Rezension: Models (Mark Manson)

Models

tl;dr
„Models“ ist ein beeindruckendes Buch, das dich die Dating-Welt mit anderen Augen sehen lässt. Aufgrund der vielen handwerklichen und inhaltlichen Fehler leider nicht für Anfänger geeignet.


Die zentrale Aussage Mansons ist es, dass dein Frauenerfolg durch den Grad deiner Ehrlichkeit determiniert wird. Er stößt damit ins gleiche Horn wie beispielsweise Maximilian Pütz. Dabei verwendet Manson einen recht weit gefassten Ehrlichkeitsbegriff, der jegliche Handlungen, die deine eigentlichen Wünsche verleugnen, als unehrlich definiert. Wenn du beispielsweise keinen Daumenring trägst, weil du dir noch nie Gedanken über Daumenringe gemacht hast oder weil dir Daumenringe schwul vorkommen, dann ist das unehrlich, weil du deine eigenen Bedürfnisse deiner Faulheit oder der sozialen Erwünschtheit hintan gestellt hast.

Weitere zentrale Begriffe sind Needyness (dt: Bedürftigkeit) und Vulnerabilität (dt: Verletzlichkeit). Während diese allgemeinsprachlich ähnliche Bedeutungen besizen, bezeichnen sie bei Manson Gegensätzliches. Needy ist nach Manson, wer mehr in die Meinung von Anderen über sich investiert als in seine eigene Meinung über sich selbst.* Dies wirkt auf Frauen maximal abschreckend. Vulnerabel ist, wer ohne Angst und Scham seine persönlichen Vorlieben zeigen kann.

Nach Manson gibt es drei zentrale Aspekte der Ehrlichkeit, denen er jeweils ein eigenes Kapitel widmet:

  • Honest Living
    Lebe ein spannendes Leben und suche Frauen, die zu deinem Lebensstil passen. Zieh dir was Schickes an, mach Kraftsport und arbeite an deinen Kommunikations-Skills.
  • Honest Action
    Überwinde deine Ansprechangst, indem du mit relativ einfachen Übungen beginnst (z. B. nach der Uhrzeit fragst), das sehr häufig wiederholst und den Schwierigkeitsgrad in ganz kleinen Schritten erhöhst. Steigere deine Motivation durch den Verzicht auf Pornographie.
  • Honest Communication
    Ein bunter Strauß von Ratschlägen zum Thema Kommunikation. Hier eine Auswahl der wichtigsten: Beim Flirten ist es egal was du sagst. Es zählt nur, wie es gemeint ist. Baue eine emotionale Verbindung auf. Schaffe Vertrauen, indem du ihr deine Verletzlichkeit zeigst. Sprecht über eure Leidenschaften und eure Träume. Sprich Frauen an, ohne sie zu erschrecken. Verwende keine ähs oder ähnliche Füllwörter. Vermeide es, Fragen zu stellen. Erzähle statt dessen von dir oder stelle Vermutungen über sie an. (sog. Cold-Reading, Bsp: “Where are you from?” translates to: “You look like a California girl.”) Weiter geht es mit Storytelling (Aufbau: Set-up, Conflict, Resolution), Rollenspielen, Spielen, Dating-Aktivitäten, IOIs, Kino, Küssen, eskalieren zum Sex, Erektionsstörungen.

Manson wird nicht müde, seine Weisheiten als bahnbrechende Neuheiten, die im krassen Gegensatz zum klassischen Pick-up stehen, anzupreisen. Doch wenn man sich mal die konkreten Handlungsanweisungen ansieht, die aus seinem Theoriegebäude folgen, stellt man fest, dass sie sich kaum von denen anderer PUAs unterscheiden. Wenn Mystery beispielsweise Frauen neckt, tut er das, um „attrachtion switches“ (dt: Anziehungsschalter) zu bedienen. Manson tut es, um zu polarisieren und somit schneller herauszufinden, ob die Frau zu der Gruppe der Frauen gehört, die mit ihm Sex haben möchten (ohne jedoch zu glauben sich dadurch attraktiver zu machen). Er nennt das effiziente, ehrliche Kommunikation. Der eingangs erwähnte Daumenring fällt bei Mystery unter Peacocking und dient dazu, höheren Wert zu signalisieren (DHV) und somit Anziehung zu erzeugen, bei Manson ist er Ausdruck eines ehrlichen Lebensstils. Mansons Denken bietet eine interessante, neue Sichtweise, die auch meine Weltsicht entscheidend mitgeprägt hat. Aber von einem technischen Standpunkt aus betrachtet ist es letztlich nur alter Wein in neuen Schläuchen. Oder wie der PUA sagen würde: Ein Reframing der altbekannten Theorie. (Wahrscheinlich mit dem Ziel, etwas sozial erwünschter rüberzukommen.)

Der größte praktische Nutzen von Mansons Ratgeber liegt jedoch weniger in der Theorie, sondern vielmehr in der schieren Menge an konkreten Tipps zu allen Lebensbereichen. Ob Mode, Fitness, Ernährung, Körpersprache, Stimme, Gesprächstechniken, Ängste überwinden, Humor oder Charme – Manson hat zu allem ein paar wirklich hilfreiche Ratschläge parat.

Leider gelingt es dem Autor nicht, den Ansprüchen, die er an den Leser stellt, selbst gerecht zu werden. „Models“ ist eines der rechtschreibfehlerhaftesten Bücher, die ich je gelesen habe. So etwas ist vielleicht in einem frei zugänglichen Blog okay, aber nicht in einem Buch, für das Menschen Geld bezahlen. Und es ist nicht „ehrlich“ im Sinne des Autors.

Aber auch inhaltlich ist das Buch nicht immer geradlinig. Manson verstrickt sich immer wieder in Widersprüchen. Als Beispiel sei hier das Thema Frauen-Attraktivitätsskalen genannt.

Auf der einen Seite scheint es für ihn ein klares Attraktivitätsgefälle zu geben:

Being the Top 1% in physical appearance means that more or less 99% of the male population is going to be sexually interested and/or pursuing them in some way. (S. 164)

The Top 1% rarely ever settle for a man with a major flaw. (S. 165)

Models
(Der Titel des Buchs scheint klassische Attraktivitätsideale zu kolportieren. Oder warum sonst hat er sein Buch nicht „Weight Lifters„, „Sumo Wrestlers“ oder „Obese Single Moms“ genannt?)

auf der anderen Seite versucht er, genau diese Ansicht zu bekämpfen:

The ratings scale is toxic in so many ways, the worst of which is that it subtly stereotypes behavior based upon appearance. (S. 166)

The rating scale is a pedestal. The concept of “high value” is a pedestal. Coming up with special openers is a pedestal. Most PUA Theory is a pedestal. Believing you have to treat her differently in any way because of how she looks is a pedestal. (S. 168)

I recommend guys switch to a binary system of 1 or 0. A “1” is a woman you’d like to be with. A “0” is a woman you wouldn’t. (S. 169)

Oder wie der Volksmund sagt:
There are only two types of women - bangable and unbangable

Es gibt zwei Arten von Frauen – bumsbare und unbumsbare.

Das kann man aber auch ein bisschen netter formulieren! Picasso, mach du mal!
Bild

Es gibt zwei Arten von Frauen – Göttinnen und Fußabstreifer.

Den Spruch gibt es in vielen weiteren Variationen – übrigens auch für Männer:

(Man beachte, dass hier der linke Herr der Alpha und der rechte ein Beta ist, der sich mit einer nur leicht überdurchschnittlich attraktiven Frau zufrieden geben muss obwohl er als zukünftiger König Englands doch leicht hätte mehr herausholen können.)

Dieses 0-1-System ist ja nicht direkt falsch, aber auch nicht hinreichend granular um eine ehrliche, realitätsnahe Attraktivitäts-Einordnung zu ermöglichen. Zwischen der hasserfüllten, unästhetischen 300-kg-Frau und dem liebevollen, sexperimentierfreudigen Mädel mit dem perfekten Model-Körper gibt es so einiges an Zwischenstufen.
Aber selbst wenn jemand für sich die 10er-Skala ablehnt und auf individueller Ebene nur die 0-1-Skala verwendet, ist er doch immer noch mit dem Problem konfrontiert, dass auf globaler Ebene nicht alle Frauen gleich stark nachgefragt werden und somit nicht auf die gleiche Weise verführt werden können. (Denn den attraktiveren Frauen bleibt ja keine andere Wahl als den Großteil der Interessenten abzulehnen.) Somit profitiert auch er von der Verwendung der 10er-Skala. Natürlich kann man Frauen, mit denen man noch Sex haben möchte, nicht ihren Attraktivitätswert zurufen** – und verstößt damit gegen das Ehrlichkeitsmantra des Autors. Aber trotzdem kann man doch wenigstens zu sich selbst ehrlich sein und sich selbst eingestehen, worauf man wirklich scharf ist.

Was ist Mansons wichtigster Ratschlag für einen angehenden Verführer?

  • If there were a cure-all [for your problems with attracting and seducing women], it’d be physicality. (S. 298)
  • The single best advice I can give you if you wish to improve at anything is to take full responsibility and accountability of your results and your actions. (S. 227)
  • Overcoming your fear and anxiety probably has the greatest correlation with a man’s overall results with women. If he’s willing to approach 500 women in a week with no fear of rejection, eventually at least one of them is going to stick. (S. 130)
  • Fitness and fashion will do more [to] attract women in a shorter amount of time than anything else. (S. 173)

Auch hier fährt Manson keine gerade Linie. Irgendwie scheint alles das Wichtigste zu sein. Ehrlicher wäre es gewesen, zu schreiben, dass Partnerlosigkeit ein multifaktorielles Problem ist und dass es sehr schwer ist, unter den vielen ähnlich wichtigen Faktoren den einen wichtigsten auszuwählen.

Neben den Widersprüchen gibt es auch noch Aussagen, die zwar in sich konsistent, aber sachlich falsch sind. Als Beispiel sei hier das Dogma „Männer begehren attraktive Frauen, um gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen“ erwähnt. Was für ein Schwachsinn! Sexuelle Vorlieben sind uns genetisch/hormonell fest einprogrammiert. Und warum verwenden die meisten Männer noch gleich attraktive Frauen als Wichsvorlage? Welche der null anwesenden weiteren Personen wollen sie damit beeindrucken?

If you like big girls or curvy girls, go for it. If you prefer black girls with dreadlocks, more power to you. If you like older women or younger women, cool. Don’t pressure yourself to live up to someone else’s standard. (S. 98)

Stop approaching her to prove something to yourself. (S. 169)

Men tend to be all about the sexual stat-sheet and the high-fiving that comes along with it. (S. 266)

„I approach these women so that I can feel important. I want to have sex with hot girls to know that I’m valuable.“ (S. 122)
(angebliche Denkweise aller Männer, die immer abgewiesen werden)

Und wie ist das Verhältnis des Autors selbst zu seinen Frauen? Erzählt er uns, wie glücklich er mit seiner übergewichtigen Freundin mit den schiefen Zähnen ist? Und dass ihn die blöden Sprüche, die er jeden Tag zu hören bekommt, kein bisschen stören? Nicht ganz …

I’ve been with several models (two runway), a professional dancer, a cheerleader and a successful stage actress. I’ve been on dates with girls who have been approached 3-5 times while on the date with me. I’ve dated a girl who dated an NBA basketball player before me. I’ve dated girls who guys I didn’t know came up and gave me high fives while she was looking away. (S. 167)

Was für ein selbstgerechter Angeber! (Und übrigens, ein echter Alpha hätte das Mädel vernascht, bevor der NBA-Dödel es wund gevögelt hat.)

Zurück zu dir. Wenn es dein größter Wunsch ist, Sahnetorten in eine bewgungsunfähige Fett-Qualle hineinzuschaufeln, dann kannst du das natürlich gerne machen. (Warum man für diese offensichtliche Erkenntnis einen Ratgeber braucht, erschließt sich mir allerdings nicht.) Wenn du jedoch – wie die meisten Männer – nicht auf „big curvy girls“ stehst, dann gilt für dich folgendes:

  1. Du hast es bei der Partnersuche viel schwerer, als jemand, der auf mollige Frauen steht. Herzliches Beileid und willkommen im Club!
  2. Wenn du auf schlanke Frauen stehst, dann ist das eben so. Weder du noch noch die Medien oder die Gesellschaft können daran etwas ändern. Du kannst dich genauso wenig auf Dicke umpolen wie ein Schwuler sich auf Frauen umpolen kann.

 

* Auch wieder so eine Definition, die m. E. nicht ganz korrekt ist. Der typische Nerd investiert nur in sich selbst, hat uncoole Hobbys, Klamotten, etc. obwohl er weiß, dass das bei Frauen nicht gut ankommt, während der typische Proll sich die tiefer gelegte Karre mit Unterbodenbeleuchtung sehr wohl in dem Bewusstsein gekauft hat, bei den Weibern ordentlich Eindruck zu schinden. Und trotzdem wirkt der Nerd needy und der Proll nicht. Warum? Für mich ist needy, wer einen großen Wunsch hat, dem es aber trotz aller Anstrengungen nicht gelingt, diesen in die Realität umzusetzen. Nach dieser Definition ist der partnerlose Nerd needy und der Proll nicht.
** Das geht genauso wenig mit ihrem IQ, BMI oder ihrer Körbchengröße. (Außer du schaffst es, das irgendwie humorvoll zu verpacken.)


[MMM] Models: Attract Women Through Honesty, Mark Manson

Weblinks:
Konzepte: Mark Mansons Models vs. Lob des Sexismus, pickupforum
A Book in Review: Models by Mark Manson, Seddit

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s