Depressionen

Das eigentliche Schlimme am AB-tum ist meiner Meinung nach nicht der Verzicht auf Liebe, Sex und Zärtlichkeiten. Es ist die damit einhergehende tiefe Hoffnungslosigkeit, die schweren Depressionen, die Kraftlosigkeit, sich weiter durch ein scheinbar sinnloses Leben zu kämpfen. Depressionen sind unter ABs sehr weit verbreitet. Manche haben sie unabhängig vom AB-tum, und sind vielleicht wegen dieser Erkrankung AB geworden. Bei anderen wurde sie durch die vielen Abweisungen oder die ungewollte Sexlosigkeit* ausgelöst**. In jedem Fall entwickelt sich dabei ein Teufelskreis aus immer schlimmer werdenden Depressionen und immer geringerer Attraktivität für das andere Geschlecht.

Der Kampf gegen Depressionen ist kein leichter, in vielen Fällen sogar ein hoffnungsloser. Bei vielen ABs sind Depressionen durch die jahrzehntelange Einsamkeit ein fester Bestandteil der Persönlichkeit geworden. Erwarte nicht, jemals wirklich geheilt zu werden, sondern lerne mit der Krankheit als ständigem Begleiter zu leben. Versuche, sie als Teil deiner Selbst zu akzeptieren. Lerne, sie vor anderen Menschen zu verbergen, denn nichts ist abstoßender als Anzeichen einer Depression.

Sei experimentierfreudig, und beobachte genau, wie deine Depression auf verschiedene Einflüsse reagiert. Ich habe beobachtet, dass es sehr hilfreich sein kann, psychische Schmerzen mit physischen zu übertönen. (Oder mit physischer Erschöpfung, herbeigeführt durch Ausdauersport.) Ich glaube mittlerweile, dass der Mensch nicht für ein Leben ohne physische Schmerzen gemacht ist. Mit physischen Schmerzen kann man viel besser abschließen, wenn sie einmal überwunden sind. Sie sind darüber hinaus gesellschaftlich deutlich besser akzeptiert. Wenn du z.B. erzählst „Ich war in der Arktis und hab mir drei Zehen abgefrohren.“, bist du ein Held, wenn du aber sagst „Ich war drei Wochen zu Hause und hab nur geheult.“ bist du unten durch.

Viele ABs haben wegen ihrer Depressionen professionelle Hilfe (Psychotherapie, Antidepressiva) in Anspruch genommen. Die Meinungen dazu sind auch unter ABs geteilt. Ich sehe die Einnahme von Antidepressiva sehr kritisch, da sie den Sexualtrieb beschädigen. Und ein funktionierender Sexualtrieb ist Grundvoraussetzung für das Entstehen einer Beziehung, welche wiederum Voraussetzung ist, um langfristig glücklich zu werden. Auch von einer Psychotherapie würde ich keine Wunder erwarten. Die meisten Therapeuthen wissen nicht einmal, dass es so etwas wie ABs gibt.*** Und haben selbstverständlich auch keine passende Therapie für das ihnen bislang unbekannte Phänomen.

* Sensorische Deprivation ist gemeinhin als schwere Folter anerkannt und wird mit einer erheblichen psychischen Schädigung des Opfers in Verbindung gebracht. Ihre kleine Schwester, die sexuelle Deprivation wird hingegen von der Forschung vollkommen ignoriert. Die offenkundige Tatsache, dass diese schwere Depressionen auslöst, ist den meisten Forschern und Therapeuten nicht bewusst.

** Depressionen werden ja oft als ein vom AB-tum unabhängiges Phänomen dargestellt. Allenfalls wird die Depression als Ursache der Partnerlosigkeit akzeptiert. Der folgende Artikel gehört zu den wenigen, die umgekehrt Partnerlosigkeit als Ursache von Depressionen sehen:

Consider it this way. If you break your arm and then go into the emergency room, you don’t say, “I have pain-in-my-arm disorder”. The pain is the signal that there is the problem. Depression is a way the emotional system signals that things are not working and that one is not getting one’s relational needs met. If you are low on relational value in the key domains of family, friends, lovers, group and self, feeling depressed in this context is EXACTLY like feeling pain from a broken arm, feeling cold being outside in the cold, and feeling hungry after going 24 hours without food.

Anxiety and Depression Are Symptoms, Not Diseases, Psychology Today

Besprechung auf „my MONK“: Depressionen und Ängste sind Symptome, keine Krankheiten

*** Hier ein paar Beispiele für Erfahrungen, die ABs mit Therapeuten gemacht haben:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ärzte und Psychologen dieses Thema gern versuchen zu umschiffen. Eine Antwort haben die auch nicht. [Link]

Ich war drei Jahre lang aufgrund starker Depressionen und Suizidgedanken in einer Therapie. Allzu viel hat’s aber nicht gebracht. Wenn ich eines in meinem Leben gelernt habe, dann ist es folgender Grundsatz: Wenn du wirklich Hilfe brauchst – hilf dir selbst. Sonst wird das nichts. [Link]

Die Anfragen, welche ich da mal gemacht habe, haben einfach nur Verständnislosigkeit hervorgebracht:
„Wenn sie jetzt Drogen nehmen würden, arbeitslos wären oder Schulprobleme oder AIDS hätten, dann könnten wir helfen, aber dafür sind wir wohl nicht ausgerichtet“ – mehrfach. [Link]

Was macht man wenn man eine Depression hat? Natürlich, man unterzieht sich einer Therapie. Seit 3 Jahren laber ich einmal die Woche über meine Kindheit und die Beziehung zu meinen Eltern. Wem hilft sowas bitte? Ich glaube, dass Therapeuten und Psychologen das Problem massiv unterschätzen, aber das wurde in der Ab Szene ja schon oft festgestellt. […] Ich sehe meine Depression auch nicht wirklich als Krankheit sondern als natürliche Reaktion auf meine Lebenssituation. Ich finde es eher Krank, wenn einen das Ab-sein nicht stört. [Link]

Ok hab allen Mut zusammen genommen und gefragt, ob sie schon einmal etwas von einem Absolut Beginner gehört habe. Sie sah mich an, schüttelte den Kopf. Ich habe ihr erklärt, das seien Menschen, die noch nie eine Beziehung hatten. Sie fing an zu reden und meinte auf einmal, wie das mit meinem Freund/Mann wäre… ich sagte noch mal: ich hatte noch nie eine Beziehung. Sie meinte dann, ja aber früher, wie war das dann für sie…. Ich hab sie angelächelt und gesagt: ich hatte noch niemals einen Freund/Mann – keinen Sex, keinen Kuss überhaupt nichts. Und was macht sie? Sie lacht laut auf – ja sie sah mich an und fing erst mal an zu lachen – machte es sich in ihrem Stuhl bequem und lachte. Worauf ich sie fragte, ob sie mich nun auslache oder wie? Nein meinte sie, sie müsse halt nur lachen, aber das sei doch was besonderes. [Link]


Weblinks:
Wikipedia: Depression, Dysthymie

When Depression Is A Factor In Your Loneliness And Social Problems, Succeed Socially
How does one overcome depression and anxiety?, Quora

Involuntary celibacy contributes to depression and negative self-image, Georgia State University
Einige Antidepressiva können Gesundheitszustand verschlimmern, Spiegel Online
Sport hilft so gut wie Antidepressivum, Ärzte Zeitung
Tell Me About It: I’m a depressed virgin and I can’t get a girlfriend, The Irish Times

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s