Der Koitus-Euphemismus

Eine alte Pick-up-Regel lautet: Sag ihr nie direkt, dass du sie ficken willst. (Es ist übrigens empirisch ganz gut belegt, dass das bei Frauen überhaupt nicht funktioniert. Bei Männern hingegen scheint das sowas wie die optimale Verführungsstrategie zu sein.) Es ist jedoch kein Problem, mit einem kleinen Euphemismus (z.B. DVD schauen, Goldfisch zeigen) anzudeuten, was gleich passieren wird.

Ist der Koitus-Euphemismus unehrlich?
Nein, der Koitus-Euphemismus dient nicht dazu, jemandem unter Vorspielung falscher Tatsachen in eine Sex-Falle zu locken, wie teilweise behauptet wird. Er ist vielmehr eine alternative Formulierung, die von sexuell aktiven Menschen zweifelsfrei verstanden wird. Jede Frau weiß, was die Stunde geschlagen hat, wenn du sie in deine Höhle schleppst oder beabsichtigst, ihr Nest zu besichtigen. Jeder Vorschlag, sich als Mann und Frau an einen Ort zu begeben, an dem man Sex haben könnte, wird im Allgemeinen als Einladung zum Sex interpretiert. Dieses Vorgehen ist weder unehrlich noch verklemmt, sondern einfach klare Kommunikation im Jargon der sexuell Aktiven.

Ein kleines Beispiel soll diesen Sachverhalt veranschaulichen: Ich datete mal eine Frau, mit der nach dem dritten Treffen immer noch nichts im Bett lief. Ich wusste, dass ich nach einem weiteren sexlosen Date wohl gefriendzoned werden würde und schlug ihr deshalb vor, doch gemeinsam eine DVD anzusehen. Sie lehnte das ab und machte statt dessen eine Reihe von Alternativvorschlägen, die alle eine Gemeinsamkeit hatten: sie fanden in der Öffentlichkeit statt. Die Art, wie sie argumentierte (unlogische Pseudoargumente), ließ keinen Zweifel daran, dass auch sie wusste, was mit „DVD-Abend“ gemeint ist. Ich blieb bei meiner Forderung und bekam schließlich das, was man unter einem heterosexuellen DVD-Abend versteht: Fünf Minuten Spielfilm, dann Übergang zum Hauptgang – sogar ohne die geringsten Anzeichen von LMR.

Warum wollen Frauen keine Männer, die den Sex ankündigen?

  • Es klinngt nicht gut
    Es gibt ein paar Dinge, die sagt ein kultivierter Herr nicht in aller Direktheit. Statt zu fragen „Wo kann ich hier meinen Kot ausscheiden?“ erkundigt er sich nach den Waschräumen. Statt zu sagen „Ich möchte meinen steifen Penis so lange in deiner Vagina reiben, bis das Sperma herausspritzt“, bietet er eine Besichtigung seiner Wohnung / einen Kaffee etc. an. In beiden Fällen liefert auch die indirekte Formulierung alle relevanten Informationen.
  • Es ist langweilig
    Sexuelle Spannung entsteht aus der Ungewissheit, aus uneindeutigen Signalen, wenn die Frau sich fragt „will er mich jetzt oder nicht?“. Wenn zweifellos klar ist, dass er sie ins Bett kriegen will, verliert sie das Interesse.
  • Es erschwert einen Rückzieher.
    Frauen wollen in der Regel keine verbindliche Zusage zum Sex erteilen. Sie wollen bis zur letzten Sekunde die Option auf einen Rückzieher behalten, ohne sich danach schlecht fühlen zu müssen. (Was zwar auch bei einer direkten Absprache nicht nötig wäre, aber ein „Ich dachte, wir wollen nur DVD schauen“ fühlt sich eben besser an als ein „Ich will jetzt doch nicht mehr poppen. Ich weiß auch nicht wieso.“)
  • Es entbindet Frauen nicht komplett von jeglicher Verantwortung
    Frauen willigen zum Sex meist nur dann ein, wenn sie die Verantwortung dafür nicht tragen müssen. Wenn du sie aber zwingst, „Ja“ zum Sex zu sagen, muss sie immer eine gewisse Mitverantwortung tragen, denn ohne ihr Ja wäre es ja nicht so weit gekommen. Frauen wollen sich hinterher sagen können, dass der Sex „einfach so passiert ist“. Er soll gerade nicht das Ergebnis einer bewussten Willensentscheidung sein.

Warum wollen Männer den Sex ankündigen?
Für Männer ist die Verführung eine Investition und Sex der Payout. (Ganz im Gegensatz zu den Frauen, die Verführung als Instrument zur Qualitätssicherung sehen.) Von daher ist es nur rational, dass Männer möglichst früh abklären möchten, ob es am Ende tatsächlich zum Sex kommt. (Während Frauen sich bis zum Schluss alle Optionen offen halten wollen.) Manche Männer fühlen sich wohl auch durch feministische Propaganda (vgl. „consent culture„) bemüßigt, ihren Beischlafwunsch zu einem frühen Zeitpunkt in sehr direkter Form anzukündigen.

Wie reagieren Frauen auf eine direkte Sex-Anfrage?
In den einschlägigen Videos

haben die Männer damit zwar keinen Erfolg, doch reagieren die meisten Frauen (überraschenderweise) nicht aggressiv. Ich kann mir diese Milde nur durch das überdurchschnittliche Aussehen und vor allem das unerschütterliche Selbstbewusstsein der Männer erklären. Meine persönliche Wahrnehmung ist allerdings eine andere. Mir haben schon viele Frauen von Männern berichtet, die ihnen ohne große Umschweife erklärt haben, was sie von ihnen wollen. Und ich kann die Berichte wie folgt zusammenfassen: Die meisten Frauen finden es total schlimm, direkt auf Sex angresprochen zu werden. Insbesondere dann, wenn der Mann unattraktiv ist. Eine höfliche Anfrage führt dann oft zu einer Reaktion, als hätte ihnen jemand Gewalt angetan. Noch Wochen später sind sie am schluchzen („Wie konnte er nur? Was denkt er von mir? Für wen hält er sich? …“). Dazu passt auch der Titel des Flirt-Ratgebers von amaryllis26, der die direkte Sex-Anfrage zu den „Abgründen des Internetdatings“ zählt.

Ein direktes Ansprechen kann aber auch Gelegenheiten bei bereits vorhandener Anziehung zerstören. Mir hat mal eine Frau von einem Mann erzählt, den sie attraktiv fand und mit dem sie gerne unverbindlichen Sex gehabt hätte. (Und das wahrscheinlich auch durch IOIs gezeigt hat.) Dieser fragte sie dann, ob sie mit ihm Sex haben möchte. Von der Direktheit der Frage überrascht lehnte sie reflexartig ab – sehr zu ihrem eigenen Bedauern.

Das andere Extrem
Wie bei den meisten Pick-up-Themen ist es auch hier wichtig, das richtige Maß zu halten und nicht zum anderen Extrem, einem komplett asexuellen Verhalten überzugehen. Beim Verführen ist es durchaus erforderlich, sein sexuelles Interesse an der Frau zu zeigen. Das sollte man dann aber raffiniert und frech und nicht plump und direkt tun. Es sollte nicht zu eindeutig sein, um nicht die sexuelle Spannung zu töten aber auch nicht zu vage, um nicht als herumdrucksen aufgefasst zu werden. Das ganze ist eine Gratwanderung, die für Anfänger schwer zu meistern ist.

Ist die direkte Sex-Anfrage chancenlos?
Nein. Auch wenn die wissenschaftlichen Studien eine Erfolgsquote von 0% konstatieren, gibt es immer wieder Männer, die berichten, damit Erfolg gehabt zu haben. Aber die Erfolgsquote liegt eben weit unter der bei der indirekten Methode. Insbesondere bei weniger attraktiven Männern, für die dieser Blog ja gemacht wurde. Wenn es anders wäre, könnte man die gesamte Korpus an Pick-up-Theorie vergessen und durch den einen Ratschlag ersetzen: Frag sie, ob sie ficken will.

Ein Beispiel für ein sehr direktes Ansprechen von Sex, das auch von anderen Bloggern als erfolgversprechend bewertet wurde, liefert Enrique Iglesias mit seinem Song “Tonight, I’m Fucking You”. Ich kann mir gut vorstellen, dass sowas bei einer geeigneten Mann-Frau-Kombination (Alpha-Mann, nymphomanische Frau) und guter Kalibrierung schnell zum gewünschten Ergebnis führt. Bei einem schüchternen Mann oder einer Frau, die viel Wert auf Comfort/Romantik legt, schätze ich die Erfolgschancen eher gering ein.


Siehe auch:

Genauso würde eine Frau niemals direkt auf ein explizit ausgesprochenes Sexangebot eingehen – man geht vielmehr dann ‘noch mit zu ihm ne DVD schauen …’ was dann letztendlich aufs Gleiche hinausläuft. Auch hier kann Sie sich dann vor ihrem sozialen Zirkel rechtfertigen mit ‘es ist halt einfach passiert’ – es war damit quasi die ‘Schuld’ des Mannes.

Gastbeitrag: Eine (bittere?) Wahrheit

Weblinks:

Viele Frauen lieben Glaubhafte Abstreitbarkeit (englisch plausible deniability), die Geschichte des Abends soll weniger ein “Dann habe ich ihn mit hoch genommen, weil ich ihn ficken wollte” sondern eher ein “es ist irgendwie passiert, er wollte nur kurz meine Wohnung anschauen und irgendwie war es dann schön und ich weiß gar nicht was passiert sind, aber morgens sind wir zusammen aufgewacht”.

Warum nicht einfach sagen, was man will?
Die meisten Frauen sind davon aber meiner Meinung nach wenig begeistert. Sie wollen eben eher, dass ihre Anti-Slut-Defense intakt bleibt, dass sie leugnen können, dass sie ihn deswegen mit hoch genommen haben, sie wollen sich auch noch nicht festlegen, sondern eher verführt werden, es soll aus der Stimmung heraus dazu kommen, weil der Moment passt und es gefällt ihnen nicht, dass auszusprechen, weil es billig und vulgär klingt.

Und die, die auch mit offenen Worten kein Problem hätten, haben auch nichts dagegen, wenn man es etwas einkleidet. Frauen ist ja üblicherweise bewußt, dass ein Mann, der mit ihnen auf ein Date geht, auch üblicherweise kein Problem mit Sex hat, wenn das gut gelaufen ist.

[Alles Evolution]

„Hast du Lust, noch auf einen Kaffee mit hoch zu kommen?“ ist wohl die eindeutigste Einladung zum Sex beim ersten Date. Gleich nach „Hast du Lust, noch auf Sex mit hoch zu kommen?“

[Der Berater]

„Willst du noch auf einen Kaffee zu mir hochkommen?“ heißt oft genug nichts anderes als „Wollen wir poppen?“, wenn man nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen möchte.

[der Freitag, Arne Hoffmann]

Im englischen Arbeiterklasse-Film „Brassed Off“, begleitet der Held eine hübsche junge Frau, die ihm an der Wohnungstür mitteilt: „Kommst du noch auf einen Kaffee mit rauf?“ Auf seine Antwort: „Da gibt’s ein Problem – ich trinke keinen Kaffee“ antwortet sie mit einem Lächeln: „Kein Problem. Ich hab‘ keinen da.“

[Die Welt]

Which wine do you prefer, red or white? [This is the covert signal that this is to be a sex date]

[Krauser PUA]

Forscher haben die neuen „Konsens-Vorschriften“, die eher einem Yes means Yes entsprechen, untersucht. Sie haben dazu Interviews mit Studenten geführt, um deren Vorstellungen zu ermitteln.

“That’s what they said hundreds of times in our first round of interviews,” Laker said. “‘It just happened.’” Rarely did students ever indicate they asked each other if they were consenting to the activity.

Alles Evolution

Warum eine Einladung zum DVD Abend fast immer beim Sex endet, pickupforum
Bootycall? Gilt hier dasselbe wie sonst (keine verantwortung abgeben)?, pickupforum
Der Kaffee zu Hause = Einladung zum Sex ?!, ElitePartner Forum
DVD-Abend als Synonym für Sex?, bym
„Lass und eine DVD bei mir gucken“ so nennt man das heutzutage, gofeminin
Einladung Nachhause=Sex?, erdbeerlounge
„Hey ich will jetzt einfach mit dir ficken“ , Telepolis Forum
2 Socially Acceptable Ways to Ask a Chick to Sleep With You, Good Looking Loser
Netflix and chill, Wikipedia

Literatur:

Vergiss aber nicht, dass es ganz unabhängig von Schuld und Scham immer ein Vorteil ist, die Frau möglichst lange im Unklaren über die eigenen Absichten zu lassen. Wenn sie von Anfang an genau weiß, dass du mit ihr schlafen willst, kann dies das instinktive Unbewusste mit einem Absinken der Anziehungskraft bestrafen. Halte dich also bedeckt! Besser ist es deshalb in jedem Fall, wenn du den Ablauf der Dinge so strukturierst, dass es den Anschein hat, alles wäre „einfach passiert“. Führe sie, übernimm die Verantwortung und gib ihr Gelegenheit, die Schuld für ihre unendliche Lust dir, dem Alkohol oder anderen Leuten zu geben! Sag zu der jungen Zuckerpuppe, mit der du auf dem bequemen Sofa deiner bevorzugten Cocktailbar seit einer vollen Stunde herumknutschst, nicht etwa: „Hey Kleines, lass uns zu mir nach Hause fahren und ficken!“ Das würde nur eine starke Gegenreaktion zum Selbstschutz vor Schuld auslösen und außerdem ihre instinktiven Kontrollmechanismen herausfordern. Erzähl ihr stattdessen von dieser großartig eingerichteten Asia-Bar gleich um die Ecke, die ihr euch ansehen könntet. […] „Was für lächerliche kleine Ausreden!“, wirst du jetzt vermutlich sagen. Selbstverständlich halte ich Frauen nicht für derart bescheuert, dieses Spiel nicht zu durchschauen. Aber das ist gar nicht so wichtig. Letzten Endes konstruiert ihr gemeinsam eure Ausrede und der Verführer leistet mit seiner Erfahrung nur die hauptsächliche Arbeit. Er gibt ihr die Chance, ihre sexuelle Lust ungehemmt und verantwortungslos auszuleben; an ihrem (schuld-)bewussten Selbst vorbei. [LdS, S. 79]

Die Frage „Möchtest du eine Beziehung mit mir?“ ist ungefähr so sinnvoll wie die Frage „Würdest du bitte mit mir schlafen?“ was wiederum ungefähr so sinnvoll ist, wie beim Teufel persönlich eine handgeschriebene Bibel in Auftrag zu geben. [LdS, S. 195]

Ich unterbreche sie, indem ich sanft einen Finger auf ihren Mund lege. Dann gehe ich einen Schritt auf sie zu, sehe ihr in die Augen und küsse sie. Sie wird schnell sehr leidenschaftlich. Ich sage: „Glaube ja nicht, dass du heute noch Sex bekommst.“ Sie versichert mir, keinen Sex zu wollen. Ich sage: „Wenn du mir versprichst, die Finger von mir zu lassen, können wir genauso gut bei mir zu Hause essen.“ […] Ich nehme ihre Hand und gehe los. [LdS, S. 159]

Wenn es bereits bei userem ersten Treffen zum Kuss kommt, sage ich zu meiner Begleiterin schon mal: „Komm, wir bezahlen“, bestelle ein Taxi und nenne dem Fahrer ganz selbstverständlich meine Adresse. […] Dabei sollte man sich nichts vormachen: Keine Frau ist so naiv, nicht zu wissen, dass, wenn sie mit in deine Wohnung kommt, automatisch auch der Gedanke an Sex im Raum schwebt. Wenn sie hier Bedenken hat, wird sie deiner Einladung nicht folgen.

[Pütz, S. 266f]

(Alle Hervorhebungen durch den Verfasser)

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