Versachlichung von Gefühlen

Eine der größten Herausforderungen für den angehenden Verführer ist es, sich nicht von seinen Gefühlen einschränken zu lassen – sei es Angst, Scham, Liebe, Wut, Verzweiflung oder Minderwertigkeitsgefühl. Und ein verbreiteter Anfängerfehler ist es, sich zu sehr auf das Erwerben von theoretischem Wissen zu konzentrieren, und die Überwindung der einschränkenden Emotionen dabei zu vernachlässigen. Eine der stärksten Techniken dazu ist die Versachlichung von Gefühlen. Damit ist gemeint, dass du deine Gefühle nicht in der „ersten Person“ erlebst, sondern sie in der „dritten Person“ von außen betrachtest. Dass du deine Emotionen wie ein Wissenschaftler aus der Außenperspektive untersuchst, getrieben vom Erkenntnisdrang statt von Lustgewinn und Leidvermeidung.

Ich halte es für äußerst hilfreich, beim Ansprechen und Flirten sich nicht in die eigene Emotionalität hineinzusteigern, sondern so weit wie möglich einen nüchtern-distanzierten Blick auf die Sache zu behalten. Statt von Liebe, Sex und Zärtlichkeiten zu träumen den Flirt als Datenerhebung im Dienste der Wissenschaft zu betrachten. Eine Sichtweise, die man z.B. auch bei liefner von naturalnumbersgame wiederfindet:

Es gibt zig Konzepte, die mich wirklich auch nachhaltig beeinflussen konnten und viel genutzt haben. Aber die absolute Nr.1 ist folgendes:
Nicht-Identifikation mit Emotionen und Gedanken

Die wichtigste Erkenntnis, naturalnumbersgame

Er beschreibt auch gut das „von Gefühlen beherrscht werden“, das mit der emotionalen Identifikation einhergeht (das ich hier schon einmal beschrieben hatte):

Damit einher gegangen ist auch immer ein Gefühl von Hilfslosigkeit. Wenn ich keinen Einfluss auf meine Emotionen habe, dann bin ich ihnen schließlich ausgeliefert.

Die emotionale Versachlichung. ist auch der Grund, warum ich die Lektüre von [Sprenger] jedem AB ans Herz lege. Die trockene, akademische Darstellung kann wahre Wunder bei der Entemotionalisierung deiner Gedankenwelt bewirken. Die gegenteilige Wirkung erzielst du, wenn du „My Twisted World“ von Elliot Rodger liest. Rodger emotionalisiert seine Gefühle in Bezug auf Frauen, er steigert sich immer weiter in seine Emotionen hinein, und so wird aus Frust Hass und aus Hass Mord.

Die Nich-Identifikation mit den eigenen Gefühlen zum Zweck der Rückgewinnung der Kontrolle über das eigene Leben ist auch ein zentrales Element diverser (vor allem buddhistisch inspirierter) Heilslehren. So schreibt z.B. der Trend-Guru Eckhart Tolle in „The Power of Now“:

As you listen to the thought, you feel a conscious presence – your deeper self – behind or underneath the thought, as it were. The thought then loses its power over you and quickly subsides, because you are no longer energizing the mind through identification with it. […] Mind, in the way I use the word, is not just thought. It includes your emotions as well as all unconscious mental-emotional reactive patterns. […] You can then allow the emotion to be there without being controlled by it.

Die Versachlichung von Gefühlen hat sich selbst in den denkbar schrecklichsten Extremsituationen als äußerst effektiv erwiesen. So schreibt z.B. der Psychologe Viktor Frankl über seine Erlebnisse im Konzentrationslager Auschwitz:

Neugierig waren wir, was nun alles geschehen würde und was die Folgen seien. Die Folgen z. B. davon, daß man, splitternackt und noch naß von der Brause, im Freien stehengelassen wird, in der Kälte des Spätherbstes. Und die Neugier wird in den nächsten Tagen von Überraschung abgelöst, z. B. von der Überraschung darüber, daß man eben keinen Schnupfen bekommt.

… trotzdem Ja zum Leben sagen

Wer, wenn nicht er, hätte das Recht gehabt, in seinem Leid aufzugehen. Aber er tut es nicht. Er identifiziert sich nicht mit seinen Emotionen, er versachlicht sie. Er konzentriert sich ganz auf seine wissenschaftliche Neugier. Und er überlebt.

Siehe auch:
Der Fels und die Brandung

Weblinks:
Emotionsregulation, Wikipedia (de)
Regulation of emotion, Wikipedia (en)
Detachment, Wikipedia (en)

Der Fels und die Brandung

Viele Frauen wünschen sich einen Mann, der wie ein Fels in der Brandung ist. In der Tat ein sehr schönes Bild für das, was du werden solltest. Die Brandung ist eine launische Dame. Mal kommt sie mit kleinen, verspielten Kräuselwellen, mal kochend, schäumend und tobend mit Brechern, die bereit sind, alles zu verschlingen, was sich ihnen in den Weg stellt. Der Fels steht einfach nur da. Unbeeindruckt von allen Eskapaden der See. Er läuft dem Meer auch nicht nach, wenn es sich bei Ebbe zurückzieht. Du bist der Fels. Sie ist die Brandung. Begehe niemals den Fehler, diese natürliche Rollenverteilung umzukehren! Lass dich von ihren Gefühlswellen (positiven wie negativen) umspülen! Hüte dich davor, dich von Ihnen verbiegen zu lassen. Halte deine eigenen Gefühle unter Kontrolle. Insbesondere Gefühle in Bezug auf sie, sei es Liebe, Ärger, Bewunderung oder Verlustangst.

Wie bei jeder Regel gibt es auch hier eine Ausnahme: Der komplett gefühlskalte Eisklotz kommt bei den Frauen auch nicht so richtig an. Es gibt eine einzige legitime männliche Emotion, die da wäre: Spaß
Habe Spaß daran, Frauen auf der Straße anzuquatschen. Wenn sie dich abweist, habe Spaß daran, sie mit ihrem eigenen Spruch aufzuziehen. Wenn sie rumzickt, habe Spaß daran, ihre Emotionen aufzupeitschen.

Das Verbot männlicher Emotionen hat eine lange Tradition in allen Kulturkreisen der Welt. Erst vor wenigen Jahrzehnten wurde es aus dem Erziehungskanon der westlichen Welt gestrichen. Nichtsdestoweniger bildet es auch heute eine wichtige Grundlage eines erfolgreichen Lebens als Mann. Und intuitiv verhält sich die Mehrzahl der Menschen auch heute noch dementsprechend. Sieh dir z.B. mal die geschlechtsspezifischen Präferenzen für verschiedene Filmgenres* an: Frauen liegen bei Schnulzen und melodramatischen Filmen, die ein breites Gefühlsspektrum abbilden und zu empathischen Gefühlsäußerungen anregen („mitheulen“), vorne. Männer präferieren Actionfilme, die so gestrickt sind, dass selbst bei roher Gewalt keine Empathie mit den Opfern aufkommt.

Diese emotionale Geschlechtsdimorphismus existiert nicht ohne evolutionspsychologischen Grund. Wenn in der Steinzeit der Mann ohne Beute nach Hause kam und unter Tränen seiner Frau erklärte „Das Mammut konnte ich nicht jagen, weil es so groß und böse war. Und das Häschen nicht, weil es so klein und niedlich war, und mich mit großen Augen angeschaut hat“, dann bedeutete das für die ganze Familie den Tod. Solche emotional instabile Schmerzensmänner mussten Frauen um jeden Preis vermeiden.

Was kann man aber tun, wenn man anders fühlt, als man fühlen soll?

  1. verbergen
    Frei nach dem Motto: Fake it, till you make it.
    Schauspieler haben in der Regel deutlich weniger Probleme mit Frauen, als der Durchschnittsmann. Das liegt wohl auch daran, dass sie gelernt haben, wie man seine eigenen Gefühlsäußerungen kontrolliert und manipuliert. Lerne schauspielern, am besten in einer Schauspielgruppe. Zur Not kannst du auch versuchen, dir im Selbststudium etwas schauspielerisches Talent anzueignen.
  2. abstumpfen
    Es gehört zu den klassischen Ausbildungsinhalten jedes Pick-up-Programms, die männlichen Emotionen durch permanente Exponierung kontinuierlich abzustumpfen. Das beginnt mit dem abtrainieren der Korbempfindlichkeit und endet bei vielen in einem Zustand, in dem sie sich weder verlieben noch sonst irgendwas für Frauen empfinden können. Der Weg dahin ist steinig und das Ziel erscheint nicht lohnenswert. Mach dich trotzdem auf den Weg! Abstumpfen ist ein geringeres Übel als tief bewegt vor sich hin zu leiden.
  3. modifizieren
    Mit modifizieren meine ich, dass du direkten Einfluss auf deine Gefühlswelt nimmst. Sieh dir dazu das folgende Beispiel an:
    Du sitzt in einem Café und wartest jetzt schon 25 min auf dein Date. Was kannst du tun? Die Tränen unterdrücken, Mundwinkel ganz weit nach oben ziehen und immer daran denken, wie glücklich ein hungerndes afrikanisches Kind wäre, jetzt in diesem Café zu sitzen? Vergiss es! Jede Frau weiß, dass es dir weh tut, wenn sie dich versetzt. Und sie wird dich dafür noch mal bestrafen. Ein Teufelskreislauf. Deine einzige Chance ist es, jetzt schnell eine Andere zu organisieren. Wenn dein Date doch noch kommt, zeige, dass du Spaß hast. Zeige keinen Groll. Bitte sie einfach, sich dazu zu setzen, so als ob nichts geschehen wäre.

 

*
Vorlieben für Filmgenres nach Geschlecht
Who Watches What? : Assessing The Impact Of Gender And Personality On Film Preferences, Olivia Chausson, University of Cambridge


Weblinks:

  • Zitat aus einem auch insgesamt sehr interessantem Artikel:

    Therapeuten berichten, dass Frauen erst von ihrem Mann einfordern, Gefühle zu zeigen – und ihn genau dann verlassen, wenn er negative Gefühle, beispielsweise Depressionen, eingesteht. So haben diese Frauen sich das mit der Partnerschaft auf Augenhöhe dann nämlich doch nicht vorgestellt.

    Das geschwächte Geschlecht, Zeit Online   (Seite 4)

  • I desperately want an emotionally intelligent spouse who can converse intimately with me about our most vulnerable feelings. Except when I don’t. Sometimes what I really want is a fearless superhero who will walk through the house at four o’ clock in the morning and confront whatever strange noise I may have heard while I stand at the top of the stairs holding the phone.

    When my husband pointed all this out to me, I was stunned. Here I was championing the softer side of boys every day on my blog, but in real life I was often communicating a desire for the exact opposite. I was a classic case of saying one thing and doing another, but blissfully unaware of my hypocrisy.

    Tender and Tough: The Impossible Task We Give Our Men, The Good Men Project   (via)

  • Mittwochsrunde #27#, Wird man durch Pickup gefühlslos?, naturalnumbersgame

Literatur:
Eine interessante Studie, die meine These stützt:

Why Do Men Prefer Nice Women? Gender Typicality Mediates the Effect of Responsiveness on Perceived Attractiveness in Initial Acquaintanceships, Gurit E. Birnbaum et al., Pers Soc Psychol Bull., 2014  [Link]

Interessant auch, wie unterschiedlich und irreführend verkürzt die Presse diese Studie zusammenfasst. So schreibt die Süddeutsche aus männlicher Sicht „Kühl macht sexy“ während news.at die selbe Studie als „Einfühlsam macht sexy“ aus weiblicher Perspektive wiedergibt. Ein „Kühl macht Männer sexy“ oder „Einfühlsam macht Frauen sexy“ wäre der Studie eher gerecht geworden.