Peter Altmaier

Peter Altmaier

Bildquelle: Olaf Kosinsky / Wikipedia

Es ist ja schon eine Weile her, aber gerade für ABs weiterhin interessant …

Was ist passiert?
Peter Altmaier hat im Juli 2012 der Bild am Sonntag ein Interview gegeben, in dem es zu folgendem Dialog kommt:

BamS: Warum findet man in den Archiven nichts von einer Partnerin?
Altmaier: Ich bin ein sehr geselliger und kommunikativer Mensch. Doch der liebe Gott hat es so gefügt, dass ich unverheiratet und allein durchs Leben gehe. Deshalb kann in den Archiven auch nichts über eine Beziehung stehen. Ich hadere nicht mit meinem Schicksal. Wenn es anders wäre, wäre ich längst verheiratet oder in einer festen Beziehung. Aber ich hatte und habe immer eine kleine Zahl guter Freunde, mit denen ich über alles reden kann. [Link]

Daraufhin befand Jan Feddersen in der taz, dass diese Antwort eine schwule Antwort sei und der Minister sich gefälligst als schwul zu outen habe. Der (lesbischen) Chefredakteurin Ines Pohl der taz ging das dann doch etwas zu weit, und sie nahm den Artikel wieder aus dem Netz. Das wiederum empörte die Schwulenplattform queer.de und führte zu einem allgemeinen Medienecho.

Ist er schwul?
Woran erkennt man einen ungeouteten Schwulen?*

  1. Am abgespreizte kleine Finger
  2. Am schwulen Blick
  3. An schwulen Formulierungen, die nur Homo-Experten wie Jan Feddersen „dechiffrieren“ können.
  4. Daran, dass er Sex mit Männern hat oder gerne hätte

Ich hätte ja auf Antwort D getippt, aber laut Feddersen und queer.de sollte C wohl korrekt sein. Jedenfalls machen sie keine Anstalten, irgendwelche Indizien, die auf D hindeuten, beizusteuern. (Natürlich kann man keinem Journalisten zumuten, Altmaier beim Sex zu beobachten, aber man hätte ja wenigstens einen Zeugen, der ihn mit einem Mann knutschend gesehen hat, oder der ihm einen Schwulenporno verkauft hat, etc. auftreiben können.)

Ganz ehrlich, die Beweislage für Altmaiers Homosexualität scheint mir doch arg dünn zu sein. Auch die Tatsache, dass er partnerlos ist, deutet eher auf Heterosexualität hin. Denn erstens haben Schwule es bei der Partnersuche deutlich leichter, und zweitens haben schwule Prominente, die es geheim halten wollen, in der Regel eine Alibi-Frau. Wie wärs, liebe Schwulen-Jäger, wenn ihr euch demnächst bei verheirateten Familienvätern umschaut und die Singles mit euren Verdächtigungen in Ruhe lasst?

Ist er asexuell?
Wenn Altmaier tatsächlich keine sexuellen Beziehungen hatte, könnte es ja sein, dass er asexuell ist. Es gibt jedoch statistische Argumente, die diesen Fall unwahrscheinlich erscheinen lassen: Der typische Asexuelle ist erstens weiblich und hat zweitens in verschiedenen sexuellen Beziehungen versucht, seinen Trieb zum Leben zu erwecken.

Außerdem hätte er doch vermutlich einfach gesagt „Ich bin asexuell“, wenn es das ist, was er uns mitteilen möchte. Vielleicht ist es also etwas, für das es keine allgemein bekannte (vielleicht nicht mal ihm selbst bekannte) Bezeichnung gibt?

Ist er vielleicht ein Absoluter Beginner?
Das ist die für mich plausibelste Lösung. Jeder seiner Sätze ist ein deutlicher Indikator für AB-tum. Gehen wir sie mal einzeln durch:

  • Der liebe Gott hat es so gefügt, dass ich allein durchs Leben gehe.
    Ein ganz typischer AB-Satz! Die meisten ABs suchen wie wild nach Gründen für ihr AB-tum und konzentrieren sich dabei meist auf Dinge, die sie (vermeintlich) nicht ändern können. Am beliebtesten ist wohl die Ursache Aussehen, gefolgt gefolgt von Zufall/Schicksal/der liebe Gott.
  • Ich hadere nicht mit meinem Schicksal.
    Wer seine Partnerlosigkeit als Schicksal empfindet ist m. E. ein Absoluter Beginner. Es ist ja nicht ganz unumstritten, wo genau man die Grenze zwischen AB-tum und Asexualität ziehen sollte. Ich sehe das so, dass jemand, der sich irgendwann mit dem Alleinsein abgefunden hat, klar zur Gruppe der ABs zu zählen ist, da das auslösende Ereignis ja seine unzureichenden Verführungsfähigkeiten waren.
  • Wenn es anders wäre, wäre ich längst verheiratet oder in einer festen Beziehung.
    Möööp … falsch! Gerade wenn man mit seinem Schicksal hadert ist es besonders schwer, einen Partner zu finden. Aber auch wieder typisch für ABs, in der Außendarstellung das Normalo-Märchen „Wer sucht, der findet“ in so plakativer Form zu reproduzieren.
  • Aber ich hatte und habe immer eine kleine Zahl guter Freunde, mit denen ich über alles reden kann.
    „Wenige gute Freunde“ ist typisch AB! Ein Alpha hat ein großes Netzwerk an unverbindlichen Bekanntschaften.

Als weiteres Indiz sei noch sein Aussehen erwähnt. Ich kenne keinen Politiker, dessen Aussehen von Frauen auch nur annähernd so gehässig kommentiert wird wie das von Altmaier. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er so etwas auch als Jugendlicher zu hören bekam und dadurch sein Selbstbewusstsein so stark gelitten hat, dass er für Frauen nicht mehr in Frage kam.

Vielleicht wird der eine oder andere Leser jetzt einwenden, dass Altmaier viel Macht und Geld hat und nach den gängigen Theorien sich vor Verehrerinnen kaum retten können müsste. Dem möchte ich entgegnen, dass die genannten Eigenschaften tatsächlich attraktivitätssteigernd wirken, dass diese jedoch dann erst dann zum Tragen kommen, wenn die Grundlagen der Verführung, bestehend aus sexueller Spannung und Mut zur sexuellen Eskalation, in ausreichendem Maße vorhanden sind. Wenn nicht, bleiben alle weiteren Faktoren wirkungslos.

Fazit
Altmaier ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein heterosexueller Absoluter Beginner. Er gibt an, nicht unter seiner Situation zu leiden. Eine Aussage, die ich einem Menschen, der viel Macht und genug Geld für Nutten hat, durchaus abnehmen kann. Genausogut könnte diese Angabe aber auch nur ein Saure-Trauben-Effekt gewesen sein. Er hat sich nicht dazu geäußert, ob er sich nicht manchmal doch nach einer Partnerin sehnt. Möglicherweise war diese Sehnsucht auch der Grund für sein AB-Outing – ein missglückter Versuch, die Damenwelt auf sich als potentiellen Partner aufmerksam zu machen.

Und was genau ist jetzt so schlimm daran, jemanden als schwul zu bezeichnen? Homosexualität ist doch nichts Schlechtes!
Daran ist gar nichts schlimm, solange er auch wirklich schwul ist. Wenn sich jemand aber öffentlich dazu bekennt, zeitlebens alleine zu leben und dann behauptet wird, er erzähle das „Märchen vom ewigen Junggesellen“, dann ist das für den Betroffenen natürlich schlimm! Ihm wird eine Lüge unterstellt, und er ist zudem in einer Situation, in der fast jede Äußerung als weiterer Beleg für seine Unehrlichkeit gewertet wird. Altmaier reagierte ganz zu Recht empört:

Die gleichen Leute, die sagen, ihr müsst uns als Schwule akzeptieren, haben ein Riesenproblem, zu akzeptieren, dass jemand alleine leben möchte. [Link]

Ich habe übrigens kein Problem damit, wenn die Homosexualität von Politikern thematisiert wird. (Solange man daraus keinen Anspruch auf ein öffentliches Outing konstruiert.) Aber man sollte dann bitte doch bei den Fakten bleiben. Ein Artikel über Altmaier könnte z.B. so aussehen:

Altmaier könnte Homo- oder Heterosexuell sein. Wir wissen es nicht. Wir haben schon verschiedene Leute gefragt, aber die wissen es auch nicht. Wir können die Frage hier nicht beantworten.

Oder wenn’s unbedingt sein muss (und er wirklich in einer Schwulenbar war), dann so:

Breaking News: ### HOMO-GERÜCHTE ### Altmaier in Schwulenbar gesichtet! Er hat mit Männern gesprochen!!!

Aber tut bitte nicht so, als sei seine Homosexualität ein allseits bekanntes Faktum!

 
* Eine Frage, die sich offenbar schon eine ganze Reihe anderer Menschen gestellt haben.


Siehe auch:
Coming Out als AB

Weblinks:
Der ewige Junggeselle Peter Altmaier und die Selbstzensur der „taz“, Stefan Niggemeier
Peter Altmaier als Sinnbild des glücklichen Singles?, ElitePartner
Zwischen Recht auf Privatsphäre und Diskretionstyrannei, newsroom
Üble Nachrede, Wie sich Unternehmen gegen Gerüchte wehren, Handelsblatt
Die Outing-Maschine, Cicero
Tabubruch! Welcher Tabubruch?, Jan Fleischhauer, Spiegel Online

Outing: Mist, Gay West
Unverheiratet und in der Politik? Homosexuell. Oder nicht?, Helga, Mädchenmannschaft
Dickes Pausenhofopfer, Samstag ist ein guter Tag
Peter Altmaier zum Ehrenmitglied ernennen, AB-Treff

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Ein Kommentar zu “Peter Altmaier

  1. Es ist zumindest nicht hilfreich für andere Leute, wenn ein Mann, der viele Jahre alleine durchs Leben geht, automatisch als „verdeckter Homosexueller“ einsortiert wird. Das bedeutet ja nichts anderes als: Wäre er heterosexuell, würde er irgendwann eine Frau finden. Für jeden, der alleine ist, bestätigt das noch weiter, wie „unnormal“ und „gescheitert“ er ist.

    Die Wahrheit ist doch: Eine Menge Leute leben heutzutage alleine, ob freiwillig oder unfreiwillig, nur offiziell oder auch inoffiziell, manchmal mit flüchtigen Kontakten oder ganz ohne.

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