Rezension: Models (Mark Manson)

Models

tl;dr
„Models“ ist ein beeindruckendes Buch, das dich die Dating-Welt mit anderen Augen sehen lässt. Aufgrund der vielen handwerklichen und inhaltlichen Fehler leider nicht für Anfänger geeignet.


Die zentrale Aussage Mansons ist es, dass dein Frauenerfolg durch den Grad deiner Ehrlichkeit determiniert wird. Er stößt damit ins gleiche Horn wie beispielsweise Maximilian Pütz. Dabei verwendet Manson einen recht weit gefassten Ehrlichkeitsbegriff, der jegliche Handlungen, die deine eigentlichen Wünsche verleugnen, als unehrlich definiert. Wenn du beispielsweise keinen Daumenring trägst, weil du dir noch nie Gedanken über Daumenringe gemacht hast oder weil dir Daumenringe schwul vorkommen, dann ist das unehrlich, weil du deine eigenen Bedürfnisse deiner Faulheit oder der sozialen Erwünschtheit hintan gestellt hast.

Weitere zentrale Begriffe sind Needyness (dt: Bedürftigkeit) und Vulnerabilität (dt: Verletzlichkeit). Während diese allgemeinsprachlich ähnliche Bedeutungen besizen, bezeichnen sie bei Manson Gegensätzliches. Needy ist nach Manson, wer mehr in die Meinung von Anderen über sich investiert als in seine eigene Meinung über sich selbst.* Dies wirkt auf Frauen maximal abschreckend. Vulnerabel ist, wer ohne Angst und Scham seine persönlichen Vorlieben zeigen kann.

Nach Manson gibt es drei zentrale Aspekte der Ehrlichkeit, denen er jeweils ein eigenes Kapitel widmet:

  • Honest Living
    Lebe ein spannendes Leben und suche Frauen, die zu deinem Lebensstil passen. Zieh dir was Schickes an, mach Kraftsport und arbeite an deinen Kommunikations-Skills.
  • Honest Action
    Überwinde deine Ansprechangst, indem du mit relativ einfachen Übungen beginnst (z. B. nach der Uhrzeit fragst), das sehr häufig wiederholst und den Schwierigkeitsgrad in ganz kleinen Schritten erhöhst. Steigere deine Motivation durch den Verzicht auf Pornographie.
  • Honest Communication
    Ein bunter Strauß von Ratschlägen zum Thema Kommunikation. Hier eine Auswahl der wichtigsten: Beim Flirten ist es egal was du sagst. Es zählt nur, wie es gemeint ist. Baue eine emotionale Verbindung auf. Schaffe Vertrauen, indem du ihr deine Verletzlichkeit zeigst. Sprecht über eure Leidenschaften und eure Träume. Sprich Frauen an, ohne sie zu erschrecken. Verwende keine ähs oder ähnliche Füllwörter. Vermeide es, Fragen zu stellen. Erzähle statt dessen von dir oder stelle Vermutungen über sie an. (sog. Cold-Reading, Bsp: “Where are you from?” translates to: “You look like a California girl.”) Weiter geht es mit Storytelling (Aufbau: Set-up, Conflict, Resolution), Rollenspielen, Spielen, Dating-Aktivitäten, IOIs, Kino, Küssen, eskalieren zum Sex, Erektionsstörungen.

Manson wird nicht müde, seine Weisheiten als bahnbrechende Neuheiten, die im krassen Gegensatz zum klassischen Pick-up stehen, anzupreisen. Doch wenn man sich mal die konkreten Handlungsanweisungen ansieht, die aus seinem Theoriegebäude folgen, stellt man fest, dass sie sich kaum von denen anderer PUAs unterscheiden. Wenn Mystery beispielsweise Frauen neckt, tut er das, um „attrachtion switches“ (dt: Anziehungsschalter) zu bedienen. Manson tut es, um zu polarisieren und somit schneller herauszufinden, ob die Frau zu der Gruppe der Frauen gehört, die mit ihm Sex haben möchten (ohne jedoch zu glauben sich dadurch attraktiver zu machen). Er nennt das effiziente, ehrliche Kommunikation. Der eingangs erwähnte Daumenring fällt bei Mystery unter Peacocking und dient dazu, höheren Wert zu signalisieren (DHV) und somit Anziehung zu erzeugen, bei Manson ist er Ausdruck eines ehrlichen Lebensstils. Mansons Denken bietet eine interessante, neue Sichtweise, die auch meine Weltsicht entscheidend mitgeprägt hat. Aber von einem technischen Standpunkt aus betrachtet ist es letztlich nur alter Wein in neuen Schläuchen. Oder wie der PUA sagen würde: Ein Reframing der altbekannten Theorie. (Wahrscheinlich mit dem Ziel, etwas sozial erwünschter rüberzukommen.)

Der größte praktische Nutzen von Mansons Ratgeber liegt jedoch weniger in der Theorie, sondern vielmehr in der schieren Menge an konkreten Tipps zu allen Lebensbereichen. Ob Mode, Fitness, Ernährung, Körpersprache, Stimme, Gesprächstechniken, Ängste überwinden, Humor oder Charme – Manson hat zu allem ein paar wirklich hilfreiche Ratschläge parat.

Leider gelingt es dem Autor nicht, den Ansprüchen, die er an den Leser stellt, selbst gerecht zu werden. „Models“ ist eines der rechtschreibfehlerhaftesten Bücher, die ich je gelesen habe. So etwas ist vielleicht in einem frei zugänglichen Blog okay, aber nicht in einem Buch, für das Menschen Geld bezahlen. Und es ist nicht „ehrlich“ im Sinne des Autors.

Aber auch inhaltlich ist das Buch nicht immer geradlinig. Manson verstrickt sich immer wieder in Widersprüchen. Als Beispiel sei hier das Thema Frauen-Attraktivitätsskalen genannt.

Auf der einen Seite scheint es für ihn ein klares Attraktivitätsgefälle zu geben:

Being the Top 1% in physical appearance means that more or less 99% of the male population is going to be sexually interested and/or pursuing them in some way. (S. 164)

The Top 1% rarely ever settle for a man with a major flaw. (S. 165)

Models
(Der Titel des Buchs scheint klassische Attraktivitätsideale zu kolportieren. Oder warum sonst hat er sein Buch nicht „Weight Lifters“, „Sumo Wrestlers“ oder „Obese Single Moms“ genannt?)

auf der anderen Seite versucht er, genau diese Ansicht zu bekämpfen:

The ratings scale is toxic in so many ways, the worst of which is that it subtly stereotypes behavior based upon appearance. (S. 166)

The rating scale is a pedestal. The concept of “high value” is a pedestal. Coming up with special openers is a pedestal. Most PUA Theory is a pedestal. Believing you have to treat her differently in any way because of how she looks is a pedestal. (S. 168)

I recommend guys switch to a binary system of 1 or 0. A “1” is a woman you’d like to be with. A “0” is a woman you wouldn’t. (S. 169)

Oder wie der Volksmund sagt:
There are only two types of women - bangable and unbangable

Es gibt zwei Arten von Frauen – bumsbare und unbumsbare.

Das kann man aber auch ein bisschen netter formulieren! Picasso, mach du mal!
There are only two types of women - goddesses and doormats.

Es gibt zwei Arten von Frauen – Göttinnen und Fußabstreifer.

Den Spruch gibt es in vielen weiteren Variationen – übrigens auch für Männer:

(Man beachte, dass hier der linke Herr der Alpha und der rechte ein Beta ist, der sich mit einer nur leicht überdurchschnittlich attraktiven Frau zufrieden geben muss obwohl er als zukünftiger König Englands doch leicht hätte mehr herausholen können.)

Dieses 0-1-System ist ja nicht direkt falsch, aber auch nicht hinreichend granular um eine ehrliche, realitätsnahe Attraktivitäts-Einordnung zu ermöglichen. Zwischen der hasserfüllten, unästhetischen 300-kg-Frau und dem liebevollen, sexperimentierfreudigen Mädel mit dem perfekten Model-Körper gibt es so einiges an Zwischenstufen.
Aber selbst wenn jemand für sich die 10er-Skala ablehnt und auf individueller Ebene nur die 0-1-Skala verwendet, ist er doch immer noch mit dem Problem konfrontiert, dass auf globaler Ebene nicht alle Frauen gleich stark nachgefragt werden und somit nicht auf die gleiche Weise verführt werden können. (Denn den attraktiveren Frauen bleibt ja keine andere Wahl als den Großteil der Interessenten abzulehnen.) Somit profitiert auch er von der Verwendung der 10er-Skala. Natürlich kann man Frauen, mit denen man noch Sex haben möchte, nicht ihren Attraktivitätswert zurufen** – und verstößt damit gegen das Ehrlichkeitsmantra des Autors. Aber trotzdem kann man doch wenigstens zu sich selbst ehrlich sein und sich selbst eingestehen, worauf man wirklich scharf ist.

Was ist Mansons wichtigster Ratschlag für einen angehenden Verführer?

  • If there were a cure-all [for your problems with attracting and seducing women], it’d be physicality. (S. 298)
  • The single best advice I can give you if you wish to improve at anything is to take full responsibility and accountability of your results and your actions. (S. 227)
  • Overcoming your fear and anxiety probably has the greatest correlation with a man’s overall results with women. If he’s willing to approach 500 women in a week with no fear of rejection, eventually at least one of them is going to stick. (S. 130)
  • Fitness and fashion will do more [to] attract women in a shorter amount of time than anything else. (S. 173)

Auch hier fährt Manson keine gerade Linie. Irgendwie scheint alles das Wichtigste zu sein. Ehrlicher wäre es gewesen, zu schreiben, dass Partnerlosigkeit ein multifaktorielles Problem ist und dass es sehr schwer ist, unter den vielen ähnlich wichtigen Faktoren den einen wichtigsten auszuwählen.

Neben den Widersprüchen gibt es auch noch Aussagen, die zwar in sich konsistent, aber sachlich falsch sind. Als Beispiel sei hier das Dogma „Männer begehren attraktive Frauen, um gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen“ erwähnt. Was für ein Schwachsinn! Sexuelle Vorlieben sind uns genetisch/hormonell fest einprogrammiert. Und warum verwenden die meisten Männer noch gleich attraktive Frauen als Wichsvorlage? Welche der null anwesenden weiteren Personen wollen sie damit beeindrucken?

If you like big girls or curvy girls, go for it. If you prefer black girls with dreadlocks, more power to you. If you like older women or younger women, cool. Don’t pressure yourself to live up to someone else’s standard. (S. 98)

Stop approaching her to prove something to yourself. (S. 169)

Men tend to be all about the sexual stat-sheet and the high-fiving that comes along with it. (S. 266)

„I approach these women so that I can feel important. I want to have sex with hot girls to know that I’m valuable.“ (S. 122)
(angebliche Denkweise aller Männer, die immer abgewiesen werden)

Und wie ist das Verhältnis des Autors selbst zu seinen Frauen? Erzählt er uns, wie glücklich er mit seiner übergewichtigen Freundin mit den schiefen Zähnen ist? Und dass ihn die blöden Sprüche, die er jeden Tag zu hören bekommt, kein bisschen stören? Nicht ganz …

I’ve been with several models (two runway), a professional dancer, a cheerleader and a successful stage actress. I’ve been on dates with girls who have been approached 3-5 times while on the date with me. I’ve dated a girl who dated an NBA basketball player before me. I’ve dated girls who guys I didn’t know came up and gave me high fives while she was looking away. (S. 167)

Was für ein selbstgerechter Angeber! (Und übrigens, ein echter Alpha hätte das Mädel vernascht, bevor der NBA-Dödel es wund gevögelt hat.)

Zurück zu dir. Wenn es dein größter Wunsch ist, Sahnetorten in eine bewgungsunfähige Fett-Qualle hineinzuschaufeln, dann kannst du das natürlich gerne machen. (Warum man für diese offensichtliche Erkenntnis einen Ratgeber braucht, erschließt sich mir allerdings nicht.) Wenn du jedoch – wie die meisten Männer – nicht auf „big curvy girls“ stehst, dann gilt für dich folgendes:

  1. Du hast es bei der Partnersuche viel schwerer, als jemand, der auf mollige Frauen steht. Herzliches Beileid und willkommen im Club!
  2. Wenn du auf schlanke Frauen stehst, dann ist das eben so. Weder du noch noch die Medien oder die Gesellschaft können daran etwas ändern. Du kannst dich genauso wenig auf Dicke umpolen wie ein Schwuler sich auf Frauen umpolen kann.

 

* Auch wieder so eine Definition, die m. E. nicht ganz korrekt ist. Der typische Nerd investiert nur in sich selbst, hat uncoole Hobbys, Klamotten, etc. obwohl er weiß, dass das bei Frauen nicht gut ankommt, während der typische Proll sich die tiefer gelegte Karre mit Unterbodenbeleuchtung sehr wohl in dem Bewusstsein gekauft hat, bei den Weibern ordentlich Eindruck zu schinden. Und trotzdem wirkt der Nerd needy und der Proll nicht. Warum? Für mich ist needy, wer einen großen Wunsch hat, dem es aber trotz aller Anstrengungen nicht gelingt, diesen in die Realität umzusetzen. Nach dieser Definition ist der partnerlose Nerd needy und der Proll nicht.
** Das geht genauso wenig mit ihrem IQ, BMI oder ihrer Körbchengröße. (Außer du schaffst es, das irgendwie humorvoll zu verpacken.)


[MMM] Models: Attract Women Through Honesty, Mark Manson

Weblinks:
Konzepte: Mark Mansons Models vs. Lob des Sexismus, pickupforum
A Book in Review: Models by Mark Manson, Seddit
Learnings from Models: Attract Women Through Honest by Mark Manson, The Red Pill, Reddit
How successful have you guys been after applying Mark Manson’s Models teachings in the real world?, Seddit
What is your opinion about Mark Manson’s book models?, Quora
Models: Attract Women Through Honesty Review, Alpha Male Mentality
Models – Attract Women Through Honesty (book review), The Changing Ways

[English]

Rezension: Lust auf FIKKEN? (amaryllis26)

Lust auf FIKKEN?

Realistische Einführung in die rauhe Welt des Online-Datings. Und ein Psychogramm weiblicher Anspruchshaltung.

Die Autorin distanziert sich vom Pick-up, predigt aber doch Pick-up in Reinkultur. Das Buch enthält die klassischen Pick-up-Weisheiten in Endlosschleife: Sei frech! Sei männlich! Sei erwachsen! Sei sexuell – aber nicht plump-sexuell! Übernimm die Initiative! …
Wenn du also Pick-up ablehnst und eine weibliche Meinung zum Thema Beziehungsanbahnung bevorzugst, dann ist das dein Buch.

Lass mich dir ein paar Zitate aus dem Buch vorstellen:

Es gibt eine Grundregel in Flirtportalen: Ihr Männer schreibt uns Frauen an. Und wir klicken uns abends durch die Zuschriften.

So viel zum Thema Gleichberechtigung im 21. Jahrhundert…

Ich wollte wissen, was Männer sich gefallen lassen. Antwort: Alles

Gut erkannt, Zuckerpüppchen! Aber warum ist das so? Es scheinen ja keine Einzelfälle zu sein. Könnte es vielleicht mit unserer feministischen Gesellschaftsordnung zusammenhängen? Könnte es sein, dass Männer, denen von klein auf eingetrichtert wird, dass sie minderwertige Perverslinge seien, kein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln können? Und hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wie unsere Gesellschaft wohl reagieren würde, wenn ein Mann (z.B. Rainer Brüderle) sich öffentlich darüber ausließe, was Frauen sich alles von ihm gefallen lassen. Merkste was?

In ihrem Profil schreiben sie „Ich kann gut zuhören. Was aber nicht heißt, dass ich immer Lust dazu habe.“ Oder: „Du solltest schon attraktiv sein. Das Auge isst mit.“
Es gibt Ratgeber dazu. Anscheinend hat sie keiner gelesen. Jedenfalls kein Mann.

Nein, Zuckerpüppchen! Die Männer haben zu gründlich gelesen. Und dann den Fehler gemacht, die Musterlösung für einen ansprechenden Profiltext aus [Pütz S.79f] wörtlich zu übernehmen.

Ist Online-Dating Resterampe? Die Autorin hat dem Thema ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem sie uns vom Gegenteil überzeugen will. Und dann bringt sie aber wieder sowas wie:

Nein, du bist hier, weil du dich nicht traust, mich im Supermarkt oder der Bahn anzusprechen!

Bist du ernsthaft der Meinung, die Männer kommen aus Feigheit und die Frauen, weil sie zu hübsch fürs Real-Life sind? Nein, Zuckerpüppchen! Jeder, der Online datet, kommt, weil er es offline nicht gebacken kriegt. Die Männer, weil sie keine Frauen ansprechen, und die Frauen, weil sie so unheiß sind, dass kein Mann Bock hat, sie anzusprechen. Oder mit den Worten eines Rezensenten:

Ihre Erfahrungen im Onlinedating in allen Ehren aber ihre Aussage, es sei keine Resterampe ist nur in wenigen Fällen zutreffend. [Link]

Weitere hilfreiche Zitate:

Die Idee, dass flirten etwas mit Kampf zu tun hat, ist den meisten Männern verloren gegangen.

Nimm nie zurück, was du gesagt hast, kein Kompliment, keinen Scherz.

Rechtfertige dich nicht dafür, wer, wie oder was du bist.

Wer Frauen alles recht macht, tut ihnen unrecht.

(Das letzte Zitat stammt aus „Lass uns Feinde bleiben“ von Sebastian Schnoy, die anderen drei sind von der Autorin selbst. Einen sehr lesenswerten Absatz aus dem Buch, der das erste und das letzte Zitat enthält, findet man hier.)

Fazit: Kuscheln ist böse. Ficken ist böse. Männer sind böse. (Jedenfalls die meisten.) Eine Haltung, mit der sie bei mir keine Sympathiepunkte gewinnt. Aber trotzdem eine Kaufempfehlung, weil sie realistisch beschreibt, wie das Online-Dating läuft.


[Fikken] Lust auf FIKKEN?, amaryllis26

Weblinks:
Ladenhüter sucht Traumfrau, Stern
So verrückt geht es beim Online-Dating zu, Bild
Lust auf Fikken? Erfahrungen aus 18 Monaten Online-Dating, Seitensprung-Fibel
„Lust auf Fikken“ – oder wie eine Frau Männer diffamiert, die liebe pur
„Lust auf Fikken?“, Treffpunkt18

Amaryllis26 – „Lust auf FIKKEN?“, Youtube
TV Total vom 12.11.2014, MySpass (18:28-30:30)

Rezension: Männliche Absolute Beginner (Robin Sprenger)

Männliche Absolute Beginner

„Männliche Absolute Beginner“ ist kein Ratgeber. Es ist eine wissenschaftliche Arbeit, die empirisch nach Gründen des AB-tums im Kommunikationsverhalten sucht. Trotz des wissenschaftlichen Anspruchs ist das Buch auch für Laien gut verständlich. Den nüchtern-sachlichen Schreibstil finde ich sehr hilfreich beim Aufbrechen einer durch Schuld- und Schamgefühle geprägten Sichtweise auf das eigene AB-tum. (Eine Sichtweise, die auch durch den mehr oder weniger vorwurfsvollen Ton vieler Ratgeber entstehen kann.) Auch wenn keine direkten Handlungsempfehlungen gegeben werden, finden sich indirekt einige nützliche Ansätze in der Arbeit.

Was ich an der Arbeit wirklich daneben finde, ist der Preis (ca. 50 Euro). Der Junge ist während der Erstellung vom Steuerzahler finanziert worden, hat obendrein noch einen Doktortitel bekommen, der für ihn weitere Mehreinnahmen generiert, und bittet dann den Steuerzahler ein zweites Mal zur Kasse, wenn dieser die mit seinem Geld erstellte Arbeit lesen möchte. Ich habe echt kein Problem damit, wenn jemand auf eigene Kosten Bücher schreibt, und dafür Geld verlangt. Aber öffentlich finanzierte Forschungsarbeiten sollten meiner Meinung nach zwangsweise gemeinfrei sein. Bezahlschranken sind zudem unwissenschaftlich, da sie den freien Wissenstransfer behindern. Zu seiner Verteidigung sei erwähnt, dass der Preis für derartige Publikationen durchaus marktüblich ist und dass der eigentliche Schuldige der Staat, der eine Gemeinfreiheit der durch ihn finanzierten Arbeiten nicht vorschreibt, ist.

Zuletzt möchte ich noch meinen größten Respekt den zehn mutigen Männern aussprechen, die als Absolute Beginner an dieser Studie teilgenommen haben. Die sich wie ein Zootier ausstellen gelassen haben (noch dazu in einer so intimen Situation wie beim Flirten) und sich von Frauen ob ihrer Andersartigkeit verspotten* lassen haben. Die ihre Würde geopfert haben, um der Wissenschaft zu dienen. Danke!

* Jedenfalls lässt das folgende Zitat dies vermuten:

Absolute Beginner wurden [von den Beobachterinnen] meist mit Männern in fester Partnerschaft verglichen. Die Möglichkeit, das kommunikative Anbahnungsverhalten von Männern in der Gruppe zu diskutieren, barg für die Frauen oft einen so hohen Unterhaltungswert, dass die Gespräche z.T. bis zu zwei Stunden andauerten.


[Sprenger] Männliche Absolute Beginner: Ein kommunikationswissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung von Partnerlosigkeit (Robin Sprenger)

Weblinks:
Interview mit Robin Sprenger über seine neue Studie “Männliche Absolute Beginner”, Und wer küsst mich?
Männliche Absolute Beginner Dissertation, AB-Treff
Mangelnde Beherrschung effektiver Kommunikationstechniken, AB-introspektiv

Rezension: Und wer küsst mich? (Maja Roedenbeck)

Und wer küsst mich?

UWKM ist ein Buch für alle ABs – für Männer und Frauen, für junge und alte, zufriedene und deprimierte, für motivierte und frustrierte, für solche, die an der Partnerlosigkeit an sich und solche, die an der damit verbundenen gesellschaftlichen Stigmatisierung leiden, für solche, die bereit sind, bei der Partnersuche alles zu geben und solche, die sich mit ihrer Situation abgefunden haben. Darüber hinaus ist es ein Buch für Freunde, Verwandte, Partner, Therapeuten, … von (Ex-)ABs. Es ist das erste und bislang einzige Buch dieser Art.

UWKM hat einen anderen Fokus als dieser Blog. Es ist kein Flirtratgeber, und will es auch nicht sein. Roedenbecks Verdienst ist es, die Absoluten Beginner selbst zu Wort kommen zu lassen – und nicht der Versuchung zu erliegen, als nicht Betroffene sich Lösungsvorschläge auszudenken. Sie schreibt dir nicht vor, wie du leben sollst, aber sie macht dir auch nicht den Druck, den du vielleicht brauchst, um dich endlich zu ändern. Es gibt ein Kapitel mit Ratschlägen (die alle von Ex-ABs stammen), in dem nicht nur die Partnersuche, sondern auch das Akzeptieren der Situation, so wie sie nun einmal ist, behandelt wird. Sehr empfehlenswert finde ich auch die 10 Tipps, die auf der Website zum Buch zu finden sind.


[UWKM] Und wer küsst mich? Absolute Beginners – Wenn die Liebe auf sich warten lässt (Maja Roedenbeck)

Weblinks:
Webseite und Facebook zum Buch
Buchbesprechung „Und wer küsst mich?“ von Maja Roedenbeck, abtreff
Wer kommt zur Buchpremiere von „Und wer küsst mich?“- Berlin, abtreff

Rezension: Der perfekte Eroberer (Maximilian Pütz, Arne Hoffmann)

Der perfekte Eroberer

Der perfekte Eroberer ist ein Buch, das – im Gegensatz zu [LdS] – das Prädikat „kein Gelaber“ nicht unbedingt verdient hat. Die Autoren schreiben gerne viel, ohne viel dabei zu sagen. Konkrete Verführungstechniken sind sehr spärlich gestreut. Die wesentlichen Thesen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Sei du selbst! Sei immer ehrlich! Verschweige nichts!
    Ich sehe die Sache etwas differenzierter und möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass viele nahmhafte PUAs (z.B. Satana) zeitlebens in der Anonymität bleiben, dass die PU-Szene überhaupt erst aufgrund der Anonymität im Internet entstehen konnte und dass Pütz‘ Freundin sich verpixeln lässt, wenn eine Kamera auf die beiden gerichtet wird, während meine sich nicht für mich schämen braucht. Übrigens wurde in [Sprenger, S. 245, 248] nachgewiesen, dass ABs nicht weniger authentisch als Männer in festen Partnerschaften wirken.
  • Überwinde deine Ängste! Vor allem die Angst vor dem Ansprechen!
    Dem kann ich nur zustimmen und hier das Pütz’sche Vier-Punkte-Programm wiedergeben:

    1. So viele fremde Menschen grüßen, bis du zwanzig mal zurückgegrüßt worden bist
    2. Zehn fremden Frauen ein ehrlich gemeintes Kompliment machen
    3. Mit fünf fremden Frauen ein Gespräch von mindestens drei Minuten Dauer führen
    4. Eine fremde Frau dazu bringen, dir ihre Telefonnummer zu geben

    Als AB wirst du diese Aufgaben womöglich nicht bewältigen können – unter anderem, weil Dinge verlangt werden, die nicht in deiner Hand liegen. Mach dir statt dessen dein eigenes Programm, das an deine individuellen Herausforderungen angepasst ist und das keine Schritte enthält, die du nicht selbst beeinflussen kanst.

  • Werde durch PU zu einem besseren Menschen
    Pütz möchte sich von den „gewöhnlichen PUAs“, denen es nur darum geht, Frauen ins Bett zu kriegen, abgrenzen. Es ist aber auch eine Haltung, mit der er viele ABs, die nicht indirekt als minderwertige Menschen bezeichnet werden wollen, sicher verprellt. Ich kann damit auch nicht so viel anfangen. Ich war als AB schon okay, bin es jetzt immer noch. Von einem PU-Buch erwarte ich, dass es mir dabei hilft, Frauen zu verfüheren – nicht mehr und nicht weniger.

WARNUNG:
Pütz ist ein viel gelesener Autor, was dazu führt, dass Frauen im deutsche Sprachraum täglich mit Pütz-Zitaten konfrontiert werden. Das kommt mittlerweile nicht mehr so richtig gut an – insbesondere dann nicht, wenn das Gesamtpaket nicht nach Alpha schmeckt.

Was Pütz zum Thema Onlinedating vorschlägt: (vgl. S. 79f)

Als Beispiel dafür, wie es anders geht, füge ich dir hier mal den Text meines Onlineprofils einer Singleseite ein. Ich habe es vor etwa einem halben Jahr auf dieser Seite hinterlegt und habe dort selbst nur fünf Frauen angeschrieben. Stattdessen schreiben mich ständig Frauen an und machen mir Komplimente für den Text in meinem Profil.
“Ich bin sehr empathisch, ich kann gut zuhören, was aber nicht heißt, dass ich immer Lust dazu habe. […] Attraktivität ist Voraussetzung, auch figürlich. Das Auge fickt mit ;-)”

Und was die Frauenwelt davon hält:

Die Vorstellung, täglich 20 Zuschriften vom Kaliber „Du solltest schon attraktiv sein. Das Auge isst mit.“ zu verkraften, dürfte manche Frau veranlassen, die Finger vom Online-Dating zu lassen. [Link]

Vermeide es also, irgend etwas aus dem Werk wörtlich zu übernehmen. (Das ist letztlich auch bei anderen Ratgebern keine schlechte Devise.)

Trotz aller Kritik: Klare Kaufempfehlung! Du kannst aus dem Buch viel über Frauen lernen. Darüber hinaus erzeugt es beim Lesen ein wohliges Gefühl.


[Pütz] Der perfekte Eroberer (Maximilian Pütz, Arne Hoffmann)

Weblinks:
Mit dem Casanova-Code zum perfekten Eroberer, Die Welt
Buchrezension „Der perfekte Eroberer“ von Maximilian Pütz und Arne Hoffmann, koydo
Interview mit Maximilian Pütz – Ein Autor und Flirtcoach!, eDarling

Rezension: Lob des Sexismus (Lodovico Satana)

LdS

LdS ist das Buch zum Thema Pick-up. Hier lernst du, wie Frauen wirklich funktionieren und was du konkret tun kannst, um sie ins Bett zu kriegen. Kein Gelaber, kein Scheiß. Nicht umsonst eines der erfolgreichsten deutschsprachigen PU-Bücher.

LdS ist ein absolutes Muss für jeden Mann, der sich mit PU beschäftigt. Es ist ein Buch, dass man gar nicht oft genug lesen kann. Geh davon aus, dass du nach der ersten Lektüre nicht alles verstanden hast. Das Verständnis für die zunächst seltsam anmutenden Thesen kommt erst mit den Jahren. Lies das Buch regelmäßig (z.B. ein mal pro Halbjahr) komplett durch, um die tiefen Weisheiten, die sich darin verbergen, wirklich zu erschließen.

Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, kannst du die wichtigsten Verführungstechniken in jedem guten Pick-up-Buch wiederfinden. Das Alleinstellungsmerkmal von LdS ist es, dass es mit einer klaren, deutlichen Sprache und vielen lebensnahen Praxisbeispielen dir die Theorie so nah bringt wie kaum ein anderer Ratgeber. Du lernst hier, dein Versager-Mindset abzulegen und die Welt durch die Augen eines Alphas zu sehen. Nutze diesen Effekt, indem du jedes mal, bevor du „auf die Piste“ gehst, ein paar Seiten LdS konsumierst, um dich in Flirtstimmung zu bringen.

Aber wo viel Licht ist, ist oft auch viel Schatten. In diesem Fall ist es der äußerst schwachsinnig gewählte Titel. Keine Ahnung, was der Autor uns damit sagen möchte.* (Für ihn selbst ist Sexismus** die „mythische Kraft hinter der Liebe“, er verwendet den Begriff also in einer Weise, wie es nur wenige andere Menschen tun.) Zwischen den Buchdeckeln habe ich jedenfalls keinen Sexismus (im klassischen Wortsinn) gefunden.

* Man könnte versucht sein, den Titel als „Agree and Amplify“ zu verstehen, also anzunehmen, dass der Autor einen möglichen Sexismusvorwurf gleich im Titel in überzeichneter Form vorweg nimmt und ihn somit unwirksam macht. Ähnlich wie z.B. Christian seinen Twitter-Kanal „Das Patriarchat“ nennt oder wie Roosh V sich für die Legalisierung von Vergewaltigungen ausspricht. Doch die humorlose Ernsthaftigkeit, mit der er seinen Standpunkt untermauert, lässt diese Annahme unwahrscheinlich erscheinen.
** Sexismus ist die Vorstellung, nach der eines der beiden Geschlechter dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts [Duden]


[LdS] Lob des Sexismus: Frauen verstehen, verführen und behalten (Lodovico Satana)

Weblinks:
Lob des Sexismus – Interview & Buchtipp, iRebell   (Interview mit dem Autor)

„Lob des Sexismus“, Nords Love-shyness Forum
Buch: „Lob des Sexismus“ von Lodovico Satana, Pick Up Tipps
Alpha und Beta aus Lob des Sexismus, pickupforum
Problem: Mein Mindset nach Lob des Sexismus erschreckt mich, pickupforum
Was halten eigentlich die PU-Cats von Lob des Sexismus?, pickupforum

„Lob des Sexismus “ ein Hit! – Emanzen ausgebremst, wallstreet-online
Lob des Sexismus: Frauen verstehen, verführen und behalten, Frauenhandbuch
Buchkritik: Lob des Sexismus – Frauen verstehen, verführen und behalten von Lodovico Satana, askDavid
Lob des Sexismus von Lodovico Satana (Buchkritik), Dating Psychologie
Frauentypen – Von Selbstwertgefühl und Sexualtrieb, Venus küsst Amor

Picking up a Pick-Up-Artist: Selbsterklärte Alpha-Männchen in Theorie und Praxis, sugarbox   (Feministin datet den Autor)

Anmerkung dazu:
Ruf dir nach dem Lesen des Textes noch mal in Erinnerung, dass das Ziel von Pick-up nicht ist, bei Feministinnen „Gefällt-mir-Punkte“ zu sammeln, sondern hübsche Frauen zu verführen. Und dass es selbstverständlich auch mit den besten Pick-up-Techniken nicht möglich ist, eine Feministin zu verführen, die sich nur mit dir trifft, um dich zu düpieren und bloszustellen. Der interessanteste Satz ihrer Ausführungen ist:

wobei ich mir schon vorstellen kann, dass er mit seiner Masche nicht unerfolgreich ist

lobdessexismus.de (Webseite zum Buch, lahm)
Der Läufer auf den schwarzen Feldern (Blog des Autors, wirr und von geringem Nutzen)
Lob des Sexismus (Blog vor dem Relaunch im Jahr 2014, etwas interessanter)

Buch-Vorstellung: Lob des Sexismus, BroCoaching, Youtube

Literaturkritik

Eine kleine Übersicht über die hier veröffentlichten Rezensionen:

Zur groben Einschätzung des kommerziellen Erfolgs der einzelnen Werke sei hier der Amazon-Verkaufsrang aufgeführt. Man beachte, dass die Werte täglich erheblichen Schwankungen unterliegen, und deshalb über eine Reihe von Stichproben aus dem ersten Halbjahr 2016 gemittelt wurden. Deutsche und englische Bücher werden hier separat aufgeführt, da der Rang immer innerhalb gleichsprachiger Bücher ermittelt wird und ein Vergleich zwischen verschiedenen Sprachen somit unsinnig erscheint.

  • Pick-up und Flirten (deutsch)
    Pick-up und Flirten (deutsch)

    Legende:
    LdS: Lob des Sexismus: Frauen verstehen, verführen und behalten, Lodovico Satana
    Pütz: Der perfekte Eroberer: Wie Sie garantiert jede Frau verführen – Die bessere Strategie, Maximilian Pütz, Arne Hoffmann
    Mystery: Wie Sie jede Frau rumkriegen: egal wie Sie aussehen, Mystery
    Game: Die perfekte Masche: Bekenntnisse eines Aufreißers, Neil Strauss
    Deida: Der Weg des wahren Mannes: Ein Leitfaden für Meisterschaft in Beziehungen, Beruf und Sexualität, David Deida
    Flirten: Flirten. Wie wirke ich? Was kann ich sagen? Wie spiele ich meine Stärken aus?, Nina Deißler
    Fikken: Lust auf FIKKEN?: Aus den Abgründen des Internetdatings, amaryllis26

  • Pick-up und Flirten (englisch)
    Pick-up und Flirten (englisch)

    Legende:
    Mystery: The Mystery Method: How to Get Beautiful Women Into Bed, Mystery
    Game: The Game. Penetrating the Secret Society of Pickup Artists, Neil Strauss
    MMM: Models: Attract Women Through Honesty, Mark Manson
    NiceGuy: No More Mr Nice Guy, Robert A. Glover
    Deida: The Way of the Superior Man: A Spiritual Guide to Mastering the Challenges of Women, Work, and Sexual Desire, David Deida

  • Absolute Beginner (deutsch)
    Absolute Beginner (deutsch)

    Legende:
    UWKM: Und wer küsst mich? Absolute Beginners – Wenn die Liebe auf sich warten lässt, Maja Roedenbeck
    Unberührt: Unberührt: Menschen ohne Beziehungserfahrung – Wege zu erfüllter Liebe und Sexualität, Arne Hoffmann
    Sprenger: Männliche Absolute Beginner: Ein Kommunikationswissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung von Partnerlosigkeit, Robin Sprenger
    UnSing: Unfreiwillig Single: Eine Studie zur Sozialisationsgeschichte und kulturellen Alltagspraxis, Olaf Wickenhöfer