Wissenschaftliche Erforschung des Pick-ups

Dieser Post soll einen Überblick über den aktuellen Stand der empirischen Pick-up-Forschung liefern. Die Forschungsergebnisse werden entsprechend der Struktur meines früheren Posts „Der Fünf-Minuten-PUA“ dargestellt.

  1. grünDominanz
    Dominantes Verhalten macht Männer attraktiver. (Frauen aber nicht.)

    Edward K. Sadalla, Douglas T. Kenrick, Beth Vershure; 1987; Dominance and heterosexual attraction., Journal of Personality and Social Psychology, Vol 52(4), 730-738.
    [Link]

    Verträgliche Männer haben weniger Sexualpartner und werden auf Fotos als unattraktiver bewertet.

    Geoffrey C. Urbaniak, Peter R. Kilmann; 2006; Niceness and Dating Success: A Further Test of the Nice Guy Stereotype; Sex Roles; Volume 55, Issue 3-4, pp 209-224
    [Link]

    Dominant aussehende Teenager haben früher Sex.

    Allan Mazur; 1994; Dominant looking male teenagers copulate earlier; Ethology and Sociobiology, Vol.15(2):87–94
    [Link]

    Eine dominante, expansive Körperhaltung macht attraktiver

    Tanya Vacharkulksemsuk, Emily Reit, Poruz Khambatta, Paul W. Eastwick, Eli J. Finkel, Dana R. Carney; 2016; Dominant, open nonverbal displays are attractive at zero-acquaintance; PNAS
    [Link]

    1. halb grünAnsprechen
    2. Ein empirischer Nachweis der erfolgssteigernden Wirkung des Ansprechens steht noch aus. Es gibt lediglich Belege dafür, dass Männer es häufiger tun und dabei weniger erfolgreich sind:

      Feldstudie in Singlebars: Männer sprechen Frauen ca. 3,5 mal so häufig an wie umgekehrt.

      Monica M. Moore; 1985; Nonverbal Courtship Patterns In Women; Ethology and Sociobiology; Vol.6(4): 237–247

      Alle Frauen, die Männer in Single-Bars ansprechen, erhalten ausschließlich positive Reaktionen, während selbst die erfolgreichsten Männer nicht mehr als 70% positive Reaktionen erziehlen konnten.

      M. R. Cunningham; 1989: Reactions to Heterosexual Opening Gambits: Female Selectivity and Male Responsiveness; Personality and Social Psychology; Bulletin 15, 27-41

      Die Erfolgsquote beim direkten Ansprechen auf Sex liegt bei 0%, wenn Männer Frauen ansprechen und bei ca. 70%, wenn Frauen Männer ansprechen.

      Russel D. Clark III, Elaine Hatfield; 1989; Gender differences in Receptivity to Sexual Offers; Journal of Psychology & Human Sexuality; 2, 39-55.
      [Blog]

      Während es für Männer schwer ist, auch nur eine Telefonnummer zu bekommen, müssen Frauen lediglich lächeln und warten, bis sie angesprochen werden.

      Andreas M. Baranowski; 2012; The Science of Seduction: Towards an evidence-based approach to heterosocial skills training.; Saarbrücken: Akademikerverlag.; S. 60

    3. grünBerührungen initiieren
      Frauen akzeptieren eine Aufforderung zum Tanz eher, wenn sie leicht am Unterarm berührt wurden.
      Frauen vergeben ihre Telefonnummer eher, wenn sie leicht berührt wurden.
      Frauen beschreiben Männer, die sie leicht berührt haben als dominanter und sexuell attraktiver.

      Nicolas Guéguen; 2007; Courtship compliance: The effect of touch on women’s behavior
      [Link]

    4. grauUnternehmungen initiieren
    5. grünSonstiges initiieren
      Männer, die initiativ das Getränk der Frau nachschenken, werden „drastisch aufgewertet“.

      [Sprenger] Robin Sprenger; 2014; Männliche Absolute Beginner: Ein kommunikationswissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung von Partnerlosigkeit; Springer VS; S. 310

    6. grünC&F, Humor, nicht ernst nehmen
      Frauen werden Fotos mit Autobiographien von Männern vorgelegt. Die Frauen finden die Männer attraktiver, deren Autobiographien humorvoll formuliert sind. Kein entsprechender Effekt bei Männern.

      Eric Bressler, Sigal Balshine; 2006; The influence of humor on desirability; Evolution and Human Behavior, 27(1), 29–39

    7. grauRegeln brechen
  2. grünResilienz
    Neurotizismus korreliert bei Männern deutlich negativ mit sexuellem Erfahrungsstand (Nicht-jungfräulichkeit, Kuss- und Pettingfrequenz, Lebenszeitanzahl Sexualpartner). Keine signifikante Korrelation bei Frauen.

    C. Meston, P. Trapnell, B. Gorzalka; 1993; Sex and the Five Factor Model of Personality; Paper presented at the annual meeting of the International Academy of Sex Research, Pacfic Grove, CA

    Absolute Beginner sind neurotischer als sexuell erfahrene Männer

    [Sprenger] Robin Sprenger; 2014; Männliche Absolute Beginner: Ein kommunikationswissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung von Partnerlosigkeit; Springer VS; S. 211
    gleiches Ergebnis in:
    F. Neyer; 1999; Die Persönlichkeit junger Erwachsener in verschiedenen Lebensformen.; Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie

    1. grauShit Tests
    2. grauFrame
    3. halb rotAuthentizität
    4. Absolute Beginner wirken auf Frauen etwas authentischer als sexuell erfahrene Singles.

      [Sprenger] Robin Sprenger; 2014; Männliche Absolute Beginner: Ein kommunikationswissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung von Partnerlosigkeit; Springer VS; S. 304

    5. grauLMR / Freeze out
  3. grünAttraktivitätsgefälle
    Unattraktive Freunde des eigenen Geschlechts und attraktive Freunde des anderen Geschlechts machen heterosexuelle Menschen attraktiver. („ugly friend effect“ und „Hugh Hefner effect“)

    Anthony C. Little, Christine A. Caldwell, Benedict C. Jones, Lisa M. DeBruine; 2011; Effects of Partner Beauty on Opposite-Sex Attractiveness Judgments; Archives of Sexual Behavior, Volume 40, Issue 6, pp 1119-1127
    [News]

    1. graukein Podest
    2. grauqualifizieren
    3. grauMach dich rar!
    4. grauOneitis
    5. grauPush/Pull
    6. halb grünNeg
      Gain-Loss-Theorie: Menschen mögen andere Personen eher, wenn diese erst negative und dann positive Bewertungen äußern. (Im Vergleich zu nur positiven, nur negativen und erst negativen und dann positiven Bewertungen, wobei letztere am wenigsten gemocht wurden.)

      Elliot Aronson, Darwyn Linder; 1965; Gain and loss of esteem as determinants of interpersonal attractiveness; Journal of Experimental Social Psychology; Vol.1(2):156–171

    7. grauAufmerksamkeit streuen
    8. grünSocial Proof
      • Mate Choice Copying (Pre-selection, Preapproved by women, Herdentrieb, Lemming-Effekt):
        Frauen finden Fotos von Männern attraktiver, wenn diese als vergeben beschrieben werden. (Umgekehrter Effekt bei Männern)

        Jessica Parker, Melissa Burkley; 2009; Who’s chasing whom? The impact of gender and relationship status on mate poaching; Journal of Experimental Social Psychology 45; 1016–1019

        Frauen finden Fotos von Männern attraktiver, wenn diese von Frauen angelächelt werden. (Umgekehrter Effekt bei Männern)

        Jones, DeBruine, Little, Burriss, and Feinberg; 2007; Social transmission of face preferences among humans.; Proc Biol Sci. 274(1611):899-903

        Frauen finden Männer attraktiver, wenn diese in Begleitung einer attraktiven Frau sind. (Aber nicht, wenn die Begleitung unattraktiv ist.)

        D. Waynforth; 2007; Mate Choice Copying in Humans; Human Nature

    9. grünStatus / DHV
      • Frauen legen bei der Partnerwahl größeren Wert auf sozialen Status als Männer

        T. K. Shackelford, D. P.Schmitt, D. M. Buss, 2005, Universal dimensions of human mate preferences, Personality and Individual Differences, 39, 447-458

        Das gilt besonders dann, wenn die Männer am unteren Ende der Statushierarchie stehen und wenn es um Langzeitbeziehungen geht.

        Li, Norman P.; Yong, Jose C.; Tov, William; Sng, Oliver; Fletcher, Garth J. O.; Valentine, Katherine A.; Jiang, Yun F.; Balliet, Daniel; Nov 2013; Mate preferences do predict attraction and choices in the early stages of mate selection.; Journal of Personality and Social Psychology, Vol 105(5), 757-776.

      • Frauen legen bei der Partnerwahl größeren Wert auf das Einkommen des Partners als Männer

        D. M. Buss; 1985; Human Mate Selection; American Scientist, 73, 47-51

      • Frauen finden Fotos von Männer attraktiver, wenn diese in einem statushohen Kfz sitzen als in einem statusneutralen. (Kein entsprechender Effekt bei Frauen.)

        M. J. Dunn, R. Searle; 2010; Effect of manipulated prestige-car ownership on both sex attractiveness ratings; British Journal of Psychology, Volume 101, Issue 1, pages 69–80

      • Die Motorengeräusche teurer Sportwagen erregen Frauen (gemessen über die Testosteron-Konzentration im Speichel). Umgekehrter Effekt bei durchschnittlichen Kleinwagen.

        [News][News]

    10. halb grünPeacocking
      Frauen bevorzugen Männer für kurzfristige Beziehungen, wenn diese Produkte kaufen, die vor allem der Selbstpräsentation dienen.

      Sundie, Jill M.; Kenrick, Douglas T.; Griskevicius, Vladas; Tybur, Joshua M.; Vohs, Kathleen D.; Beal, Daniel J.; Peacocks, Porsches, and Thorstein Veblen: Conspicuous consumption as a sexual signaling system.; Journal of Personality and Social Psychology, Vol 100(4), Apr 2011, 664-680.
      [News]

  4. halb grünGeborgenheit
    1. grauHarmonie
    2. halb grünKörpersprache spiegeln
      Menschen mögen ihren Gesprächspartner mehr, wenn dieser ihre Körpersprache spiegelt.

      T. L. Chartrand, J. A. Bargh; 1999; The Chameleon Effect: The Perception-Behavior Link and Social Interaction

    3. grauEmotionale Themen
    4. grünSelbstoffenbarung
      Menschen empfinden einen enormen Zuwachs an Nähe, wenn sie einander Selbstoffenbarungsfragen stellen. Die Ergebnisse sind unabhängig davon, ob die Probanden in wesentlichen Einstellungen übereinstimmen und ob sie davon ausgehen, dass ihr Gesprächspartner sie mag.
      (Im Mittel fühlten sie sich nach 45 min ihrem Gesprächspartner näher, als 30% der Befragten ihrem engsten, tiefsten und intimsten Beziehungspartner.)

      A. Aron, E. Melinat, E. N. Aron, R. D. Vallone, R. J. Bator, The Experimental Generation of Interpersonal Closeness: A Procedure and Some Preliminary Findings

grünPauschale Pick-up-Forschung
Neben der Erforschung einzelner Aspekte des Pick-ups kann auch die gebündelte Wirkung verschiedener Techniken untersucht werden:

Nach einem Flirt-Coaching bekommen Männer, die Frauen ansprechen und nach deren Telefonnummer fragen, mehr positive Antworten. Das Flirt-Coaching bestand aus

  • einem theoretischen Teil, in dem die evolutionsbiologischen Hintergründe des Flirtens (inklusive Hinweise zur praktischen Anwendung) sowie der Stand der Wissenschaft zum Thema Verführung und Partnerwahl behandelt wurden
  • einem Diskussionsteil, in dem die Teilnehmer sich über ihre positiven wie negativen Erfahrungen mit dem Flirten sowie über mögliche Implikationen der wissenschaftlichen Ergebnisse austauschten
  • einem Praxisteil, in dem die Teilnehmer in Rollenspielen das Erfragen der Telefonnummer üben, die Interpretation von Körpersprache üben, nach Anleitung verschiedene klassische PU-Übungen zur Überwindung der Ansprechangst machen (z.B. fremde Menschen grüßen, sie nach einer Veranstaltung fragen, bewusst Ablehnung provozieren) und dazu Feedback erhalten.

Andreas M. Baranowski; 2012; The Science of Seduction: Towards an evidence-based approach to heterosocial skills training.; Saarbrücken: Akademikerverlag.

Legende
rot deutliche Indikationen, die gegen diese These sprechen
gelb unklare oder (scheinbar) widersprüchliche Indikationen
grün deutliche Indikationen, die für diese These sprechen
halb grün halb rot schwache Indikationen, die für/gegen diese These sprechen
grau unerforscht
[News], [Blog]: populärwissenschaftliche Darstellungen in Zeitungen und Blogs


Siehe auch:
Gründe für wissenschaftliche Pick-up-Forschung
Gründe für informelle Pick-up-Forschung

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