Warum „Durchseuchung“ mit Corona keine Option ist

60 bis 70 Prozent der Menschen in Deutschland werden sich mit dem Coronavirus infizieren.

Angela Merkel

Ich grüße Sie aus der Hölle. Helfen Sie uns, indem Sie zuhause bleiben. Wir können kaum mehr helfen. Wenn die Regeln nicht endlich strikt befolgt werden, führt das zu einem Massensterben.

Notfallmediziner aus einem EU-Land mit 0,015% Infizierten

Nachdem jetzt die „Just The Flu“-Fake News etwas an Popularität verloren haben (auf eine Entschuldigung für das Verbreiten von Lügen wartet man aber vergeblich), ist jetzt die Durchseuchungsstrategie der letzte Schrei bei den Corona-Verharmlosern. Demnach haben wir es leider verschlafen, das Virus rechtzeitig einzudämmen und können die Ausbreitung jetzt nur noch verlangsamen und nicht mehr stoppen.

Es werden derzeit viele abenteuerliche Rechnungen verbreitet, die mit geschönten Kapazitätsannahmen, Fallzahlen und Letalitätsraten beweisen wollen, dass alles nicht so schlimm ist. Ich denke am realistischsten ist es, wenn man die Augen aufmacht und mal schaut, wieviel Corona ein Land tatsächlich noch vertragen kann. Italien ist bei 10.000 Fällen an den Punkt gekommen, wo die Erkrankten nicht mehr vernünftig behandelt werden können. Das sind 0,015% der Einwohner Italiens. Laut WHO müssen schwere Fälle 3 bis 6 Wochen im Krankenhaus behandelt werden. Wenn wir auch noch akzeptieren, dass die Menge an Patienten, die bisher in Italien erkrankt sind auf einen Schlag behandelt werden müssen, dann schafft ein europäisches Gesundheitssystem diese Epidemie 9 bis 17 mal im Jahr. Man könnte also 0,135% bis 0,255% pro Jahr infizieren. Um den gewünschten Durchseuchungsgrad von 70% zu erreichen bracht man 392 bis 740 Jahre!

Man müsste ein halbes Jahrtausend medizinische Notfallversorgung im Ausnahmemodus betreiben. Gleichzeitig müsste man mit landesweiter Quarantäne dafür sorgen, dass die Ausbreitung keinen exponentiellen Verlauf annimmt. Dummerweise werden die meisten Menschen kein halbes Jahrtausend alt. Man muss also wieder von vorne anfangen, bevor man mit der ersten Runde fertig ist. Es ist noch nicht mal bekannt, ob überhaupt eine Immunisierung eintritt und wenn ja, wie lange. Und dann hat man noch nicht mit einberechnet, dass ein so weit verbreitetes Virus mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mutieren würde. Man hat also – wie bei der Grippe – die Situation, dass jedes Jahr zusätzlich neue Varianten des Virus kommen, gegen die noch niemand immun ist.

Es kann natürlich sein, dass eine vollkommene Vernichtung von SARS-CoV-2 nicht möglich ist. Das Virus ist in so vielen Ländern verbreitet, und nicht überall ist der Wille vorhanden, beim Kampf gegen die Seuche alles zu geben. In dem Fall muss die Welt eben ab jetzt permanente Anstrengungen unternehmen, um jedes Wiederaufflammen der Pandemie im Keim zu ersticken. Vielleicht müssen wir dann fortan alle wöchentlich einen Corona-Test machen. Und Fernreisen ohne Quarantäne sind nicht mehr drin. So what? Besser als das permanente Massensterben ist es allemal!

Der Firnis der Zivilisation

Was bei all diesen Zahlen oft vergessen wird: Es geht hier um Menschen, die ihr Leben lassen. Menschen, die in der aktuellen Berichterstattung keinen Namen und kein Gesicht haben. Menschen, die oft mitten im Leben stehen, und deren Tod achselzuckend in Kauf genommen (oder gar mit einem hämischen Lachen begrüßt) wird. Ich finde es erschütternd, dass man überhaupt mit den Kapazitätsgrenzen der maximal möglichen Sterberate argumentieren muss, und es keine Selbstverständlichkeit ist, so viele Menschenleben wie möglich zu retten.

Stellvertretend für die vielen Menschen, die im Kampf gegen Covid-19 ihr Leben lassen mussten möchte ich hier an eine Person erinnern, deren Tod mir irgendwie nahe gegangen ist.


Weblinks:
Don’t “Flatten the Curve,” squash it!
deutsche Übersetzung: “Die Kurve abflachen” reicht nicht, wir müssen mehr tun und sie aufhalten

[Es kommt] mit Sicherheit nicht in Frage, Millionen von Gesunden Mitbürgern absichtlich mit einem aggressiven Virus zu infizieren, von welchem wir eigentlich überhaupt nichts wissen, weder das Ausmass der akuten Schädigung, noch die Langzeitfolgen; je grösser die Anzahl Viren pro Population, desto grösser die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Mutation, welche das Virus noch aggressiver machen könnte. Also sollten wir sicher nicht aktiv mithelfen, die Anzahl Viren pro Population zu erhöhen.

COVID-19 – eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen; GASTKOMMENTAR von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt; Mittelländische Zeitung

Um nicht der Wirtschaft zu schaden eine „Durchseuchung“ erreichen? Reiner Wahnsinn!, Volksverpetzer

EndCoronavirus.org

5 Kommentare zu “Warum „Durchseuchung“ mit Corona keine Option ist

  1. Hmm, kann mir das mal jemand erläutern? Es gibt noch keinen Impfstoff und Herdenimmunität können sie noch nicht erreicht haben. WTF? Das muss doch sofort eine zweite Welle geben?

    http://blog.fefe.de/?ts=a088630c

    So weit ist es schon gekommen, dass Durchseuchung (=Herdenimmunität) als einzig mögliche Lösung gesehen wird. Dabei hat China vorgemacht, dass man selbst in scheinbar aussichtsloser Lage das Virus nicht nur zurückdrängen, sondern sogar ausrotten kann.

    Was bisher die meisten Europäer nicht verstehen aus meiner Sicht ist, dass die Chinesen sich die Situation in Wuhan einige Wochen angeschaut haben und dann beschlossen haben, dass die billigste Antwort ein landesweiter kompletter Shutdown und absolut drakonische Maßnahmen sind. Und jetzt, nach 2 Monaten, scheint sich das durchaus als korrekt herauszustellen.

    Seit letzte Woche muss auch absolut jeder Einreisende nach China 2 Wochen in Zwangsquarantäne. Die Angst vor einer zweiten Welle erscheint daher relativ gering.

    http://blog.fefe.de/?ts=a089a4d9

    Diesen Weg werden wohl alle zivilisierten Staaten gehen müssen, die kein Massensterben verantworten wollen. Bei halbherzigen Maßnahmen ist nicht ganz klar, ob es zu schaffen ist. Aber man gewinnt immerhin etwas Zeit, in der man lernen kann, was zu tun ist.

  2. Wahnsinn! Nur 40 Tage nach ihrer Fehleinschätzung hat Merkel diese schwierige Dreisatzaufgabe korrekt gelöst:

    Kanzleramtschef Helge Braun hält die Strategie einer „Herdenimmunität“ für untauglich im Kampf gegen das Coronavirus. „Um die Hälfte der deutschen Bevölkerung in 18 Monaten zu immunisieren, müssten sich jeden Tag 73.000 Menschen mit Corona infizieren“, sagte Braun der Nachrichtenagentur dpa. „So hohe Zahlen würde unser Gesundheitssystem nicht verkraften und könnten auch von den Gesundheitsämtern nicht nachverfolgt werden. Die Epidemie würde uns entgleiten.“

    https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-corona-sonntag-109.html

    Unbestätigten Berichten zu Folge soll die promovierte Physikerin von einer Expertenkommission für besonders schwierige Dreisatzaufgaben Unterstützung erhalten haben.

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