Die Matrix der Triebe

Unter einem Trieb verstehe ich eine intrinsische Motivation, die einem weiten Spektrum an Verhaltensweisen zugrunde liegt. Die bekannteste Triebtheorie geht auf Sigmund Freud zurück. In der aktuellen psychologischen Forschung wird dem Begriff Motivation der Vorzug gegeben. Ich verwende dennoch die Bezeichnung „Trieb“, um näher an der Alltagssprache zu bleiben.

Die Triebtheorie ist der Schlüssel zum Verständnis geschlechtsspezifischen Verhaltens. Ich beschränke mich hier auf die Darstellung von Trieben mit klarem Geschlechtsdimorphismus. Triebe, die bei beiden Geschlechtern in gleicher Form auftreten (wie z.B. der Selbsterhaltungstrieb) werden hier nicht behandelt.

Der wichtigste und bekannteste Trieb des Menschen ist der Sexualtrieb. Er kommt bei Männern und Frauen vor, jedoch nicht in gleicher Intensität und Ausprägung. Daneben gibt es noch zwei männliche Triebe, den Spieltrieb und den Konkurrenztrieb, sowie zwei weibliche Triebe, den Dekoriertrieb und den Erziehungstrieb. Sie sind nicht originär sexuell, haben aber zum Teil starke Wechselwirkungen mit dem Sexualtrieb. Man kann die nicht sexuellen Triebe wie folgt in Matrixform darstellen:

eqn

Diese Triebe sind die Ursache für die ungleiche Geschlechterverteilung in vielen Berufen, z.B.:
Spieltrieb: Baggerfahrer, Programmierer, Physikprofessor
Konkurrenztrieb: Spitzenpositionen in den meisten Berufsfeldern (selbst in frauendominierten Bereichen)
Dekoriertrieb: Floristin, Kosmetikerin, Friseurin
Erziehungstrieb: Lehrerin, Kindergärtnerin

  • Der Sexualtrieb
    Viele verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Männer einen stärkeren sexuellen Trieb als Frauen haben. Laut einem Review von 2001 gibt es keine widersprechenden wissenschaftlichen Ergebnisse. [link] Heißt das, dass Frauen weniger/keinen Spaß am Sex haben? Nein, Frauen haben sogar mehr Spaß am Sex als Männer.* Der scheinbare Widerspruch zu den Forschungsergebnisse kommen durch folgende Effekte zustande:

    • Männer leiden stärker unter Sexlosigkeit als Frauen. Für viele MABs ist es ein riesen Problem, mit ihrem Sexualtrieb, den sie nicht ausleben können und vielleicht niemals ausleben werden, umzugehen. Manche versuchen, den Trieb medikamentös einzudämmen. Von weiblichen ABs habe ich sowas noch nie gehört. Frauen haben nicht den „Druck“, etwas zu unternehmen. Wenn es zum Sex kommt, haben sie Hochgefühle, die Männer sich nicht mal vorstellen können. Wenn es keinen Sex gibt, können sie normal weiterleben.
    • Befriediegende Sexualität besteht immer zu 50% aus Begehren und zu 50% aus Begehrtwerden. Männer fühlen sich bereits begehrt, wenn eine Frau sie ran lässt, ohne Geld dafür zu verlangen. Frauen fühlen sich erst begehrt, wenn es einem Mann gelingt, ihre Wiederstände zu überwinden. Frauen können ihren Trieb nicht so zeigen wie Männer. Wenn sie es täten, wäre der Sex nicht mehr so befriedigend für sie.

    Bei Männern ist der Sexualtrieb vor allem auf das Aussehen gerichtet. Was die anderen Leute von ihrer neuen Eroberung halten, ist erst mal zweitrangig. Frauen achten vor allem darauf, dass der neue Partner bei ihren Freunden vorzeigbar ist und selbst einen großen Freundeskreis hat. Die reine Optik ist für sie erst mal nachrangig. Dieser Umstand sorgt für viele Missverständnisse zwischen den Geschlechtern, z.B. denken viele MABs, ihr Misserfolg läge am Aussehen und viele Frauen glauben, Männer haben junge, hübsche Freundinnen, um andere zu beeindrucken.

  • Der Spieltrieb
    Unter „spielen“ verstehe ich hier die zweckfreie Beschäftigung mit einem Objekt. Dieses Objekt kann ein Computer, eine Modelleisenbahn, ein Quadrocopter, eine Münzsammlung, etc. sein.
    Der Spieltrieb ist ein rein männlicher Trieb. Um dich davon zu überzeugen, kannst du ja mal ein Lego-Technik-Spielzeug in eine gemischt-geschlechtliche Runde werfen. Die Männer werden mit Begeisterung damit zu spielen beginnen, während bei den Frauen der Erziehungstrieb durchkommt, und sie versuchen, durch abfällige Bemerkungen die Männer von ihrem Tun abzuhalten. Gibst du der Runde statt dessen ein weibliches Spielzeug, z.B. eine Barbie-Puppe, wirst du kein umgekehrtes Verhalten beobachten.
    Die Existenz eines Spieltriebs wird von den meisten PUAs geleugnet oder als reine Kompensationshandlung verschrieen.
    Der Spieltrieb ist ein für Frauen äußerst unattraktiver Trieb. Ein spielender Mann wirkt auf sie unreif und unmännlich. Wenn du Sex mit Frauen haben möchtest, geht das nur, wenn du deinen Spieltrieb zumindest partiell unterdrückst.
  • Der Konkurrenztrieb
    Die meisten Männer lieben es, mit anderen in Leistungskonkurrenz zu treten, sei es im Beruf, beim Sport oder in der Freizeit. Sie lieben es, in einer Rangordnung zu leben und ihren Rang offen zur schau zu tragen. Man kann das an vielen Beispielen beobachten. Z.B. sind die meisten männerdominierten Organisationen (wie z.B. das Militär oder die katholische Kirche) streng hierarchisch organisiert. Der Rang in diesen Organisationen ist sogar an der Kleidung erkenntlich. Das Interesse an sportlichen Wettkämpfen, insbesondere an Fußball, ist bei Männern ungleich größer. Die Konkurrenz zu Vereinen benachbarter Städte wird dort regelrecht kultiviert.
    Der männliche Konkurrenztrieb ist ein für Frauen äußerst attraktiver Trieb. Ein Mann, der aus einem Konkurrenzkampf siegreich hervorgeht, wirkt unabhängig von seinen sonstigen Eigenschaften auf Frauen begehrenswert. Männer, die es in einer Hierarchie ganz nach oben geschafft haben (z.B. Spitzensportler, -Schauspieler, -Musiker, -Politiker) haben meist keine Probleme, hübsche und teilweise deutlich jüngere Frauen für sich zu begeistern.
  • Der Dekoriertrieb
    Frauen lieben es, sich zu schminken und mit allerlei Schmuck und Accessoirs zu behängen, ihre Wohnung mit Zierkram zu verschönern, originelle Geschenkverpackungen zu erfinden, … Sie interessieren sich weit mehr für Mode, Schuhe und Frisuren als Männer. Für den Verführer kann die Kenntnis dieses Triebs bei der Wahl eines geeigneten Kompliments hilfreich sein, er hat für ihn aber nicht die zentrale Bedeutung wie der Erziehungstrieb.
  • Der Erziehungstrieb
    Der Erziehungstrieb ist ein Trieb, der darauf zielt, normativ auf seine Mitmenschen einzuwirken, sie zu belehren und zu optimieren. Neben dem hohen Frauenanteil in pädagogischen Berufen und Studiengängen gibt es viele weitere Belege für diesen Trieb. Feminismus und Vegetarismus sind z.B. zwei moderne Strömungen, innerhalb derer Frauen der Umerziehung der Welt frönen und ihre eigene Höherwertigkeit zelebrieren können. Der Erziehungstrieb ist eng verwandt mit dem männlichen Konkurrenztrieb. Jedoch konkurrieren die Frauen nicht um Leistungsüberlegenheit, sondern um moralische Überlegenheit. Man erkennt das an dem weiblichen Bedürfnis, sich als „bessere Menschen“ zu gerieren.
    Der Erziehungstrieb macht auch vor (potentiellen) Partnern nicht halt, sondern erfährt gerade dort seine intensivste Ausprägung. Man erkennt das z.B. daran, dass es für Frauen ein ganzes „Literaturgenre“ an Partnererziehungsliteratur gibt – für Männer jedoch kein derartiges Werk**:

    Der Erziehungstrieb ist ein paradoxer Trieb, d.h. er wird dann befriedigt, wenn er nicht erfüllt wird. Wenn der Mensch, den sie zu erziehen versucht, sich nicht erziehen lässt. Die wichtigste Lehre, die du aus der Pick-up-Theorie ziehen kannst, ist, dass du dich nicht dem weiblichen Erziehungstrieb unterwerfen darfst. Wenn du dich von Frauen erziehen lässt, macht das dich unglaublich unattraktiv. Wenn du dich in einer Beziehung erziehen lässt, machst du deine Partnerin zu tiefst unglücklich und zerstörst damit die Beziehung.

* Das ist nicht nur mein Eindruck, sondern auch der vieler PUAs, die sich zu dem Thema geäußert haben. Ein wissenschaftlicher Nachweis dieser Behauptung ist schwierig, da man „Spaß“ schlecht messen kann.
** Jedenfalls findet man sie nicht in seriösen Buchhandlungen. Im Internet gibt es mittlerweile auch solche Bücher. Meist haben sie einen Bezug zum SM.

Weblinks:
Positive Erfahrungen beim Zusammenleben mit einer Freundin, Alles Evolution
Enthält viele Beispiele zum weiblichen Dekoriertrieb. Z.B:

Oder in den Kommentaren:

Kann ich zumindest teilweise bestätigen. Diese Obsession mit Sauberkeit, Stoffen und Kleidung hat meine Frau auch, und manmchmal nervt mich das ziemlich. Ich habe vorher längere Zeit allein e gelebt und ich denke, meine Wohnung war auch sauber auf einem akzeptablen Niveau.

Andererseits ist unsere Wohnung jetzt viel schöner und gemütlicher, aufgrund ihres Gefühls für Dekoration; sie stellt halt einen Sessel und drei Töpfe mit Pflanzen um und es sieht plötzlich alles ganz anders und schöner aus als vorher.

Die zwei Betriebsmodi eines ABs

Der gemeine AB verfügt über zwei Betriebsmodi:

  1. Den Prahl-Modus: Er will der Welt zeigen, was für ein attraktiver, intelligenter, einfühlsamer Mann er ist. Er geht mit seinem Uni-Abschluss hausieren, verweist auf die Führungposition, die er inne hält, zeigt seinen muskelbepackten Oberkörper, spricht über die größe seines Gemächts, …
  2. Den Jammer-Modus: Er klagt über seine eigenen Unzulänglichkeiten, die Hoffnungslosigkeit seiner Lage, die Ungerechtigkeit der Welt, die Ansprüche der Frauen, …

Die beiden Modi mögen gegensätzlich erscheinen und haben doch die selbe Ursache: geringes Selbstwertgefühl. Häufig treten sie sogar gemeinsam auf: Der AB prahlt mit seinen Vorzügen und jammert, dass ihn trotzdem keine will.

Das Auftreten der beiden Modi ist eine natürliche Folge des AB-tums. Jeder AB sucht nach Gründen, warum ausgerechnet ihn keine will und beschäftigt sich ganz selbstverständlich mit seinen eigenen Vor- und Nachteilen. Wenn er sich aber zu seinen Vorzügen äußert, wird das als prahlen wahrgenommen. Und schon der geringste Hinweis auf eigene Nachteile macht ihn zum notorischen Jammerer.

Was kannst du als AB mit diesem Phänomen umgehen?

  • nach außen
    Beim Dating, aber auch sonst, gibt es nichts unattraktiveres als ein Gespräch darüber, was in deinem Leben nicht richtig läuft. Behalte deine Probleme für dich! Genauso schädlich ist eine Erörterung deiner Eignung als Partner. Werbe niemals einem Staubsaugervertreter gleich für eine Beziehung mit dir! Und wie macht man es dann? Die Lösung lautet: Scherzhaft prahlen! Damit zeigst du, dass du ein gesundes Selbstbewusstsein hast und gleichzeitig „dich selbst nicht so ernst nimmst“, wie Frauen immer so schön sagen. Scherzhaftes Jammern kannst du einsetzen, um Angriffe abzuwehren. Es zeigt, dass du dich nicht angegriffen fühlst, sondern einfach Spaß daran hast, mit den Äußerungen deiner Gesprächspartner zu spielen. Ohne konkreten Angriff solltest du aber nicht mal scherzhaft jammern.
  • nach innen
    Wenn man ein so massives Problem wie das AB-tum hat, kann man das nicht einfach weglächeln. Mach dir da selbst nichts vor! Und es ist ein gutes Zeichen, wenn du auf die (wenigen) Dinge, die in deinem Leben noch funktionieren, stolz sein kannst. Problematisch wird es nur, wenn du darüber die Motivation, dich zu verändern, verlierst. Auch wenn du bereits 1000 Mal gescheitert bist, versuche es trotzdem noch ein 1001. Mal! Versuche, dich auch über die kleinsten Fortschritte zu freuen, oder sie wenigstens wahrzunehmen! Und gib trotz allem niemals auf!

Der Fels und die Brandung

Viele Frauen wünschen sich einen Mann, der wie ein Fels in der Brandung ist. In der Tat ein sehr schönes Bild für das, was du werden solltest. Die Brandung ist eine launische Dame. Mal kommt sie mit kleinen, verspielten Kräuselwellen, mal kochend, schäumend und tobend mit Brechern, die bereit sind, alles zu verschlingen, was sich ihnen in den Weg stellt. Der Fels steht einfach nur da. Unbeeindruckt von allen Eskapaden der See. Er läuft dem Meer auch nicht nach, wenn es sich bei Ebbe zurückzieht. Du bist der Fels. Sie ist die Brandung. Begehe niemals den Fehler, diese natürliche Rollenverteilung umzukehren! Lass dich von ihren Gefühlswellen (positiven wie negativen) umspülen! Hüte dich davor, dich von Ihnen verbiegen zu lassen. Halte deine eigenen Gefühle unter Kontrolle. Insbesondere Gefühle in Bezug auf sie, sei es Liebe, Ärger, Bewunderung oder Verlustangst.

Wie bei jeder Regel gibt es auch hier eine Ausnahme: Der komplett gefühlskalte Eisklotz kommt bei den Frauen auch nicht so richtig an. Es gibt eine einzige legitime männliche Emotion, die da wäre: Spaß
Habe Spaß daran, Frauen auf der Straße anzuquatschen. Wenn sie dich abweist, habe Spaß daran, sie mit ihrem eigenen Spruch aufzuziehen. Wenn sie rumzickt, habe Spaß daran, ihre Emotionen aufzupeitschen.

Das Verbot männlicher Emotionen hat eine lange Tradition in allen Kulturkreisen der Welt. Erst vor wenigen Jahrzehnten wurde es aus dem Erziehungskanon der westlichen Welt gestrichen. Nichtsdestoweniger bildet es auch heute eine wichtige Grundlage eines erfolgreichen Lebens als Mann. Und intuitiv verhält sich die Mehrzahl der Menschen auch heute noch dementsprechend. Sieh dir z.B. mal die geschlechtsspezifischen Präferenzen für verschiedene Filmgenres* an: Frauen liegen bei Schnulzen und melodramatischen Filmen, die ein breites Gefühlsspektrum abbilden und zu empathischen Gefühlsäußerungen anregen („mitheulen“), vorne. Männer präferieren Actionfilme, die so gestrickt sind, dass selbst bei roher Gewalt keine Empathie mit den Opfern aufkommt.

Diese emotionale Geschlechtsdimorphismus existiert nicht ohne evolutionspsychologischen Grund. Wenn in der Steinzeit der Mann ohne Beute nach Hause kam und unter Tränen seiner Frau erklärte „Das Mammut konnte ich nicht jagen, weil es so groß und böse war. Und das Häschen nicht, weil es so klein und niedlich war, und mich mit großen Augen angeschaut hat“, dann bedeutete das für die ganze Familie den Tod. Solche emotional instabile Schmerzensmänner mussten Frauen um jeden Preis vermeiden.

Was kann man aber tun, wenn man anders fühlt, als man fühlen soll?

  1. verbergen
    Frei nach dem Motto: Fake it, till you make it.
    Schauspieler haben in der Regel deutlich weniger Probleme mit Frauen, als der Durchschnittsmann. Das liegt wohl auch daran, dass sie gelernt haben, wie man seine eigenen Gefühlsäußerungen kontrolliert und manipuliert. Lerne schauspielern, am besten in einer Schauspielgruppe. Zur Not kannst du auch versuchen, dir im Selbststudium etwas schauspielerisches Talent anzueignen.
  2. abstumpfen
    Es gehört zu den klassischen Ausbildungsinhalten jedes Pick-up-Programms, die männlichen Emotionen durch permanente Exponierung kontinuierlich abzustumpfen. Das beginnt mit dem abtrainieren der Korbempfindlichkeit und endet bei vielen in einem Zustand, in dem sie sich weder verlieben noch sonst irgendwas für Frauen empfinden können. Der Weg dahin ist steinig und das Ziel erscheint nicht lohnenswert. Mach dich trotzdem auf den Weg! Abstumpfen ist ein geringeres Übel als tief bewegt vor sich hin zu leiden.
  3. modifizieren
    Mit modifizieren meine ich, dass du direkten Einfluss auf deine Gefühlswelt nimmst. Sieh dir dazu das folgende Beispiel an:
    Du sitzt in einem Café und wartest jetzt schon 25 min auf dein Date. Was kannst du tun? Die Tränen unterdrücken, Mundwinkel ganz weit nach oben ziehen und immer daran denken, wie glücklich ein hungerndes afrikanisches Kind wäre, jetzt in diesem Café zu sitzen? Vergiss es! Jede Frau weiß, dass es dir weh tut, wenn sie dich versetzt. Und sie wird dich dafür noch mal bestrafen. Ein Teufelskreislauf. Deine einzige Chance ist es, jetzt schnell eine Andere zu organisieren. Wenn dein Date doch noch kommt, zeige, dass du Spaß hast. Zeige keinen Groll. Bitte sie einfach, sich dazu zu setzen, so als ob nichts geschehen wäre.

 

*
Vorlieben für Filmgenres nach Geschlecht
Who Watches What? : Assessing The Impact Of Gender And Personality On Film Preferences, Olivia Chausson, University of Cambridge


Weblinks:

  • Zitat aus einem auch insgesamt sehr interessantem Artikel:

    Therapeuten berichten, dass Frauen erst von ihrem Mann einfordern, Gefühle zu zeigen – und ihn genau dann verlassen, wenn er negative Gefühle, beispielsweise Depressionen, eingesteht. So haben diese Frauen sich das mit der Partnerschaft auf Augenhöhe dann nämlich doch nicht vorgestellt.

    Das geschwächte Geschlecht, Zeit Online   (Seite 4)

  • I desperately want an emotionally intelligent spouse who can converse intimately with me about our most vulnerable feelings. Except when I don’t. Sometimes what I really want is a fearless superhero who will walk through the house at four o’ clock in the morning and confront whatever strange noise I may have heard while I stand at the top of the stairs holding the phone.

    When my husband pointed all this out to me, I was stunned. Here I was championing the softer side of boys every day on my blog, but in real life I was often communicating a desire for the exact opposite. I was a classic case of saying one thing and doing another, but blissfully unaware of my hypocrisy.

    Tender and Tough: The Impossible Task We Give Our Men, The Good Men Project   (via)

  • Mittwochsrunde #27#, Wird man durch Pickup gefühlslos?, naturalnumbersgame

Literatur:
Eine interessante Studie, die meine These stützt:

Why Do Men Prefer Nice Women? Gender Typicality Mediates the Effect of Responsiveness on Perceived Attractiveness in Initial Acquaintanceships, Gurit E. Birnbaum et al., Pers Soc Psychol Bull., 2014  [Link]

Interessant auch, wie unterschiedlich und irreführend verkürzt die Presse diese Studie zusammenfasst. So schreibt die Süddeutsche aus männlicher Sicht „Kühl macht sexy“ während news.at die selbe Studie als „Einfühlsam macht sexy“ aus weiblicher Perspektive wiedergibt. Ein „Kühl macht Männer sexy“ oder „Einfühlsam macht Frauen sexy“ wäre der Studie eher gerecht geworden.

Körbe

Ich finde es äußerst hilfreich, ein realistisches Bild davon zu haben, wie Frauen einen ablehnen werden, wenn man sie anspricht. Ängste entstehen oft aus Unsicherheit. Wenn du die Unsicherheit bezüglich weiblicher Reaktionen auf dein Angequatsche reduzierst, kann das helfen, deine Ansprechangst in den Griff zu bekommen. Wenig hilfreich finde ich hingegen die üblichen Sprüche wie „Keine Angst, Frauen beißen nicht“. Es bringt nichts, jemanden der Angst hat, auch noch zu verspotten. (Nein, ich habe mich nie davor gefürchtet, sie könnte beißen. Das war vielmehr das Ziel meiner Bemühungen.)

Körbe fallen nach meiner Erfahrung in zwei Kategorien: Die mit ignorierendem und die mit feindseligem Charakter. Freundlich-aufrichtige Körbe sind so selten, dass ich sie hier vernachlässigen kann.

  • Der Ignorier-Korb
    Wenn ein AB sagt, „Frauen ignorieren mich“, dann kann das zweierlei heißen:

    1. Er erwartet, das Frauen ihn in irgendeiner Weise (z.B. durch Anlächeln, Zuzwinkern etc.) dazu einladen, sie anzusprechen. „Frauen behandeln mich wie ein Neutrum“ ist einer seiner Lieblingssprüche.
    2. Er kassiert viele Ignorier-Körbe. Darunter versteht man den Fall, dass eine Frau angesprochen wird und so tut, als hätte sie nichts gehört. Oder nur in ihrer Muttersprache antwortet, obwohl sie eben noch bewiesen hat, dass sie akzentfrei deutsch spricht. Auch wenn diese Reaktionen keine Beleidigung enthalten, können sie sehr verletzend sein, weil dich in die Rolle eines aufdringlichen Frauen-Belästgers drängen, dessen man sich nicht mit Argumenten, sondern nur mit wortloser Flucht erwehren kann.

    Wie reagierst du darauf? Indem du so tust, als ob sie dir geantwortet hätte. Sprich ruhig ein paar Minuten mit ihr. Vielleicht kommt irgendwann noch eine Reaktion. Eine zweite Möglichkeit ist, deinen Kommunikationswunsch zu bekräftigen. In dem du deinen Satz wiederholst, jetzt aber mit doppelter Lautstärke. Und in dem du dir klar machst, dass du als Mann das Recht hast, jede Frau der Welt anzusprechen. Ein weitere Trick ist es, Frauen da anzusprechen, wo sie nicht so einfach weglaufen können. Z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Schlange stehen, in einem Café, kurz nachdem ihr Getränk serviert wurde. Auch da gibt es keine Garantie auf eine Reaktion. (Ich hatte schon mal eine, die ihren frisch servierten Kaffee stehen ließ, nur um nicht mit mir sprechen zu müssen.) Aber in den meisten Fällen kannst du damit rechnen, dass sie wenigstens irgendwas sagt.

  • Der feindselige Korb
    Frauen können beim korben sehr kreativ und gehässig sein. Hier ein paar Beispiele, wie sie auf freundliches Ansprechen reagieren: (Alles aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz.)
    • Was willst du, Spast!!
    • Läufst du alleine hier rum? Ist ja creepy!
    • Hihihihihihi…. Du sprichst ja wie ein Mainzelmännchen.

    Die krassesten Sprüche kommen direkt nach dem ersten Ansprechen. Aber manchmal fallen die Körbe bei den anderen Eskalationsstufen auch etwas heftiger aus. Hier ein Beispiel einer Reaktion auf meine Frage nach einem Date, nachdem wir uns 10 min ganz nett unterhalten hatten:

    • WAAAAAS?? Ich mit DIR?! Äaaaah… ich glaube nicht, dass wir uns noch mal sehen wollen.

    Und wie reagierst du auf solche Brutalo-Körbe? Mit Schlagfertigkeit! Indem du ihr zeigst, dass du dich nicht im geringsten angegriffen fühlst, sondern viel mehr Spaß daran hast, ihre Abweisung in einen lustigen, nicht ganz ernst gemeinten Angriff gegen sie umzumünzen. Z. B. könntest du auf den Mainzelmännchen-Spruch reagieren, in dem du sagst: „Naja, wenigstens seh ich nicht so aus. Wo hast du denn die komische Mütze her? Gibt’s die im ZDF-Fanshop?“ Nimm ihre Mütze ab. „Na, wem gehört die? Anton oder Berti?“ Sie fordert kreischend ihre Mütze zurück. „Warte, einen Moment, ich habs gleich. Es war der … ähm …“
    Wahrscheinlich bist du aber nach solchen Sprüchen einfach nur traurig. Du willst für dich alleine sein. Die ganzen Abweisungen und Demütigungen, die du bisher erlebt hast, kommen wieder hoch. Mach dich deshalb nicht verrückt. Das ist ganz normal. Nimm dir die Zeit, die du brauchst. (Aber bitte nicht mehr, als du brauchst!)

Weblinks:
Ansprechen und die Körbe, Nur Miria

Mobbing

Es gibt einen Faktor, der AB-tum so gut vorhersagt wie kaum ein anderer: Mobbing. Es gibt kaum ABs, die frei von Mobbingerfahrungen sind. Viele wurden von ihren Mitschülern physisch und psychisch schwer mishandelt. Und das in einer Zeit, in der sich die eigene Sexualität gerade zu entwickeln beginnt. Dass das nicht ohne Folgen bleibt, verwundert nicht.

Zu den Schäden, die das jahrelange Mobbing hinterlassen hat, kommen dann die Patnerwahlkriterien der Frauen. Frauen wollen einen glücklichen, erfolgreichen, selbstbewussten Mann, einen Beschützer, eine starke Schulter zum anlehnen. Kein Mobbingopfer. Keinen Waschlappen, der abends weinend nach Hause kommt und erzählt, was sie ihm wieder Schlimmes angetan haben.

Und noch was: Es gibt einen tiefen strukturellen Zusammenhang zwischen Mobbing und Verführung. Flirten und mobben sind ein Ding. Flirten ist nett gemeintes Mobben. Und Mobbing ist ein bösartiger Flirt. Es ist sicher kein Zufall, dass Mobbing am häufigsten in der Altersklasse auftritt, in der die ersten Flirt-Erfahrungen gemacht werden. Viele junge Männer entwickeln die Fähigkeit des Flirtens und des Mobbens gleichzeitig und lernen erst später, zwischen beidem zu differenzieren. Wer gut mobben kann, kann in der Regel auch gut flirten. Erinner dich mal an deine Schulzeit! Vermutlich war es bei dir auch so, dass die fiesesten Mobber mit den hübschesten Mädchen nach Hause gegangen sind.

Mobbing ist ein zentrales Element im Pick-up. Männliche Attraktivität bemisst sich nach der Fähigkeit, geziehlt kleine Mobbing-Spitzen auszuteilen und umgekert weiblichem Mobbing zu parieren. Der evolutionäre Nutzen für Frauen ist es, Männer auszuwählen, die sich in einem Mobbing-Umfeld behaupten können.

  • Männliches Mobbing (im PU-Jargon C&F oder Neg) ist das scherzhafte Necken von Frauen. Es ist niemals ernst gemeint oder gar bösartig. Es ist ein Spiel, das nur funktioniert, wenn beide Spaß daran haben.
  • Weibliches Mobbing (im PU-Jargon Shit-Test, in schweren Fällen Drama) hat oft nicht das Ziel, Spaß zu generieren. Es dient meist dazu, zu testen, ob du dir den Spaß von ihr verderben lässt. Du reagierst darauf, indem du dich zunächst mal nicht angegriffen fühlst. Indem du sie nicht ernst nimmst. In dem du dich um Himmels Willen nicht auf eine argumentative Ebene mit ihr herablässt. Und dann münzt du ihren Angriff in einen lustigen Gegenangriff um. Sei nicht verbittert, habe Spaß daran! Wenn sie dich mit Liebesentzug straft, servierst du ihr eine doppelte Portion Liebesentzug an kochender Eifersucht, vom Feinsten. Habe Spaß daran, auf ihrem Date plötzlich mit der Kellnerin zu flirten. Genieße ihre Empörung! Weibliches Mobbing hat viele Gesichter: Google mal nach „shit test“, um einen Eindruck zu bekommen, was Frauen so an Gemeinheiten für dich parat haben.

Wann kann ich ihr meine Mobbing-Geschichte offenbaren?
Du wirst doch nicht ernsthaft so dumm sein, und deinem Date deine Mobbing-Geschichte auf die Nase binden?! Dein Ziel ist es, diese Dinge zeitlebens vor ihr geheim zu halten! Und das ist nicht so einfach, wie du vielleicht denkst. Frauen haben einen siebten Sinn zum Aussortieren von Mobbing-Opfern. Es ist sehr schwer, die Schäden, die durch jahrelanges Mobbing entstanden sind, vor ihnen zu verstecken. Du wirst dein verloren gegangenes Selbstwertgefühl langsam wieder aufbauen müssen. Das erfordert viel Zeit und Anstrengung, ist aber durchaus möglich, wenn du beharrlich daran arbeitest.

Was kann ich tun, wenn ich außerhalb von Flirtsituationen gemobbt werde?
Zunächst hängt das stark von der schwere des Mobbings ab. Hat jemand einen dummen Spruch über dein T-Shirt gemacht, oder haben sie dich gefesselt und deine Extremitäten zu Brei geschlagen? Bei leichtem bis mittlerem Mobbing gilt das gleiche wie beim Flirt-Mobbing: Nicht ernst nehmen, den Spieß umdrehen, drüber lachen (aber nicht einfach ignorieren!). Bei mittlerem bis schwerem Mobbing hilft nur noch Prävention. Sei ein Alpha-Mann! Habe viele starke Freunde, die dich im Notfall verteidigen! Zeige rechtzeitig, wo deine Grenzen sind! Lerne Selbstverteidigung!

 


Weblinks:
AB-Wiki über Mobbing
Diskussion über diesen Post auf „Alles Evolution“
Unterschiede im Bully-Sein und Aggressivität bei Mädchen und Jungs, Alles Evolution
Involuntary Sexual Virgins: The Latest Research, Psychology Today

Literatur:
Boislard, M.A., Poulin, F. & Zimmer-Gembeck, M. J. (2011, March). Childhood predictors of adulthood virginity: A 10-year prospective study. Poster session presented at the Eastern & Midcontinent Joint Region Conference of the Society for the Scientific Study of Sexuality, Philadelphia, PA.

Tucker Halpern, C., Waller, M.W., Spriggs, A., & Hallfors, D.D. (2006). Adolescent predictors of emerging adult sexual patterns [Electronic version]. Journal of Adolescent Health, 39(6), 926.e1 – 926.e10.

Ansprechangst

Die meisten Männer haben Angst davor, fremde Frauen anzusprechen. Das ist völlig normal, es spricht nur niemand darüber. Bei ABs ist diese Angst vermutlich noch ein Stück größer als bei Normalos. Doch woher kommt diese Angst? Ich finde die Beschäftigung mit dieser Frage sehr hilfreich, um die eigentliche Ursache der Angst (die so gut wie nie das Ansprechen an sich ist) zu bekämpfen. Wenn du einige der folgenden Angst-Gründe bei dir wiedererkennst, solltest du dich diesen Ängsten gezielt stellen.

  • Angst vor Abweisung
    Spielt sicher eine Rolle, macht aber (bei mir jedenfalls) nur einen kleinen Teil aus. Abgewiesen werde ich ja auch, wenn ich sie nicht anspreche.
  • Angst vor einem eifersüchtigen Partner
    Wird häufig in der Pickup-Literatur erwähnt. Habe ich bei mir nicht im geringsten feststellen können. Ist letztlich unbegründet.
  • Anst vor Verachtung
    Das ist die Angst davor, wegen seines ungeschickten Verhaltens verspottet zu werden. Es ist eine begründete Angst. Du kannst quasi damit rechnen, dass es passiert. Du kannst ferner davon ausgehen, dass es schlimmer wird, als du befürchtet hast und dass es mehr weh tun wird, als du dachtest, Schmerzen empfinden zu können. Frauen besitzen ein ganzes Arsenal von psychischen Folterwrkzeugen, und sie wissen genau, wo sie dir am meisten weh tun können. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie schlimm es ist, hätte ich wohl nie eine Frau angesprochen.
    Lass dich trotz allem nicht abschrecken. Mach dir nicht zu viele Gedanken über Konsequenzen. Und sei darauf vorbereitet, dass sie nicht „nett“ zu dir ist. Lerne, Verachtung zu ertragen und irgendwann auch zu lieben. Fühle dich gut dabei. Verachtung ist ein Zeichen, dass du für sie kein asexuelles Wesen mehr bist. Verachtung ist das erste große Erfolgserlebnis, das du haben wirst.
  • Angst vor Rufschädigung
    Das ist die Angst, dass Verachtung ein permanenter Teil des Bewusstseins deines sozialen Umfeldes wird. Es ist die Angst, als notgeiler Triebtäter gebrandmarkt zu werden. Es ist eine weit verbreitete Angst. Die meisten Männer haben deutlich weniger Angst, eine Frau anzusprechen, wenn sie alleine sind, als wenn ein paar Kumpels dabei sind. (Vor allem, wenn das welche sind, die selbst nie eine Frau ansprechen würden.) Und es ist eine begründete Angst, eine reale Gefahr. Rufschädigung kann erhebliche negative Auswirkungen auf dein gesamtes Leben haben, nicht nur auf die Partnersuche. Gerade als AB bist du aufgrund deines unsicheren Verhaltens besonders gefährdet, Opfer einer feministischen Rufmordkampagne zu werden.
    Mach deine ersten Ansprechversuche am besten dort, wo du keine Rufschädigung fürchten musst. Fahre in eine andere Stadt, wo dich niemand kennt. Wenn du dort etwas besser geworden bist, machst du an deinem Wohnort weiter. Und ans Flirten unter Beobachtung deiner Freunde machst du dich erst, wenn du genügend Erfahrung gesammelt hast, um die Reaktionen der Frauen sicher einzuschätzen. Das Verführen von Frauen aus deinem Freundes- und Bekanntenkreis kannst du komplett streichen. Oder glaubst du ernsthaft, dass du, wenn du bei drei deiner Freundinnen abgeblitzt bist, bei der vierten noch den Hauch einer Chance hast?
  • Angst vor Cybermobbing

    Die Wahrscheinlichkeit, dass du in so einem Video auftauchst, ist zwar gering, die Folgen sind jedoch fatal. Ein Freundliches Hallo, das du einer Passantin zurufst, kann dich ein Leben lang zum perversen Sex-Monster machen, wenn du von wild gewordenen Feministinnen an den Online-Pranger gestellt wirst. Leider gibt es keine wirksamen Gegenmaßnamen, die dich davor schützen können. Es ist ein Restrisiko, das du selbst tragen musst, wenn du nicht alleine bleiben willst.
    (Anm: Maximilian Pütz hat einen interessanten Kommentar zu dem obigen Video aufgenommen.)
  • Angst vor Abnormalität
    Wenn ich in Schweiz wandern bin, habe ich nicht das geringste Problem, fremden Menschen ein freundliches „Grüezi“ zuzurufen. In einer deutschen Großstadt kostet das mich größte Überwindungen. Woran liegt das? Ich bin in beiden Fällen der gleiche Mensch, und die Anderen sind mir gleichermaßen fremd. Es liegt wohl daran, dass es in den schweizer Bergen normal ist, sich zu begrüßen und in der deutschen Großstadt nicht.
    Mit dem Frauen-Ansprechen verhält es sich ähnlich. Ich habe vielleicht drei mal in meinem Leben Männer gesehen, die Frauen auf der Straße angesprochen haben. (Und das, obwohl ich so gut wie jeden Tag das Haus verlasse.) Es fühlt sich einfach so verdammt falsch an, etwas zu tun, was sonst kein einziger Mensch tut.
    ABs sind in vieler Hinsicht abnormal. (Und haben wohl gerade deshalb besondere Angst vor Abnormalität.) Sie sind es alleine durch die Tatsache, dass sie noch keinen Sex hatten. Aber z.B. auch, weil sich viele hartnäckig weigern, Alkohol zu trinken. Oder weil sie auf einer Party als einzige traurig in der Ecke stehen, wärend die Mehrheit voll am Abspacken ist. Oder weil sie seltsame Hobbies haben. Viele sind auch auf der unterbewussten Ebene abnormal und werden von ihrer Umwelt binnen Sekunden als „irgendwie seltsam“ eingestuft. Abnormalität ist ein schwieriges Thema, da es extreme Attraktivität und extreme Unattraktivität implizieren kann. Nach meiner Erfahrung ist es hilfreich, einerseits Abnormalitäten abzulegen und gleichzeitig zu lernen, sich für eben diese Abnormalitäten nicht zu schämen, sondern vielmehr Spaß daran zu haben, sie aufzudecken. Wenn du offensive Abnormalität regelmäßig übst, kannst du diesem Ideal näher kommen. Wünsche z.B. den Leuten vor Weihnachten „Frohe Ostern“, bestelle ein Eis mit Senf und Pfeffer, etc. Habe Spaß dabei!
  • Angst vor Unauthentizität
    Diese ganzen Sprüche lösen möglicherweise ein starkes Unbehagen bei dir aus. Es ist überhaupt nicht deine Art, so was von dir zu geben. Das bist einfach nicht du. Zwing dich trotzdem irgendwie dazu. Anfangs wirst du sehr unauthentisch und creepy wirken, mit viel Übung wird es vielleicht etwas besser.
  • Angst vor Aufdringlichkeit
    Damit meine ich die Angst davor, selbst aufdringlich zu sein. Die Angst davor, Frauen zu etwas zu drängen, was sie nicht wirklich wollen.
    Mach dir bewusst, dass Frauen, es dir sehr deutlich mitteilen werden, wenn sie etwas nicht wollen. Und dass „nichts tun“ die maximale Form der Zustimmung ist, die du erwarten kannst.
  • Angst vor der eigenen Sexualität
    „Der wollte mich ficken!“ Ein Satz, der mich geprägt hat. Geäußert von Frauen, die mit ihrem letzten Flirt unzufrieden waren. Als Ausdruck höchster Verachtung. Und ich lernte: „Männliche Sexualität ist etwas böses. Lass Frauen niemals wissen, dass du sie sexuell begehrst.“
    Wenn eine Frau von einem Mann ohne erkennbaren Grund angesprochen wird, dann weiß sie: Der macht das nur, weil er mich ficken will. Schäme dich nicht dafür! Es ist nicht verwerflich, Frauen ficken zu wollen. Sprich es aber auch nicht offen aus. Flirten ist ein Spiel mit versteckten Signalen.
    Wenn jemand sein Leben lang etwas geheim halten musste, dann macht das einen lockeren Umgang mit dem Thema nahezu unmöglich. Deshalb: Brich dein Schweigen. Sprich mit guten Freunden über deine Sexualität. Aber nur mit solchen, die deine Informationen vertraulich behandeln können. Sprich auch mit Fremden über sexuelle Themen. Frag die Verkäuferin im Supermarkt, wo die Kondome sind. Frag Passanten nach dem nächsten Sex-Shop. Geh da rein und lass dich beraten.
  • irrationale Angst
    Ein Teil der Angst ist immer irrational. Man kann sie nicht erklären und nicht wegdiskutieren. Man kann nur lernen, mit ihr umzugehen, indem man sich immer wieder zwingt, sie zu überwinden. Sie geht davon nicht weg, aber man bekommt irgendwann so etwas wie „Überwindungsroutine“.

All diese Ängste sind eng mit dem Thema Feminismus verwoben. Sie wurden nicht durch ihn ausgelöst, aber doch deutlich verstärkt. Ich schließe meinen Post mit einem feministischen Zitat, das diesen Zusammenhang verdeutlicht:

Gesellschaftlich müssen wir Menschen dafür sensibilisieren, dass Frauen etwa nicht einfach angesprochen werden wollen, bloß weil sie draußen herumlaufen.

Anne Wizorek, [Link]


Siehe auch:
Ansprechen

Weblinks:
PickUp: Ansprechangst, uepsilonniks
„Sexuelle Belästigung und Ansprechangst“, Genderama
4 Tipps um am Valentinstag deine Ansprechangst zu verlieren, Casanova Coaching
Gastartikel: Wie du Ansprechangst überwindest, Ladies Killer
Der Radius. Wie du ab heute im Alltag Deine Traumfrau ansprechen kannst., FlirtUniversity

7 Simple Things You Must Do To Get Over Approach Anxiety, PUA Training
How to Deal with Approach Anxiety, Psychology Today
How to Eliminate the Fear of Meeting Women AKA Approach Anxiety, wikiHow

Ansprechangst: Der Guide, wie man die Angst überwindet – immer, pickupforum
Vom Anfänger, für Anfänger (Ansprechangst überwinden), Pick Up Tipps
Ansprechangst überwinden, AB-Treff

Flirten lernen mit Goethe

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird’s Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

Johann Wolfgang von Goethe

Goethe, der alte Schwerenöter, hatte bekanntlich den Bogen raus bei den Frauen. Und er hat den wohl ersten Pick-up-Ratgeber für ABs geschrieben: Faust I. Leider haben die Germanisten des Pudels Kern bislang noch nicht so richtig auf dem Schirm. Lass mich dir die Handlung dieses putzigen Romans in moderner Sprache zusammenfassen:

Faust ist ein typischer AB. Verkopft, depressiv, suizidal:

Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält

Dafür ist mir auch alle Freud entrissen

O sähst du, voller Mondenschein,
Zum letzenmal auf meine Pein,

Nur mit Entsetzen wach ich morgens auf,
Ich möchte bittre Tränen weinen,
Den Tag zu sehn, der mir in seinem Lauf
Nicht einen Wunsch erfüllen wird, nicht einen

Und so ist mir das Dasein eine Last,
Der Tod erwünscht, das Leben mir verhaßt.

Er ist ein Mensch, der

weit entfernt von allem Schein,
Nur in der Wesen Tiefe trachtet.

Er ist ein Mann mittleren Alters:

Ich bin zu alt, um nur zu spielen,
Zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

Er hat Selbstwertprobleme und kommt verklemmt rüber:

Allein bei meinem langen Bart
Fehlt mir die leichte Lebensart.
Es wird mir der Versuch nicht glücken;
Ich wußte nie mich in die Welt zu schicken.
Vor andern fühl ich mich so klein;
Ich werde stets verlegen sein.

Seine Gedanken kreisen um typische AB-Themen. Z.B. den Wunsch, sein Leben gegen eine einzige Liebesnacht einzutauschen:

O selig der, dem er im Siegesglanze
Die blut’gen Lorbeern um die Schläfe windet,
Den er, nach rasch durchrastem Tanze,
In eines Mädchens Armen findet!
O wär ich vor des hohen Geistes Kraft
Entzückt, entseelt dahin gesunken!

Er trifft auf Mephistopheles, mit dem er einen Ent-AB-sierungs-Pakt schließt. Beachte, wie eng hier das Finden einer Partnerin an die Annäherung an das Böse geknüpft ist! Das Diabolische ist das Tor zur sexuellen Erlösung!

Mephistopheles regt eine Reihe von Entwicklungsschritten bei Faust an.

Er rät zu mehr Selbstvertrauen:

Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben.

Er rät dazu, sich weniger Gedanken zu machen und mehr im „Hier und Jetzt“ zu leben:

Ich sag es dir: ein Kerl, der spekuliert,
Ist wie ein Tier, auf dürrer Heide
Von einem bösen Geist im Kreis herum geführt,
Und rings umher liegt schöne grüne Weide.

Er versucht, Fausts Depressionen zu bekämpfen und ihn unter Leute zu bringen:

Hör auf, mit deinem Gram zu spielen,
Der, wie ein Geier, dir am Leben frißt;
Die schlechteste Gesellschaft läßt dich fühlen,
Daß du ein Mensch mit Menschen bist.

Er rät ihm zu einem extravagentem Kleidungsstil (Peacocking):

In rotem, goldverbrämtem Kleide,
Das Mäntelchen von starrer Seide,
Die Hahnenfeder auf dem Hut,
Mit einem langen, spitzen Degen,
Und rate nun dir, kurz und gut,
Dergleichen gleichfalls anzulegen;
Damit du, losgebunden, frei,
Erfahrest, was das Leben sei.

Faust zeigt die für ABs typische Beratsungsresistenz:

In jedem Kleide werd ich wohl die Pein
Des engen Erdelebens fühlen.

Mir widersteht das tolle Zauberwesen!
Versprichst du mir, ich soll genesen
In diesem Wust von Raserei?

Das bin ich nicht gewöhnt, ich kann mich nicht bequemen

Warum denn just das alte Weib!

Er lässt sich letztendlich aber doch auf die Ratschläge ein.

Mephistopheles geht mit Faust in Auerbachs Keller und zeigt ihm, wie man als Fremder auf Menschen zugeht:

Ist es erlaubt, uns auch zu euch zu setzen?
Statt eines guten Trunks, den man nicht haben kann
Soll die Gesellschaft uns ergetzen.

Er zeigt ihm, wie man Menschen unterhält (z.B. mit Zaubertricks, einem klassischen Verführungswerkzeug). Er führt das Gespräch und wird somit schnell zum Alpha-Mann der Gruppe:

MEPHISTOPHELES:
Wenn ich nicht irrte, hörten wir
Geübte Stimmen Chorus singen?
Gewiß, Gesang muß trefflich hier
Von dieser Wölbung widerklingen!
FROSCH:
Seid Ihr wohrgar ein Virtuos?
MEPHISTOPHELES:
O nein! die Kraft ist schwach, allein die Lust ist groß.
ALTMAYER:
Gebt uns ein Lied!
MEPHISTOPHELES:
Wenn ihr begehrt, die Menge.

Mephistopheles lässt Faust einen Zaubertrank trinken, der sein Anspruchsniveau auf null absinken lässt:

Du siehst, mit diesem Trank im Leibe,
Bald Helenen in jedem Weibe.

Faust lernt seine Margarete durch Anquatschen auf der Straße (klassisches Street Game) kennen:

Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?

Margarete reagiert darauf mit einem Shittest*:

Bin weder Fräulein, weder schön,
Kann ungeleitet nach Hause gehn.

Faust lässt nicht locker und kriegt sie schließlich doch noch rum.

* Pick-up-Jargon für feindseliges Verhalten, mit dem Frauen Männer testen.

 


Literatur:
Faust. Eine Tragödie., Johann Wolfgang von Goethe
Die klassische Anmache: Tipps und Tricks aus der Weltliteratur, Bernhard Fritz
Kommentierte Auszüge daraus:

Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“ Auch der halsstarrigste Goethe-Verehrer wird einräumen müssen, dass dieser Einfall nicht das ist, was man gemeinhin „das Gelbe“ nennt. Sondern uns eher lehrt, wie es nicht geht.

Und selbst der verbohrteste Goethe-Hasser wird – sofern er sich auch nur ein bisschen mit Verführung auskennt – einräumen müssen, dass das so verkehrt nicht ist. Ein Opener muss (bzw. sollte) keine philosophischen Weißheiten enthalten, die man nach Tage langem grübeln erschlossen hat. Er ist einfach eine kleine, spontane Bemerkung, die zu einem Gespräch führt. Und diese Anforderung hat der Satz zweifelsfrei erfüllt.

Die Abfuhr folgt denn auch auf dem Fuße: „Bin weder Fräulein noch schön, kann ungeleitet nach Hause gehn.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Das ist keine Abfuhr, das ist ein Shittest. (Und noch dazu ein ganz harmloser.) Übersetzt aus dem Frauischen: Nach all den Weicheiern endlich mal ein Mann, der mich anspricht. Ich bin spitz wie Nachbars Lumpi. Aber bevor ich die Beine breit mache, will ich dir doch noch mal etwas auf den Zahn fühlen…

Der schlimme Fehler geht aus der Bühnenanweisung hervor: Sie macht sich los und ab. Er hat sie also auch noch gleich angefasst! Ihh!

Er hat genau das Richtige getan, so wie es im Pick-up gelehrt („Kino“) und wie es auch von der Wissenschsft bestätigt wird.

Erfolgsprognose: null

Warum schreibt Bernd Fritz über ein Buch, das er nicht zu Ende gelesen hat? Am Ende haben sie doch Sex! Also: Erfolgsprognose 100%.

Weblinks:
So funktioniert die klassische Anmache heute noch, Die Welt
Flirten wie Faust?, Fliegende Goethe-Blätter

Flirten wie Goethe, Facebook