht eingreift – sei es weil sie nicht will oder weil sie aufgrund der Übermacht der Täter nicht kann. Wenn die Presse die Taten erst verschweigt und dann klein redet. So etwas hinterlässt ein Gefühl von Hilflosigkeit und des ausgeliefert seins und kann zu schwerer Traumatisierung der Opfer führen.

Beispiele für Dramatisierung
Das prominenteste Beispiel hierfür ist die #Aufschrei-Debatte, bei der ein harmloses Kompliment zu einer noch nie dagewesenen Empörungswelle geführt hat. Aber auch sonst beschäftigen Feministinnen sich vor allem mit dem Aufblasen von Nichtigkeiten, beispielsweise: Manspreding, Shirtgate, Hollaback-Video, Beach-Body-Ready, Rape Culture, …

Hier ein Video-Beispiel für Dramatisierung:

Und hier ein Beispiel für angemessene Bewertung der thematisierten Vorfälle.

Beispiele für Verharmlosung

Jedes Oktoberfest ist genauso schlimm wie die Silvesternacht von Köln.

Anne Wizorek
Margarete Stokowski
Claudia Roth
(Zitat sinngemäß, nicht wörtlich)

Das ist bekanntlich falsch. Und selbst wenn es nicht falsch wäre, wäre es immer noch Derailing, worauf Feministinnen in anderen Kontexten stets hypersensibel reagieren. (Nebenbei bemerkt taugt das Argument auch nicht dazu, Rassismus mit Gegenrassismus zu bekämpfen. Denn „offenbar glauben gerade ausländische Gäste, dass sie sich auf dem Oktoberfest alles erlauben können und wähnen sich im rechtsfreien Raum.“)

Wer den Einsatzbericht der Polizei liest, wird unschwer feststellen, dass es da um mehr als ein paar Grapscher ging.

Die Welt wird nicht untergehen.* Schuldzuweisungen sind vertane Energie.

Sibylle Berg

Aber nicht doch! Schuldzuweisungen an Vergewaltiger wären ja das Allerletzte!

Und Cem Özdemir nannte das, was sich in jener Nacht abgespielt hatte grässlich. So, als seien in Köln Frauen verspeist, nicht beraubt und bedrängt worden.

Jakob Augstein

Nur weil die vergewaltigten Frauen nicht auch noch aufgefressen wurden, soll das alles nicht so schlimm sein? Geht’s noch?? Und was wäre denn wohl, wenn es tatsächlich in der Kölner Gewaltnacht zu Kannibalismus gekommen wäre? Würde Augstein dann das Leid der Opfer anerkennen? Ich glaube nicht. Eher würde er ihnen zurufen: „Stellt euch nicht so an. Die Knochen haben sie doch noch übrig gelassen.“

Um Missverständnisse zu vermeiden
Mir geht es hier nicht um Politik. Das Recht auf Asyl gilt selbstverständlich auch nach den Verbrechen von Köln uneingeschränkt weiter. Auch halte ich eine Verschärfung des Sexualstrafrechts für nicht notwendig. Nichts liegt mir ferner, als Menschen, die das gleiche Geschlecht, die gleiche Religion oder die gleiche Herkunft wie die Täter vom Kölner Hauptbahnhof haben, in Kollektivhaftung zu nehmen. Ich möchte nur auf eine Diskrepanz zwischen Schwere der Tat und Ausmaß der medialen Empörung hinweisen.

Bei aller Kritik an Verharmlosung soll auch nicht verschwiegen werden, dass es Medien gibt, die die Ereignisse von Köln dramatisieren, z.B. indem sie sie mit den Terroranschlägen von Paris gleichsetzen. Das ist genauso großer Schwachsinn wie die oben genannten Verharmlosungen. Paris war ja wohl doch eine ganz andere Hausnummer als Köln. Man wird den Opfern beider Verbrechen nicht gerecht, wenn man hier Parallelen zieht.

 

* Das Argument passt, insofern es um das allgemeine Grundrauschen an Gewalt geht. Traurig, aber wahr. Die Welt wird, solange sie von Menschen bewohnt wird, niemals frei von Raub, Mord, Belästigungen und Vergewaltigungen sein. Wenn es allerdings zu einem Ausbruch von Gewalt kommt, der deutlich über das sonst übliche Maß hinaus geht, ist es schon sinnvoll, das zu thematisieren und sich ein paar Gedanken darüber zu machen, ob man so was in Zukunft vielleicht verhindern könnte.


Weblinks:

pro Angemessenheit:
Dann mach doch die Bluse zu!, Birgit Kelle, The European
Die feministische Selbstdemontage, Meike Lobo, Die Zeit     [Diskussion in der Manosphäre: 1, 2, 3, 4, 5]

contra Angemessenheit:
Nichtig? Wichtig!, Margarete Stokowski, Spiegel Online
Feminist: Being catcalled is the same as being stoned to death, Youtube

Was ist zum Jahreswechsel in Köln passiert?
Sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16, Wikipedia
Übergriffe in Köln: Zahl der Anzeigen steigt auf mehr als 650, Spiegel Online
Zweite Anzeige wegen Vergewaltigung nach Übergriffen an Silvester, Focus
„Die Polizei hat von Weitem zugeschaut…“, EMMA
„Sie waren wie eine Armee“ – Wie ein Türsteher die Horrornacht von Köln erlebte , T-Online
Kölner Polizei befürchtete sogar Tote in der Silvesternacht, Der Westen
Betroffene berichtet: „Ich habe die ganze Zeit nur geschrien“, Focus

Wie reagiert die Bevölkerung?
Grafik des Tages – Plötzlich wird nach „Pfefferspray“ gegoogelt, FAZ
Reaktion auf Silvesternacht: Antragsflut zum Kleinen Waffenschein in Köln, Spiegel Online

zum Thema Medienversagen:
Nach sexuellen Übergriffen in Köln: Medienversagen gefährdet den sozialen Frieden, The Huffington Post
Wir müssen mal reden, Spiegel Online
Wer zur Gewalt in Köln nicht gefragt ist, FAZ
Lügenzahl vom Oktoberfest, FAZ
Phoenix zur Gewalt in Köln – Nichts ist gutgegangen, FAZ
Berichterstattung zu Kölner Übergriffen: ZDF räumt „klare Fehleinschätzung“ ein, Spiegel Online
Köln: CSU sieht Erklärungsbedarf beim ZDF, Telepolis
Boris Palmer zu den Köln-Übergriffen – „Schweigen ist Gift für den Diskurs“, Cicero
Politiker schwiegen über Gewalt durch Nordafrikaner, Die Welt
Sie wollten das Volk nicht beunruhigen: Politiker haben Straftaten durch Nordafrikaner verschwiegen, The Huffington Post
„Wir haben doch alle die Tatsachen verschwiegen“, Rheinische Post
Kölner Silvester-Mob: Warum sollte Vergewaltigung verschwiegen werden?, Express

zum Thema Sexualstrafrecht:
Sexualstrafrecht, Wikipedia
Sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum – Rechtslage und Reformbedarf in Deutschland, Verfassungsblog
„Wir haben ein strenges Sexualstrafrecht“, Die Zeit
Sexmobs und Sexismus – Deutschland dreht durch!, Dr. Alexander Stevens, Cuncti
Sexualstrafrecht: Unschuldsvermutung wird zu Schuldzuweisung, Aranitas Gedanken

Blogs:
Zu den sexuellen Belästigungen am Kölner Bahnhof, Alles Evolution
#ausnahmslos, Alles Evolution
Das Polizei-Protokoll von Köln. Die Chronologie, Wahre Männer
„El-Taharrush“: Wer und was wirklich hinter dem „Silvester-Sex-Mob“ steckt, Wahre Männer
(Sexuelle) Gewalt verharmlosen – eine Anleitung in 5 Schritten, gleichheitunddifferenz
Wie Anne Wizorek sexuelle Gewalt verharmlost, man tau
Rant: Wie die Nicht-Berichterstattung über Übergriffe Frauen zum Schweigen bringt / Verharmlosung a la Anke Domscheit-Berg / Warum wird #ausnahmslos so hart getrollt?, asemann
Der cis-heteronormative weiße Mann, der grundsätzlich immer schuld ist, und die Realität, Drachenrose
Die besten feministischen Reaktionen zu Köln-Sylvester, uepsilonniks
Männer – potenzielle Vergewaltiger? / Der hat seinen Pipimatz gezeigt / Nur Erniedrigung von Frauen?, emannzer
Presseschau vom 12. Januar 2016 zur aktuellen feministischen Propaganda, Genderama
Vermischtes vom 5./6./7./8./9./12./13. (1)/13 (2)./15. Januar 2016, Genderama
Kurznachrichten vom 09./10./11./12./13./14./16./18./19.01.2015, Geschlechterallerlei

Die Folgen der falschen Toleranz, Alice Schwarzer
Die Übergriffe von Köln und die Scheinheiligkeit der neuen “Frauenrechtler”, Gedankensalat…
Die Welt war noch nie ein Paradies!, Nur Miria
Plötzlich. / Handlungsanweisungen. / Darum geht’s jetzt. / Männer sind …, erzaehlmirnix

Videos:
Aftermath of the #Cologne New Years Eve Attacks, Sargon of Akkad
Heute Show vom 22.01.2016, Fernsehkunst

Eine Weihnachtsgeschichte für ABs

Weihnachtsmann im Rentierschlitten

Es war einmal ein kleiner Junge, für den war Weihnachten das größte. Er glaubte fest an den Weihnachtsmann, denn die Erwachsenen hatten ihm einstimmig bestätigt, dass es ihn wirklich gibt. Sie schienen sich ihrer Sache so sicher zu sein, dass er nie auf die Idee kam, an der Richtigkeit deren Aussage zu zweifeln. Außerdem war diese Geschichte so schön, dass er sie einfach glauben wollte. Wie dunkel wäre denn die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe? Doch eines Tages kamen böse Buben, die ihm erzählten, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gebe und dass seine Eltern die Geschenke heimlich unter den Baum legten. Der Junge wollte ihnen nicht glauben, denn sie zerstörten seinen größten Traum. Doch die Buben legten Argumente vor, die plausibel klangen, ja, die Existenz eines Weihnachtsmanns sogar wissenschaftlich unmöglich machten. Dies stürzte den Jungen in eine tiefe Verzweiflung und ihm wurde gewahr, dass die Erwachsenen ihn getäuscht hatten. Er wurde wütend auf die Menschen, die ihn so lange belogen hatten. Und er begann selbst, anderen Kindern die Augen zu öffnen.

Als der Junge heranwuchs, kam die Zeit, da er sich in ein Mädchen verliebte. Für ihn war dieses Mädchen das größte, doch das Mädchen liebte einen anderen Jungen. Nicht irgend einen Jungen, sondern den Jungen, der „unseren Jungen“ täglich verprügelte. Irgendwann sah unser Junge, dass diese Liebe keine Chance hatte. Schweren Herzens gab er sie auf. Jahre gingen ins Land und der Junge verliebte sich erneut. Und wieder ereignete sich die gleiche Geschichte. Der Junge wurde wütend und traurig, und er fragte: Was kann ich tun, damit auch ich einmal geliebt werde? Und die Menschen antworteten ihm: Sei ganz beruhigt, eines Tages wird die Liebe auch dich finden. Für jeden Topf gibt es einen Deckel. Sei einfach du selbst. Vermeide, gezielt nach einer Frau zu suchen. Bleib, wie du bist. Tu, was dir Spaß macht. Liebe entsteht, wenn zwei Menschen, die für einander geschaffen wurden, aufeinander treffen. Wenn du die Richtige findest, kannst du gar nichts falsch machen. Ihr werdet wie von selbst zu einem Paar. Und der Junge glaubte ihre Geschichte, den die Menschen, die sie ihm erzählten, waren vertrauenerweckend, gesellschaftlich geachtet und selbst in festen Beziehungen. Außerdem war die Geschichte so schön, dass er sie einfach glauben wollte. Wie dunkel wäre denn die Welt, wenn die Liebe nicht einfach so – bedingungslos – entstünde, sondern durch fragwürdige Verführungstechniken erzeugt werden müsste! Doch so sehr er es sich auch wünschte – die Liebe fand er auf diese Weise nicht. Immer wieder fragte er nach, und immer wieder wurde er vertröstet: Wenn du an der Uni studierst, wenn du einen Beruf hast, wenn du ein eigenes Auto fährst, … wirst du leicht eine Freundin finden. Sei unbesorgt, auch für dich wurde eine passende Frau geschaffen. Eines Tages stieß er in den dunklen Ecken des Internets auf Berichte von Männern, die ähnliches erlebt hatten, und ganz andere Empfehlungen gaben. Es waren (scheinbar) böse Männer, die (scheinbar) den Sexismus verherrlichten. Viele von ihnen suchten gar nicht nach einer festen Freundin, wollten keine Familie gründen, sondern brüsteten sich mit SNLs und MLTRs. Angewidert wandte er sich von deren menschenverachtenden Praktiken ab. Doch gelegentlich überwand er seinen Ekel und las, was sie zu berichten hatten. Teilweise klangen ihre Aussagen plausibel, teilweise waren sie sogar wissenschaftlich belegt. Dies stürzte unseren Protagonisten in eine tiefe Verzweiflung, denn ihm wurde gewahr, dass die Gesellschaft ihn getäuscht hatte und er die besten Jahre seines Lebens unnötig in Einsamkeit verbracht hatte. Wut und Zorn erfassten den Mann, und er begann damit, die fragwürdigen Methoden selbst zu testen. Dies war keine einfache Aufgabe, denn seine unvorteilhaften Verhaltensmuster hatten sich über die Jahre zu tief in seinem Wesen verankert, als dass man sie einfach mit einem Handstreich wegwischen könnte. Doch es kam der Tag, an dem die beharrliche Arbeit sich bezahlt machte. Begeistert von der Wirksamkeit der Methoden begann er nun selbst, anderen Männern die Augen zu öffnen.

Erwachsen werden ist nicht schön. Es bedeutet, lieb gewonnene Märchen aufzugeben und eine unbequeme Realität zu akzeptieren. Menschen in Frage zu stellen, denen wir immer geglaubt haben. Überzeugungen zu verwerfen, die dem Leben Halt gegeben haben. Und trotzdem nicht zu verzweifeln, sondern die Schwierigkeiten beherzt und zuversichtlich anzugehen. Es ist ein Weg hin zu mehr Unabhängigkeit, Rationalität und Verantwortung, der oft von Rebellion, Wut und Zorn begleitet wird. Erwachsen werden ist alternativlos. Unsere Welt funktioniert nicht, wenn wir die Augen vor einer unschönen Realität verschließen, und uns auf das Schreiben von Wunschzetteln beschränken. Erwachsen werden ist ein lebenslanger Prozess. Er endet nicht, wenn wir aufhören, an den Weihnachtsmann zu glauben, nicht, wenn wir die Mechanismen der sexuellen Anziehung verstehen und nicht wenn wir ein bestimmtes Alter erreicht haben. Mögen wir alle die Kraft finden, auf diesem Weg beständig voranzuschreiten!

Um Missverständnisse zu vermeiden:
Ich will aus dir keinen misstrauischen, paranoiden Verschwörungstheoretiker machen. Der Knackpunkt dabei ist folgender: Der Paranoide fürchtet sich vor bösartigen, konspirativen Lügen. Die meisten Menschen lügen jedoch nicht, um Schaden zuzufügen, sondern um niemanden zu verletzen. Sie sind wie die Eltern, die ihrem Kind vom Weihnachtsmann erzählen. Diese gut gemeinten Lügen verhindern jedoch, dass du die nötigen Schritte unternimmst, um dich aus deinem AB-tum herauszuarbeiten. Und die Erkenntnis, dass du etwas tun musst, was die meisten Menschen nicht gut heißen würden, ist einer der ersten großen Schritte auf dem Weg zur Besserung. Nicht umsonst hat Château Heartiste das Motto „where pretty lies perish“, nicht umsonst ist die Pillenallegorie so beliebt in der Manosphäre.


Literatur:
The Catcher in the Rye, J. D. Salinger
Frauen wollen erwachsene Männer, Roland Kopp-Wichmann

Weblinks:
„Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann“, Die Welt
Es gibt gar keinen Weihnachtsmann!, TU Freiburg
Jahrzehntealte Lüge offenbart: Es gibt keinen Weihnachtsmann!, Wahrheiten.org
Ist das Christkind eine Lüge?, Süddeutsche Zeitung
Kinder-Glaube: Die schöne Lüge vom Weihnachtsmann, MOPO
Gibt es den Weihnachtsmann wirklich?, familie.de

Erwachsen werden, wikiHow
Volljährig, aber unreif, Süddeutsche Zeitung

Was soll ich schenken?

Weihnachten ist der Orgasmus des Kapitalismus

Anlässlich der anstehenden Feierlichkeiten zur Huldigung des Konsum-Gottes habe ich mal eine kleine Notiz zum Thema Geschenke verfasst.

Schenken ist needy, beta und nice-guy. Ein Geschenk zeigt der Frau nur, dass du dich so minderwertig fühlst, dass du meinst ihre Zuneigung durch großzügige Gaben erkaufen zu müssen. Asexuelle Geschenke zeigen ihr, dass du deine Sexualität vor ihr verbirgst. Als Geschenk zum Fest der Liebe genügt es vollkommen, wenn du ihr eine Ladung Sperma ins Gesicht spritzt. Wenn sie sich beschwert, reagierst du am besten mit einem frechen Spruch. Wenn du es nicht schaffst, eine Frau an dich zu binden, ohne ihr Geschenke zu kaufen, ist das ein Zeichen, dass du dringend an deiner Persönlichkeit arbeiten solltest. Korrekt?

Nein! Die obige Denkweise ist ein typisches Beispiel für falsch verstandenes Pick-up, für einen Übergang zum anderen Extrem (Überkompensation). Geschenke zum Geburtstag und zu Weihnachten sind Pflicht, weitere optionale Geschenk-Tage (gerne auch unangekündigte) können je nach Art der Beziehung sinnvoll sein. Wer mit seiner Partnerin ein Keine-Geschenke-Abkommen schließt, zeigt nur, dass ihm ein gewaltiges Stück an Sozialkompetenz fehlt.

Schenken ist alpha
Wer schenkt, tut zu einem gewissen Grad das Gleiche, wie jemand, der Frauen auf der Straße anquatscht. Er zeigt Interesse an einer Person, wird selbst aktiv um sie glücklich zu machen und geht ein gewisses Risiko ein, damit zu scheitern. Schenken ist jedoch keine Verführungstechnik. Geschenke gibt es nur für Frauen, mit denen du bereits Sex hast, die dich gut behandeln und mit denen du dir eine gemeinsame Zukunft vorstellen kannst.

Ein Alpha ist kein Geizhals und kein Bettler. Er hat kein Problem damit, auch mal ordentlich zu investieren, wenn es darum geht, sich und seinen Mitmenschen eine geile Zeit zu bescheren.

Der schenkende Beta
Das betahaftigste Geschenk, das man machen kann, ist Geld. Wer Geld schenkt, zeigt, dass er keine Ahnung hat, was dem/der Beschenkten Freude machen könnte und gleichzeitig, dass er zu needy ist, um in so einem Fall das Geschenk einfach ganz wegzulassen. Wenn du einer Frau Geld schenkst und danach noch mit ihr schlafen möchtest, ist das nichts anderes als Prostitution. Eine Stufe darüber liegt das unverhältnismäßige Geschenk: Ein Drink ausgeben, damit sie mit dir spricht, einen Blumenstrauß zum ersten Date mitbringen, ein Geburtstagsgeschenk, dass dreimal so teuer ist wie das, was sie dir geschenkt hat. Mit überbordenden Geschenken machst du ihr keine Freude, sondern zeigst nur deine Needyness.

Gründe fürs Schenken

  • Schenken macht glücklich
    Es ist einfach wunderschön, wenn es gelingt, den Geschmack einer Frau genau zu treffen. Wenn sie vor Freude in der Wohnung herumspringt, wenn sie weitererzählt, was sie Tolles bekommen hat, und man einfach spürt, dass sie sich wirklich von Herzen darüber freut. Unbezahlbar.
  • Schenken macht sexuell aktiv
    Gerade in längeren Beziehungen besteht die Gefahr, dass die Aktivitäten im Bett irgendwann nachlassen. Neben vielen anderen Gründen ist eine mögliche Ursache, dass die Frau sich nicht mehr begehrt fühlt, vielleicht weil du ihr nie was schenkst.
  • Schenken verbindet
    Geschenke erschaffen und archivieren gemeinsame Erlebnisse und machen eine Trennung unwahrscheinlicher.

Vorbereitung
Die Weichen für ein gutes Geschenk werden lange vor der Entscheidung für ein konkretes Objekt gestellt. Geschenke zeigen, wie gut du deine Freundin kennst, ob du weißt, was sie gerne trägt, welcher Schmuck ihr gefällt, was ihr Spaß macht, … Achte auf Hinweise dazu, hör ihr aufmerksam zu, stelle Fragen, die ihr dabei helfen, ihren Geschmack zu offenbaren.

Gute Geschenke

  • Die Klassiker: Blumen und Schmuck
    Klingt langweilig, ist teuer, aber unglaublich wirkungsvoll. Weil es den weiblichen Dekoriertrieb unmittelbar anspricht. Ich habe Frauen selten so glücklich gesehen, wie nach diesen Langweiler-Geschenken. (Und selten so unglücklich, wie wenn ich sie längere Zeit nicht damit bedacht habe.)
  • Ein gemeinsames Event
    Ein Geschenk, dass beiden Spaß macht. Es gibt unzählige Möglichkeiten: Ein Konzertbesuch, ein Wochenendtrip in eine andere Stadt, ein Fallschirmsprung, ein Kochkurs, …
  • Etwas Sexuelles (Unterwäsche, Sexspielzeug)
    Auch hier profitiert ihr beide, daher sehr empfehlenswert. Sieh aber zu, dass es nicht zu billig oder nuttig sondern edel und sinnlich wirkt.
  • Etwas Süßes
    Hiermit ist nichts Zuckerhaltiges und nichts (allzu) Kitschiges gemeint, sondern etwas, was Frauen dazu bewegt „och, wie süß!“ zu sagen. Typischerweise Abbildungen oder Nachbildungen von Wirbeltierbabys.
  • Ein eigenartiges Ding
    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das wirklich bei den Frauen gut ankommt. Ich hatte jedenfalls schon viel Spaß dabei, ein Objekt zu verschenken, dem man nicht unmittelbar ansieht, wozu man es verwenden könnte, und dann den ganzen Tag beim Versuch, dies zu ergründen, herumzualbern.
  • Ein Fotobuch / -kalender / …
    Ist etwas aufwendig, aber wenn die Frau es wert ist, kann man das schon mal machen. Bereitet viel Freude, da es gemeinsame Erlebnisse wieder in Erinnerung bringt.

Schlechte Geschenke

  • Etwas Selbstgemachtes
    Viele Frauen beklagen sich bitter darüber, dass sie nie etwas Selbstgemachtes zu bekommen. Trotzdem bleibt das ein Wunsch, den ich ihnen niemals erfüllen werde. Ganz einfach, weil ich nichts so sehr hasse wie zu malen, basteln, stricken oder töpfern. Und ehrlich gesagt kann ich mir auch nicht vorstellen, dass eine Frau beim Anblick einer selbst gehäkelten Wollmütze auf dem Gabentisch wirklich Freude empfindet – von der asexualisierenden Wirkung solcher Darreichungen mal ganz zu schweigen. (Umgekehrt finde ich es übrigens auch grausam, wenn die Frau versucht, ihren Mann mit Selbstgemachtem zu beglücken. Ich hab mal bei einem befreundetem Pärchen gesehen, dass die Frau dem Mann ein großes, hässliches Bild gemalt hat, dass dieser sich auch noch aufhängen musste. Entwürdigend!)
  • Etwas Praktisches
    Ich habe oft so ein inneres Bedürfnis, praktische Gegenstände zu verschenken. Vor allem, wenn sich jemand täglich mit einem halb defekten Gerät herumquält, möchte ich das Leid beenden und das Gerät durch ein funktionsfähiges ersetzen. Kommt leider bei Frauen nicht gut an.
  • Pärchen-Kitsch
    Liebesschlösser, Pärchenketten, Sternschnuppen, kitschige Bilder/Statuen/Kissen, ein Schlüssel zu ihrem Herzen, etwas Herzförmiges, … Die Welt ist voll von diesem Schmalz, und scheinbar gibt es Leute, die sowas kaufen. *schüttel* Wer den Weg zu ihrem Herz findet, hinterlässt dabei keine Schleimspur.
  • Pralinen
    Viele Frauen haben dazu ein zwiespältiges Verhältnis (einerseits lecker, andererseits dickmachend). Von daher: lieber nicht.

Die Semiotik des Schenkens
Frauen beurteilen Geschenke nicht (nur) nach ihrem praktischen Nutzen, dem unmittelbaren Spaßfaktor, etc., sondern betreiben meist eine eigenartige Hermeneutik. Eine Personenwage wird beispielsweise als „er findet mich dick“ interpretiert, und sollte deshalb niemals (nicht mal auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin) geschenkt werden. Ein Parfüm wird jedoch nicht als „er mag nicht, wie ich rieche“ gelesen, und eignet sich gut als Geschenk für die Freundin. Für Blumen und Edelsteine gibt es dezidierte Auslegungsanleitungen. Eine ansprechende Verpackung kann den Wert des Inhalts vervielfachen. Ein Wein, der vom nächsten Urlaubsziel stammt, schmeckt nach Urlaub und ist etwas ganz anderes als einfach nur ein Wein. Ein gemeinsames Wochenende kann augepeppt werden, indem du sie unangekündigt am Freitag „von der Arbeit entführst“. Ganz allgemein gesprochen erzählt ein gutes Geschenk eine kleine Geschichte, und ist kein isolierter Brocken, den du ihr so vor die Füße wirfst

Sie heult rum, weil ihr die Geschenke nicht genug waren (Weibliches Entitlement)
Mach ihr klar, dass sie, nur weil sie mit dir schläft, noch lange keinen Anspruch auf Geschenke hat. Sag ihr, dass sie nicht brav war und deshalb nicht mehr verdient hat. Vermeide es auf jeden Fall, ihre Ansprüche als berechtigt anzuerkennen, denn dann kannst du nur verlieren.

Warum schenken wir überhaupt?
Schenken ist ein in den meisten Kulturen weit verbreitetes Ritual. Es hat in der Regel nichts mit Altruismus oder Umverteilung zu tun, sondern ist eher mit einem Tauschgeschäft vergleichbar: Wer etwas schenkt, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann etwas zurück geschenkt. Es ist jedoch ein Tausch, bei dem wir nicht genau wissen, was wir bekommen, und folglich auch oft etwas erhalten, was wir gar nicht wollen. Warum also tun wir das? Warum kaufen wir uns nicht einfach selbst das, was wir brauchen?

  • Vertrauen
    Wer etwas schenkt, zeigt, dass er zu einem Tauschgeschäft mit nicht explizit formulierten Konditionen bereit ist. Er zeigt Vertrauen, dass seine Großzügigkeit eines Tages erwiedert werden wird. Er würde dem Beschenkten wohl auch im Kampf gegen Feinde beistehen oder während einer Hungersnot seine Nahrung teilen, ohne eine unmittelbare Gegenleistung auszuhandeln. Man kann Geschenke also als „Costly Signal“ (kostspieliges Signal) für Beistand in Notlagen interpretieren. Insofern hat Schenken einen unmittelbaren evolutionären Nutzen.
  • Empathie
    Es ist allgemein in zwischenmenschlichen Beziehungen und insbesondere in romantischen Paarbeziehungen für den Erfolg der Beziehung von großem Wert, sich in den Partner hinein versetzen zu können, die Vorlieben des Partners korrekt einschätzen zu können, ohne jedes mal explizit danach fragen zu müssen. Durch ein Geschenk zeigt man, wie sehr es einem gelingt, „blind“ zu erraten, was dem Partner wohl gefällt. Das Ergebnis dieses Tests gibt Aufschlüsse über die Qualität der Beziehung.

Wirtschaftliche Bedeutung
Es ist natürlich ein Segen für die Wirtschaft, dass die Menschen sich ständig gegenseitig Dinge kaufen, die sie gar nicht brauchen und nach der Übergabe direkt in den Müll werfen. Nicht auszumalen, was wäre, wenn sich jeder nur noch selbst die Sachen kaufte, die er wirklich haben möchte!

In diesem Sinne
Frohe Weihnachten!


Nachtrag:
Ein bisschen unsicher war ich schon, als ich diesen Post veröffentlichte. Im Gegensatz zu den meisten anderen Beiträgen stützt er sich nicht auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse und nicht mal auf umfangreiche Field Reports, sondern lediglich auf eine eher geringe Anzahl eigener Erfahrungen. Das Thema Geschenke wird ja leider von den meisten PUAs nicht behandelt. Erfreulicherweise war Weihnachten 2015 für mich ein voller Erfolg. Ein preiswertes Schmuckstück sowie ein paar andere Dinge, bei denen ich in erster Linie an mich gedacht habe, – alles in ansprechende Geschichten verpackt – haben bei meinem Schatz begeisterte Freude hervorgerufen. Die Zeiten, in denen ich viel Zeit und Geld in Geschenke, die letztlich nicht gefallen haben, investiert habe, scheinen endgültig vorbei zu sein.


Weblinks:
Eine besondere Gabe, Süddeutsche Zeitung
Wünsch dir was!, Süddeutsche Zeitung
Philosoph Quarch: Wieso wir schenken, migros magazin
Blumen verschenken: So machen Sie jede Frau glücklich, Der Berater
How Do Gift Exchanges Impact Your Relationship?, Psychology Today

Das Geschenk und der lange Weg – Eine kurze Geschichte, myMONK
Das leere Geschenk – eine kurze Geschichte, myMONK

The Unpalatable Truth About Giving Women Gifts, Chateau Heartiste
The Alpha Male Gifts That Women Love, Chateau Heartiste
Schlechte Geschenke und ihr Einfluss auf eine Beziehung, Alles Evolution
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Was soll ich meiner Freundin schenken?, Der Anna Code

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