Männergefühle und Feminismus

Ich habe hier ja schon mehrfach darüber geschrieben, dass es für Männer nicht immer sinnvoll ist, Gefühle – inbesondere Schwäche und Verletzlichkeit – zu zeigen. Vielleicht schreckt dich das etwas ab und du fühlst dich geneigt, statt der PUA-Bewegung dem Feminismus dein Vertrauen zu schenken. Möglicherweise fühlst du dich durch folgenden feministischen Aussagen dazu ermutigt, dem feministischen Lager dein Herz auszuschütten:

Rather than admitting faults or embracing vulnerability, men are told to “man up” or “stop being a p*ssy” in order to protect their precious masculinity. Feminism turns that idea of avoiding reflectiveness on its head. [Link]

[Feminism] allows you to feel however you want to damn well feel. Crying doesn’t make you less of a man. Feminism helps because it shows that even at your weakest moment, you are not a failure of a man for expressing how you feel. [Link]

I’m really genuinely disturbed by this idea that men can’t cry and that they can’t express themselves and talk about how they actually feel. I think that’s the saddest thing in the world. It’s what makes you human.

Emma Watson

Doch sei gewarnt! Feministinnen sind keine ehrlichen Menschen! Niemand hasst weinende Männer mehr als Feministinnen!

Denn wenn sie wirklich dafür wären, dass mehr Männer Gefühle zeigen, dann würden sie nicht genau das als Basis für ihren Spott benutzen:

I bathe in male tears

Nobody cares about your fragile masculinity

In einem „Nobody cares about your fragile masculinity“-T-Shirt für das Zeigen männlicher Verletzlichkeit zu werben ist in etwa so sinnvoll, wie in einem „Nobody cares about your raped body“-T-Shirt vergewaltigten Frauen zu helfen.

Sehr aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist auch das folgende Zitat:

Jetzt kommt ihr, frisch aus der Badewanne des Patriarchats, gecremt und gepudert, und wollt auch endlich mal traurig sein dürfen. Das ist toll. Alle sollen so viel fühlen, wie sie nur können. Aber. Ist euch aufgefallen, dass ihr die einzigen seid, die ihre großen und kleinen Traurigkeiten ungefiltert und unendlich oft in die Feministeria ballern? Wieso seid ihr der Ansicht, einen Raum wie den queer/feministischen Netzkosmos mit euren Whiteboyproblems beschäftigen zu müssen? Habt ihr mal darüber nachgedacht, dass ihr mit euren vielen Tränen Ressourcen fresst, die andere sowieso schon weniger zur Verfügung haben als ihr, weil sie nicht mit dem goldenen Panzer des weißen Dudes gerüstet sind? Wieso paradiert ihr euer Privileg in unsere Gesichter? Wie ihr diese Widersprüche löst, ist nicht mein Problem. Es ist eure Pflicht, um mal einen eher archaischen Begriff zu benutzen.

Alles Evolution

Letztlich sind sich diverse Gruppierungen relativ einig darin, ob sie Männergefühle sehen wollen. Sie unterscheiden sich nur in ihren Begründungen:

  • Traditionalist: Männer weinen nicht, weil das einfach unmännlich ist.
  • PUA: Männer weinen nicht, weil das beim Aufbau und Erhalt von glücklichen Beziehungen strategische Nachteile bringt.
  • Feminist: Männer weinen nicht, weil sie aufgrund ihrer ganzen Privilegien überhaupt kein Recht haben, traurig zu sein.

Du darfst also lediglich entscheiden, warum du nicht weinen wirst. Für mich ist da die PUA-Begründung der einzige akzeptable Ansatz.


Weblinks:
FeministInnen pro Männnergefühle:

FeministInnen kontra Männnergefühle:

  • Cem Özdemir, einer der beiden Vorsitzenden der feministischen Partei „Die Grünen“, äußert sich wie folgt in der taz:

    Diese Weinerlichkeit von Männern, die ein Problem mit starken Frauen haben, geht mir auf den Zeiger. […] Wie gesagt: Weinerliche Männer nerven mich.

  • Der Feminist Thomas Meinecke kommentiert das Thema im Spiegel:

    Die ganz miesen Typen gründen Männergruppen und sagen: Wir wollen auch mehr öffentlich weinen dürfen. Damit betreiben sie eine feindliche Übernahme des Feminismus und killen das Anliegen der Frauen.

    (via)

  • Das Ministerium für feministischen Opferkult alias „No Hate Speech DE“ hat Männern, die über ihre Probleme sprechen möchten, folgendes zu sagen:

    (via)

Kritik an der feministischen Doppelmoral:

  • Einem Mann allerdings Weinerlichkeit zu unterstellen, wenn er sich beklagt, ist eine eigenartige Form der Schmähung. Hatte es gerade eben nicht noch geheißen, Männer müssten insgesamt weicher werden und mehr Gefühle zulassen?

    Jan Fleischhauer im Spiegel (via)

  • Weil dieselben Leute, die fordern, Männer sollten ihre „toxische Männlichkeit“ ablegen und über ihre Gefühle sprechen, sich über „Male Tears“ beömmeln und spöttisch ein Foto der tränenverzerrten Grimasse James van der Beeks zeigen, um zu zeigen, wie lustig „jammernde“ Männer sind. Das Massenmobbing von „Qualitätsjournalisten“ gegen den „Zeit“-Redakteur Jens Jessen, sobald er über Verletzungen zu sprechen begann, hat ja nun auch jeder mitbekommen.

    Arne Hoffmann, Genderama

  • Lustigerweise kombiniert [Sibel Schick die Kritik an Männern, die ihre Gefühle unterdrücken] mit der Aufforderung, nicht zu heulen und diese Gefühle, dass man damit auch Männer an sich angreift, zu unterdrücken.

    Auch Anzeichen dafür, dass der Täter Gefühle unterdrückt hat, fehlen. Eher scheint er sich mit anderen im Internet zusammengeschlossen zu haben und gejammert zu haben, dass Frauen ihn nicht mögen und das alle gemein zu ihm sind. Er scheint hier eine Menge Gefühle ausgedrückt zu haben, eben negative.

    Alles Evolution

  • In einer Replik auf Jens Jessens Artikel „Der bedrohte Mann“ titelt die taz „Ganz großes Gejammer“. Wenn man als Feministin Männer zu Gefühlsausbrüchen motivieren möchte, wäre es ja vielleicht ganz sinnvoll, seine männlichen Gegner nicht immer als weinerliche Heulsusen zu bezeichnen, sondern vielleicht auch mal als gefühlskalten Klotz. Und doch bringen sie jedes mal wieder das Bild vom verweichlichten Mann. Lucas Schoppe schreibt dazu:

    Natürlich greifen Stokowski und Hecht, wie viele andere, auf ein reaktionäres Männerbild zurück. Was ein richtiger Mann ist, der jammert und flennt nicht, der hat und bietet jederzeit Halt, und dessen Ehre heißt Treue. Dass ein Mann – und sei es noch so verstiegen und unstrukturiert – über eigene Verunsicherungen, vielleicht gar über Leiderfahrungen schreibt, erregt hier immer wieder einen Widerwillen, der urtümlich, instinktiv und unreflektiert wirkt. Der Kern dieser feministischen Kritik an Jessen ist, dass der Autor eben kein richtiger Mann sei.

 

Auch Männer unter den Opfern, Spiegel
Kann Spuren von Gift enthalten, Zeit
Die Schmerzensmänner, Zeit

Make Men Cry More!, ABitOfBritt
„In Männer-Tränen baden“, ironische Männerfeindlichkeit und „Agree and Amplify“ – Male Tears, Alles Evolution
Jungs, bitte nicht den Feminismus mit euren Gefühlen stören, Alles Evolution
Geschlechtsunterschiede bei Gefühlen, Alles Evolution
Süddeutsche Zeitung zu den Problemen der Männer: „Mimimi“, Genderama

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4 Kommentare zu “Männergefühle und Feminismus

  1. Dies ist ein ausgezeichneter Blog. Unglaubig gut recherchiert.

    Ich bin Spanisch, lerne aber auch Deutsch, und ich habe es ein bisschen satt nur auf Englisch über dieses Thema zu lesen. Danke für deine Arbeit.

    Ich bin fast 30 und auch AB, obwohl mehr schuldig daran als anders, da ich aus einer völlig normalen Familie komme und als Teenager nicht viel gearbeitet habe, um etwas Erfahrung zu bekommen. Ich habe gehofft, Sex wurde man einfach irgendwie „bekommen“. Für uns Männer funktioniert das leider nicht.

    Ich wohne noch bei meinen Eltern, was natürlich Sachen erschwert, obwohl das in Spanien völlig normal ist (Jugendarbeitlosigkeit ist unglaubig hoch). Ich habe nicht-AB Freunde die es problemlos tun und Freundinnen haben.

    Ich habe trotzdem mehr Glück als andere Menschen in meiner Lage, weil ich den bezahlten Sex sehr befriedigend finde (nur sexuelle Krankheiten könnten ein Problem sein). Ich bin Einzelkind und allein zu sein gehört zur Normalität. Ich habe nie den Drang gehabt, Kinder oder eine Familie zu haben. Keine Angst, um „auf ewig allein zu bleiben“, nur etwas Traurigkeit, dass meine sexuelle Entwicklung vernachlässigt habe.

    Letztendlich bin über das Thema Sexueller Deprivation fasziniert. Sex wurde ja nicht von Hollywood erfunden, aber ich vermute, das ein großer Teil des Leidens der sexuell deprivierte Menschen genau in den Medien seinen Ursprung hat. Leichte Pornographie ist heutzutage überall in der Werbung, Frauen tragen erregende Klamotten, Filme und Romane sind voller Sex. Wir erwarten das alles in unser Leben, und wenn es nicht auftacht, werden wir schwer frustriert. Sexlose in 1900 zu sein war glaube ich nicht so stressig.

    Ich möchte wissen, was du darüber denkst. In meiner Erfahrung, Sexlosigkeit ist vor allem peinlich weil ich weder Kino noch Literatur genießen kann, und ständig als ein Kind fühle; sonst finde ich keine andere Effekte.

    • Vielen Dank für das Kompliment!

      Dein Deutsch ist sehr gut. Falls hier jemand Kommentieren möchte, der sich in der deutschen Sprache nicht so sicher fühlt, kann dies gerne auch auf englisch tun.

      Ich denke auch, dass der soziale Druck, ab einem bestimmten Alter Sex haben zu müssen, vor 100 Jahren geringer war. Ich glaube aber auch, dass es schon immer ABs gab und dass es für die Betroffenen immer eine belastende Situation war.

      Die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien macht es dir natürlich nicht einfacher. Wenn verschiedene Effekte zusammen kommen, kann es sehr schwer werden, sich daraus zu befreien. Ich denke jedoch, dass es nicht viel bringt, lange darüber zu philosophieren, ob man zu einer anderen Zeit, in einem anderen Land, … es leichter gehabt hätte. Du bist in der Situation, in der du jetzt bist, und deine Aufgabe ist es, das Beste daraus zu machen. Ich wünsche dir viel Kraft dafür und alles Gute!

  2. Die Sorte Frau die da beschrieben wird ist persönlichkeitsgestört und es liegt am Manne darauf zu achten solche Personen zu meiden. Was die sagen und denken ist völlig irrelevant.

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